Dieter Schäfer, Experte für Verkehrssicherheit

Der Kampf gegen LKW-Unfälle und lautstarke Auto-Poser

Dieter Schäfer war Chef der Mannheimer Verkehrspolizei. 16 Jahre lang leitete der erfahrene Polizist die Verkehrspolizeidirektion und sorgte für mehr Sicherheit auf den Straßen.

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Stand

Wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort abgelenkt ist oder in Sekundenschlaf verfällt, reichen 3 Sekunden und man ist tot.

Ablenkung: die große Gefahr im Straßenverkehr

Dieter Schäfer erinnert an einen schrecklichen Unfall am Rosenmontag 2018 auf der A5 kurz vor dem Kreuz Walldorf: Ein Sattelschlepper fährt ungebremst in ein Stauende, drückt zwei Autos unter einen anderen Laster, vier Menschen sterben. Auch wenn er nicht selbst vor Ort war, hat ihn insbesondere die Erzählung des leitenden Notarztes und seiner Kollegen nie wieder losgelassen, die ein 14-jähriges Mädchen aus dem Auto herausschneiden mussten.

Alle tödlichen Unfälle, die ich seitdem recherchiert habe, sind passiert, weil der LKW-Fahrer ungebremst ins Stauende gefahren ist. Das hat nichts mit Abstand zu tun, sondern mit Ablenkung und Sekundenschlaf.

Wie können LKW Unfälle am Stauende vermieden werden?

Dieter Schäfer ist Mitgründer des Vereins "Hellwach mit 80 km/h e.V.". Ziel des Vereins ist es, schwere Lastwagenunfälle am Ende von Staus auf der Autobahn zu vermeiden. Dazu führen sie Schulungen durch und versuchen Fahrer:innen für die Gefahren zu sensibilisieren, die von Ablenkung ausgehen – insbesondere durch das Smartphone.

Während des Fahrens durch seine Timeline zu scrollen und Likes zu verteilen, sei "wie mit einer Papiertüte über dem Kopf zu fahren", so Schäfer.

Fahrverhalten ist nichts anderes als eine schlechte Angewohnheit. Schlechte Angewohnheiten kann man sich auch wieder abtrainieren und daran arbeiten wir.

Ruhe vor der Auto-Poser Szene in Mannheim

Der 66-jährige Kurpfälzer hat sich nicht nur um die Verkehrssicherheit im täglichen Verkehr in und um Mannheim gekümmert, sondern es auch mit der lärmenden Auto-Poser-Szene in der Innenstadt aufgenommen. Es wurde beispielsweise versucht, mit Blitzern und Straßensperrungen gegen Auto-Poser vorzugehen. Das sei aber nicht unbedingt der richtige Weg, meint der Experte

Wir können nicht die Allgemeinheit bestrafen für etwas, was eine Minderheit verursacht. Wir müssen der Minderheit Herr werden, deswegen müssen wir gezielt gegen die vorgehen.

So geht die Polizei gegen Auto-Poser vor

In seiner aktiven Zeit hatte Dieter Schäfer mit seinem Team eine Blaupause geschaffen, mit der die Polizei gegen Auto-Poser vorgehen kann. Haben die Poser an einem Fahrzeug Veränderungen vorgenommen, wie beispielsweise Schlitze im Auspuff, um die Lautstärke zu erhöhen, erlischt die Zulassung und das Fahrzeug kann beschlagnahmt werden. Er habe weit mehr als 100 Fahrzeuge einziehen lassen, sagt Dieter Schäfer.

Die zweite Option ist ein Zwangsgeld von 500 Euro– im Wiederholungsfall sogar 1.000 Euro, wenn weiterhin in der Stadt gepost und aktiv Lärm verursacht wird.

Es handele sich bei der Auto-Poser-Szene hauptsächlich um "machomäßig erzogene Männer aus dem türkisch-arabischen Raum" im Alter zwischen 18 und etwa 30 Jahren, meint Schäfer. Nur einmal habe er auch eine Frau dabei erlebt.

Die jungen Männer haben früher auf der Playstation Rennen gefahren. Dann steigen sie in ein 500 PS Fahrzeug und beherrschen das Fahrzeug nicht.

Als Fahrradfahrer sicher im Straßenverkehr

Fahrradfahrer gehörten zu den schwachen Verkehrsteilnehmern, sagt Dieter Schäfer. Sie seien dadurch höher gefährdet als andere Verkehrsteilnehmer. Das müsse man berücksichtigen und könne daher in einer akuten Situation nicht auf Biegen und Brechen sein Vorrecht im Straßenverkehr durchsetzen.

Mir hat ein Sprecher vom ADFC beim Verkehrsgerichtstag in Goslar gesagt: 'Ein Radfahrer, der im Recht ist, muss nicht zurückstecken gegenüber einem Stärkeren, wie einem LKW-Fahrer'. Da hab ich gesagt: 'Das ist eine tolle Grabinschrift, aber hilft uns doch nicht weiter'. Wir haben als Kinder beigebracht bekommen: 'Wenn ein 40 Tonner direkt auf deiner Höhe ist, dann pass auf'.

Wer mit dem Fahrrad neben einem Lkw stehe, sollte sich nicht blind darauf verlassen, dass der LKW einen beim Abbiegen schon sehen werde, sondern sollte sich vorsichtshalber lieber zurückhalten, um nicht selbst in Gefahr zu geraten.

Schäfer plädiert dafür, die Verkehrserziehung moderner zu gestalten – beispielsweise über Influencer mit großer Reichweite, die mehr junge Menschen erreichen.

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