"Ambulance for Kids": Hilfsorganisation rettet Kinder aus der Ukraine

Marc Friedrich gründete "Ambulance for Kids". Die Hilfsorganisation leistet medizinische Notfallhilfe, Intensivpflege und Transport von Kindern in und aus Krisengebieten.

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Auch Kinder in der Ukraine brauchen Hilfe

Ich erlebe Abschiedsszenen, da kommen selbst mir manchmal die Tränen.

Marc Friedrich ist Notfallsanitäter. Er hat Erfahrung mit schweren Erkrankungen, arbeitete auf Intensivstationen und im Notarztwagen. Mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat sich 2022 auch sein Leben komplett verändert.

Zuvor war er Abteilungsleiter bei einer Feuerwehr im Bergischen Land und sei dort eigentlich sehr zufrieden gewesen, erzählt er. Aber: Nach Kriegsbeginn hat er mit der deutschen Flugambulanz zum Teil schwer verletzte Kinder aus der Ukraine geflogen. Dabei hat er erkannt, wie groß die Notwendigkeit ist, speziell Kindern dort zu helfen. Die meisten Organisationen hätten sich vor allem um Erwachsene gekümmert.

Kleine Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Es gibt eine Menge Unterschiede – anatomisch, physiologisch und auch in Medikamentendosierungen.

Marc Friedrich gründete die Organisation "Ambulance for Kids", die sich um verletzte oder kranke Kinder kümmert.

Kliniken in der Ukraine können nicht alle Kinder versorgen

Der Fokus der medizinischen Versorgung in der Ukraine liege auch bei Kindern auf Kriegsverletzungen. Andere Erkrankungen können in der Ukraine nur noch begrenzt behandelt werden.

Wir fahren immer mehr Neugeborene mit angeborenen Fehlbildungen, Frühchen oder an Krebs erkrankte Kinder, weil bestimmte Medikamente aufgrund des Krieges nicht in die Ukraine geliefert werden können.

Helfer werden mit harten Schicksalen konfrontiert

Die Entscheidung, ob ein Kind evakuiert wird, treffen die Ärzt:innen vor Ort. Auch Kinder, deren Eltern ums Leben gekommen sind, werden von Marc Friedrich und seinem Team aus dem Kriegsgebiet gebracht.

Er erinnert sich an das Schicksal zweier Brüder im Alter von 8 und 13 Jahren. Ihr Vater wurde bei einem russischen Angriff getötet. Ihre Mutter lag wegen eines internistischen Problems im Sterben. "Ambulance for Kids" brachte die Kinder gemeinsam mit ihrer Großmutter in die Westukraine. Die Großmutter musste dann die schwierige Entscheidung treffen, zurück in den Donbass zu fahren, um bei ihrer schwerkranken Tochter zu sein.

Auch Kinder mit Behinderungen, die ihre Familien verlassen müssen, werden von Marc Friedrich und seinem Team transportiert.

Das sind Schicksale, die berühren schon. Wenn Kinder sich von ihren Vätern verabschieden müssen, weil die Väter dableiben müssen, um möglicherweise ihr Land zu verteidigen und wir bringen die Kinder dort weg. Älteren Kindern fällt das natürlich auch schwer, aber denen kann man das erklären. Jüngere Kinder klammern sich an ihrem Vater fest, die weinen, die schreien. Da kriege ich nur beim Erzählen schon Gänsehaut. Das sind harte Geschichten, die man manchmal ertragen muss.

Arbeit der Hilfsorganisationen im Ukraine-Krieg ist extrem gefährlich

Marc Friedrich hat selbst erlebt, wie gefährlich die russische Angriffsstrategie auch für Helfer ist. Es komme mittlerweile sehr häufig vor, dass auf einen ersten Drohnenangriff im Abstand von Minuten weitere Drohnen folgen, sagt er.

Damit verfolgen die Russen das Ziel, dass sie einen Moment lang warten, bis Helfer da sind. Dann schicken sie noch eine oder mehrere Drohnen dahin, um möglichst viele Helfer zu verletzen oder auszuschalten.

Bei ihren Einsätzen im Kriegsgebiet seien sie grundsätzlich mit zwei Fahrzeugen unterwegs. Das sei wichtig, um sich gegenseitig helfen zu können, falls eines der Fahrzeuge getroffen wird.

Ist das der Fall, gelte die feste Regel, dass die andere Besatzung immer erst überprüfen müsse, ob weitere Drohnen zu hören sind. In diesem Fall dürfe sie nicht anhalten und nicht helfen, sondern müsse so schnell wie möglich weiterfahren, um Hilfe zu alarmieren. Die Gefahr, dass auch das zweite Fahrzeug getroffen werden könnte, sei sonst zu groß. Es bringe nichts, wenn niemand mehr Hilfe holen könne.

Man ist sehr fokussiert auf seine Arbeit. Man ist sehr fokussiert auf das, was man sieht. Einer hält immer Ausschau in den Himmel, ob irgendwo Drohnen sind.

Rettungswagen mit Lutschern und Kuscheltieren

Seit 2023 fährt Marc Friedrich mit seinem Team in einem speziell für Kinder ausgestatteten Rettungswagen in die Ukraine. Mit an Bord: Lutscher, Kuscheltiere und Spiele. Damit versucht das Team, das Vertrauen der oftmals traumatisierten Kinder zu gewinnen.

Ich habe tatsächlich auch schon mal ein Kuscheltier von einem Kind geschenkt bekommen. Das kam zu mir und sagte: 'Hier, ich brauche das jetzt nicht mehr. Du brauchst das bestimmt mehr als ich'.

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