Direktorin des Instituts für Friedensforschung Ursula Schröder

Schutz vor Katastrophen und Krieg: So solltet ihr vorbereitet sein

Lebensmittel für zehn Tage und ein Kurbelradio: Jeder sollte auf Katastrophen vorbereitet sein. Aber wer ist für den Zivilschutz verantwortlich und wie steht Deutschland da?

Teilen

Stand

Bessere Krisenkommunikation ist nötig
Eigenverantwortung: Schutz ist keine staatliche Dienstleistung
Katastrophenschutz und zivile Bedrohungen: Wie sehen die Antworten aus?
Ziviler Bevölkerungsschutz fußt auf Ehrenamt
Wie kann ich mich auf eine Krise vorbereiten?

Prof. Ursula Schröder ist Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Sie forscht zu Fragen demokratischer Sicherheitspolitik, Klimawandel und Sicherheit sowie zur Zukunft der europäischen Sicherheitsforschung.

Bessere Krisenkommunikation ist nötig

Ursula Schröders Meinung nach wird in Deutschland viel über Militär, Ausrüstung und Verteidigungspolitik gesprochen, aber wenig darüber, wie sich die Bevölkerung selbst schützen kann. Das sei bei vergangenen Krisen anders gewesen: beispielsweise habe die Politik in den 60-Jahren die Fragen der zivilen Verteidigung konkret angesprochen. Dies geschah z.B. durch Broschüren mit Hinweise auf Waffengattungen.

Die Ansprache war klarer, sie war härter, sie war deutlicher. Sie hat auch viel klarer gesagt, was der Staat für die Bürgerinnen und Bürger tun wird. Und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die Menschen sich vorbereiten müssen.

Heute – so vermutet sie – möchten Politiker:innen die Menschen nicht mit schlechten Nachrichten beunruhigen oder belasten. Das sei aber nicht die richtige Art, in einer Krise zu kommunizieren. 

In Zeiten der Krise muss klar kommuniziert werden, muss direkt kommuniziert werden, muss ehrlich kommuniziert werden, müssen auch Unsicherheiten kommuniziert werden.

Eigenverantwortung: Schutz ist keine staatliche Dienstleistung

In unseren europäischen Nachbarländern werde das bereits gemacht: In Schweden, Finnland, Großbritannien oder den Niederlanden werde klar kommuniziert, was Bürger:innen zuhause haben und wie sich vorbereiten sollten.

Zudem sind die Menschen dazu aufgefordert: Sprecht darüber, wie ihr euch auf Notfälle vorbereitet und tut euch zusammen. Große Bunkeranlagen wie in Finnland sind aus Sicht von Schröder in Deutschland nicht nötig.

Weil die Szenarien, denen wir gegenüberstehen, keine sind, wo wir davon ausgehen müssen, dass es direkt zur Landesverteidigung kommt. Wo also unser Territorium direkt angegriffen wird. Die Szenarien, mit denen gerade geplant wird, sind in erster Linie zivile Szenarien. Der Strom fällt aus, Extremwetterszenarien, auch nach wie vor Sturmfluten oder hybride Bedrohungen wie Desinformationen, Sabotage.

Sicherheit Bunker, Tiefgaragen, private Keller – Wo wir im Ernstfall Schutz finden

Wäre Deutschland morgen Ziel eines Angriffs, gäbe es nur für eine halbe Million Menschen Platz in Bunkern. Die Bundesregierung will Milliarden in den Zivilschutz investieren.

Das Wissen SWR Kultur

Katastrophenschutz und zivile Bedrohungen: Wie sehen die Antworten aus? 

In Deutschland empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, jeder solle sich zehn Tage lang mit Lebensmitteln und Wasser versorgen und in der Lage sein, Nachrichten empfangen zu können (z.B. durch ein Kurbelradio).

Wenn man tiefer in die Gesetze schaut, [...] da steht drin: "Staatliche Maßnahmen ergänzen die Selbstvorsorge der Bevölkerung." Und das ist ein Satz, der sollte uns aufhorchen lassen, weil damit, glaub ich, fast niemand gerechnet hat.

Laut Schröder sollten Politiker:innen die Menschen in Deutschland deshalb für mehr Eigenverantwortung sensibilisieren.

Baden-Württemberg

Technisches Hilfswerk und Rotes Kreuz Hochwasser, Unwetter, Brände: So ist der Zivilschutz in Baden-Württemberg aufgestellt

Der Zivilschutz gewinnt immer mehr an Bedeutung - etwa seit dem Hochwasser in BW in 2024 oder der Flutkatastrophe im Ahrtal. Sind Hilfsorganisationen wie THW und DRK krisensicher aufgestellt?

Zivilschutz fußt auf Ehrenamt 

Zivilschutz wird in Deutschland hauptsächlich von Ehrenamtlichen geleistet: sei es die freiwillige Feuerwehr, das Technische Hilfswerk, die Malteser oder der Arbeitersamariterbund.

90 Prozent der Katastrophenschutzeinsätze, die in Deutschland gefahren werden, sind ehrenamtlich. Das ist eine unglaubliche Zahl. Das sind Leute, die machen das neben ihrem Job – und freiwillig.

Das sollten die Politiker:innen aus Schröders Sicht stärker fördern. Gleichzeitig liegt die sicherheitspolitische Verantwortung bei den Städten und Kommunen. Die seien jedoch meist knapp bei Kasse, viele Investitionen in den Katastrophenschutz würden deshalb nicht durchgeführt.

Heilbronn

Bundesweit fehlen vier Millionen ehrenamtliche Katastrophenhelfer Zu wenige Helfer im Katastrophenschutz: DRK-Kreisverband Heilbronn besorgt

Ob Braunsbacher Sturzflut, das Ahrtal oder Zugunglücke: Katastrophenhelfer des DRK helfen und schulen, was in solchen Lagen zu tun ist. Doch dafür fehlen das Geld und die Leute.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Wie kann ich mich auf Katastrophen vorbereiten?

In ganz akuten Krisenlagen kommen Menschen zusammen. Die gehen nicht zuerst mal plündern, sondern die Forschung, die es dazu gibt, sagt: Menschen helfen sich, insbesondere dann, wenn die Krisenlagen nicht allzu lange andauern. Insbesondere dann helfen sie anderen Menschen, die sie kennen und die sie schätzen. 

Schröder rät deshalb, jeder sollte auf mögliche Katastrophen vorbereitet sein:

  • Es ist wichtig, sich im Zivilschutz zu engagieren 
  • Es ist wichtig, die eigenen Nachbar:innen kennenzulernen 
  • Es ist wichtig, sich vorher zu überlegen, wie man sich im Katastrophenfall gegenseitig helfen kann 
  • Es braucht Konzepte, wie wir als Gesellschaft Menschen schützen, die sich nicht selber schützen können, z.B. Menschen mit Behinderung 

Internationaler Tag der Katastrophenvorsorge Neuer offizieller Rat: So vorsorgen für Krisen und Katastrophen (FAQ)

Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt. Trotzdem können Extremwetter oder Stromausfälle unseren Alltag stören. Wie Sie sich und ihre Familie vorbereiten.

Bad Rappenau

Regierung will staatliche Notreserve erneuern Stromausfälle, Hochwasser und Pandemien: Sorgen wir privat genügend für den Ernstfall vor?

Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) plant, die staatliche Lebensmittelnotreserve zu erneuern. Wie steht es eigentlich um unsere private Vorratshaltung für Ernstfälle?