Parfümeur verrät: So findet ihr das beste Parfum für euch

Würzig-holzig, Chypre-grün: Den Duft eines Parfüms zu umschreiben ist schon schwer. Noch schwerer: ein Parfüm zu kreieren. In SWR1 Leute ein Meister seines Fachs: Marc vom Ende.

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Riechen ist der einzige Sinn, der nicht über die Großhirnrinde geht, sondern direkt ins limbische System und da sind unsere Emotionen.

Parfum und Eau de Toilette: es braucht den richtigen Riecher

Marc vom Ende zählt zu den wenigen Parfümeuren Deutschlands. Er kennt sich aus mit Duft und Parfum aller Art und hat sogar eine Parfümeur-Schule ins Leben gerufen. Er sagt, seine Geruchswahrnehmung liege eigentlich nur im Durchschnitt. Das tägliche Training sei entscheidend und schule die Nase.

Wie lässt sich der Geruchssinn trainieren?

Täglich zehn Rohstoffe riechen, sie benennen und beschreiben, sei ein gutes Training für ihn und wichtig, da sich die Nase immer wieder erneuert, so Marc vom Ende.

Das könne auch Menschen helfen, die zum Beispiel nach einer Erkrankung ihren Geruchssinn verloren haben: An bekannten, starken Duftstoffen riechen, wie japanisches Heilpflanzenöl oder Zimt, und so die Nase wieder auf Gerüche einspielen.

Wie finde ich das perfekte Parfum für mich?

Ganz wichtig: Zeit lassen, rät Marc vom Ende. Den Duft nicht nur "anriechen", sondern auf der Haut tragen. "Riecht der Duft am nächsten Morgen dann nicht mehr gut, sollte man Abstand davon nehmen".

Einen Duft als Geschenk auszuwählen, ist noch schwieriger, denn ein Duft riecht auf jeder Haut anders. Eine Gewissheit, dass der Duft der beschenkten Person gefällt, gibt es daher nicht. Wenn man sich aber Zeit lasse und mit Liebe ein Parfum auswählt, werde dies hoffentlich wertgeschätzt.

Dass ein Duft an jedem anders riecht, liegt daran, dass jeder seinen eigenen Körpergeruch hat, der mit Einfluss nimmt.

Gibt es "No-Go"s beim Tragen von Parfum?

Es gebe immer wieder Düfte, die "provozierend sind". Aktuell seien dies "Nahost-Düfte", wie Amber, die sehr intensiv sind. "Das ist kulturell bedingt, dass es in unseren gemäßigten Breiten in Europa vielleicht nicht so gewünscht ist, wenn man im Theater sitzt und der Sitznachbar uns vollstinkt".

Sind teurere Parfums besser als günstigere?

Stoffe, die in ein Parfum kommen, sind durchaus mehr oder weniger wertig. Das heißt aber nicht, dass alles, was teuer ist, gut sein muss. Oder dass alles was günstig ist, schlecht sein muss, meint Marc vom Ende. Auch hier gilt: ausprobieren! Oft gehe mehr Geld in die Werbung, als in das, was im Fläschchen enthalten ist.

Welcher Duft ist zeitlos?

Insbesondere Vanille gilt als konstant beliebter Duft. Ein möglicher Grund dafür ist, dass Vanillin auch in der Muttermilch vorkommt. Der Duft werde weltweit positiv wahrgenommen.

Unsere von Krisen geprägte Zeit beeinflusst auch unsere Geruchsvorlieben. So würden im Moment Düfte mit mehr Vanille-Gehalt, "zum Wohlfühlen", stark im Trend liegen. Dieser Trend sei global zu beobachten, so der Duft-Experte

Duftmischung: frisch gemähtes Gras plus Zuckerwatte ergibt Erdbeere

Duftstoffe reagieren sehr komplex miteinander. Auch wenn man als Parfümeur die einzelnen Stoffe kenne, könne man nicht unbedingt vorhersagen, was passiert, wenn man sie in einem bestimmten Verhältnis zusammengibt, sagt Marc vom Wege. Es seien Erfahrungswerte, die man mit der Zeit entwickelt, um Düfte abschätzen zu können. Ob "das Gefüge" dann tatsächlich stimmt, müsse man aber ausprobieren.

Wenn wir an "frisch gemähtes Gras" oder "Zuckerwatte" denken, haben die meisten wohl direkt den entsprechenden Geruch in der Nase. Es handelt sich bei diesen Gerüchen um chemische Stoffe, die beim Mähen oder Zucker erhitzen freigesetzt werden und die sich gezielt chemisch herstellen lassen.

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Duft und Parfum: ein großes Spektrum

Ein Parfümeur entwickelt keinesfalls nur Parfum. Es gibt ein großes Spektrum im Bereich der Dürfte, dazu gehören beispielsweise Waschmittel, Shampoo, Duschgel, Lotionen, Zahnpasta usw., erklärt der Experte.

Grapefruit Duft bringt Marc vom Ende Erfolg

Anfang der 90er Jahre entwickelte Marc vom Ende einen Grapefruit-Duft, der in einem sehr erfolgreichen Shampoo landete. Grapefruit sei damals noch nicht zu finden gewesen. Er habe damit einen Glückfalls gelandet, meint er.

Man muss auch immer den richtigen Zeitpunkt haben, wann man etwas verändern kann, und der Verbraucher das akzeptiert. Das kann man nicht vorhersagen.

Die Wahrnehmung von Düften hängt von der Kultur ab

In seiner Parfümeur-Schule hat Marc vom Ende aktuell fünf Trainees aus der ganzen Welt. Allein der Austausch unter ihnen aufgrund ihrer unterschiedlichen kulturellen Prägung sei sehr interessant. So sei beispielsweise der Geruch von Zimt für uns in Europa stark mit "Weihnachtsbäckerei" verbunden. Der Amerikaner empfindet ihn dagegen als frisch. Dort findet man Zimt auch im Kaugummi.

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