Soziologe Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani

So entscheidet Herkunft über Bildungschancen

Ob jemand einmal aufs Gymnasium geht, Chef wird oder eine Firma gründet – das ist weit weniger von individueller Leistung abhängig als wir glauben. Die soziale Herkunft entscheidet maßgeblich über unsere Zukunft, sagt der Soziologe Aladin El-Mafaalani.

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Von Autor/in Katja Heijnen

So entscheidet Herkunft über Bildungschancen

Wenn du dich genug anstrengst, kannst du alles erreichen!

Dieser Satz stimmte schon nicht, als Aladin El-Mafaalani 1978 im Ruhrgebiet geboren wurde – und stimmt bis heute nicht. Dass er – Sohn syrischer Flüchtlinge – es sogar zum Uniprofessor gebracht hat, ist für ihn nur ein weiterer Beweis für seine Forschungsergebnisse: Nicht, ob jemand Migrationshintergrund hat oder nicht, ist entscheidend für den späteren Werdegang, sondern Finanzen und Bildung der Eltern – und die waren in seinem Fall Akademiker.

"Wir müssen aufhören, Schule nur als Ort zu sehen, an dem Lehrer arbeiten!"

Die Zahlen geben ihm Recht: Von 100 Akademikerkindern schaffen es 74 an die Universität, 10 promovieren, von 100 Arbeiterkindern studieren nur 21 und nur eines promoviert. Für Aladin El-Mafaalani heißt das im Klartext: Wenn wir es schaffen wollen, dass alle von unserem Bildungssystem profitieren, müssen wir die Schule verändern: hin zu einem Ort, an dem alle möglichen pädagogischen Berufe zusammenarbeiten, Sportvereine und Musikschulen selbstverständlich präsent sind. Dass nach wie vor Zehntausende von Schülern ohne Schulabschluss die Schule verlassen, kann sich Deutschland schon alleine aufgrund des demographischen Wandels nicht erlauben – davon ist El-Mafaalani überzeugt.

Kämpfer für Bildungsgerechtigkeit

Aladin El-Mafaalani ist Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der TU Dortmund. Er kennt das deutsche Bildungssystem aus unterschiedlichen Perspektiven: als Schüler und Student, Berufsschullehrer und Vater, Ministerialbeamter und heute Uniprofessor. 2023 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Aktuell macht ihm Sorge, dass in unserer alternden Gesellschaft jüngere Menschen immer weniger Möglichkeiten haben, ihre Interessen durchzusetzen, obwohl sie die Gesellschaft von morgen am Laufen halten sollen.

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