Auf ihn können sie sich im Moment beim VfB verlassen: Ermedin Demirovic. Mit seinem Doppelpack sorgte er für einen insgesamt mühevollen Stuttgarter Heimsieg gegen mutige Kölner. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich der Gäste war es einmal mehr die Nummer Neun der Schwaben, die das Spiel in der Schlussphase wieder auf die Seite der Hausherren zog. Für den Sieg habe es "viel Wille und viel Charakter" gebraucht, sagte Demirovic, der auch im Hinspiel gegen den FC getroffen hatte, nach der Partie.
Nach seiner langen Verletzung und dem Comeback Anfang Januar kommt Demirovic immer besser in Fahrt: Wettbewerbsübergreifend gelangen dem Angreifer in den letzten fünf Partien vier Treffer, insgesamt steht er in dieser Bundesligasaison nun bei sieben Toren. Bereits vor zwei Wochen gegen Freiburg hatte er den Stuttgartern spät zu drei Punkten verholfen.
Stuttgart in der zweiten Hälfte zu passiv
Im Stuttgarter Dauerregen erwischten die Gastgeber einen guten Start. Deniz Undav verpasste bereits nach 70 Sekunden freistehend vor FC-Keeper Schwäbe die Führung. Man merkte dem VfB an, dass er nach der überraschenden Niederlage bei St. Pauli vor einer Woche schnell wieder in die Erfolgsspur zurückkehren wollte. Nach einer Viertelstunde belohnte sich die Elf von Trainer Sebastian Hoeneß für den guten Beginn, als Demirovic nach einer sehenswerten Kombination über Chris Führich und Jamie Leweling nur noch einschieben musste.
Doch mit zunehmender Dauer des Spiels wurden die Gäste aus dem Rheinland aktiver - und blieben es auch nach dem Seitenwechsel, wohingegen der VfB zunehmend fahrig agierte, wie auch der Mann des Tages feststellte: "Wir sind in so einen Negativstrudel gekommen und waren im Pressing nicht mehr zu hundert Prozent da", so Demirovic. Und VfB-Trainer Hoeneß pflichtete seinem Stürmer bei:
Wir wussten, dass es anspruchsvoll wird. Wir hätten es uns leichter machen können. Aber ich glaube, es ist ein verdienter Sieg, auch wenn es so spät war: Wenn du fünf Minuten nach dem 1:1 das 2:1 machst, fühlt es sich schon so an, dass du ein bisschen glücklich gewonnen hast.
Demirovic küsst Stuttgart wach
In der 79. Minute belohnte Köln-Angreifer Ache den couragierten Auftritt der Gäste und traf zum 1:1, das der sonst so zuverlässige Jeff Chabot mit einem schlampigen Pass im Aufbau eingeleitet hatte. Es schien, als habe Stuttgart diesen Hallo-Wach-Moment gebraucht, denn nur fünf Minuten später stellte Demirovic nach punktgenauer Flanke vom eingewechselten Ramon Hendriks den alten Abstand wieder her. In der Nachspielzeit sorgte Undav mit seinem 12. Saisontor schließlich für die Entscheidung.
"Die Mannschaft glaubt bis zum Schluss an sich, das ist heute sehr wichtig gewesen. Solche Siege geben Stärke", freute sich Hoeneß über den Dreier. Ein Extralob gab es für den Doppeltorschützen: "Glückwunsch an Medo, das zweite Tor macht er überragend. Er ist nach seiner Verletzung überragend zurückgekommen. Wir brauchen seine Energie und seine Tore."
Hoeneß nun zweiterfolgreichster VfB-Trainer
Hoeneß mahnte zwar nach dem Schlusspfiff, dass man sich nicht immer darauf verlassen könne, Spiele so spät zu entscheiden. Eine 1:0-Führung sei "immer trügerisch. Wir müssen versuchen, aufs zweite Tor zu gehen, anstatt abzuwarten." Trotzdem betonte er: "Die Gewissheit, jederzeit Tore machen zu können, ist wertvoll."
Durch den achten Heimsieg in dieser Saison ist Hoeneß nun vorerst der zweiterfolgreichste VfB-Trainer der Geschichte. Der Erfolgstrainer holte seinen 53. Sieg im 98. Spiel, überholte damit Felix Magath und zog mit Helmut Benthaus gleich. Vor Hoeneß liegt nun nur noch Jürgen "Wundermann" Sundermann, der die Stuttgarter zu 71 Siegen in der Bundesliga coachte. In der kommenden Saison könnte Hoeneß den Rekordtrainer einholen.
Große Vorfreude auf Celtic Glasgow
In der Tabelle rückte der VfB durch den Sieg wieder auf Rang vier vor und untermauerte damit einmal mehr seine Ambitionen auf die Champions League. Zunächst geht es für die Schwaben aber in der Europa League weiter - und zwar mit einem echten Highlight: Am Donnerstagabend (21 Uhr) gastiert der VfB im Playoff-Hinspiel bei Celtic Glasgow.
"Da sind wir extrem heiß drauf", freute sich Demirovic auf die anstehende Reise zum schottischen Traditionsklub. "Ich glaube, es gibt wenig besseres, als im Celtic Park auflaufen zu dürfen." Gemeinsam mit seinen Teamkollegen will der 27-Jährige versuchen, "ein gutes Ergebnis aus Celtic mitzunehmen." Und seine Mitspieler und auch Trainer Hoeneß hätten sicher nichts dagegen, wenn der Mann der Stunde beim VfB Stuttgart in Glasgow da weiter macht, wo er gegen Köln aufgehört hat.