Prof. Hanns Hatt

Geruchsforscher verrät: Duftstoffe können beim Heilen helfen!

Düfte wirken im ganzen Körper. Wie sie die Wundheilung der Haut beschleunigen oder gar Krebswachstum verhindern können, verrät Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt in SWR1 Leute.

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Riechen ist ein wunderbares Gehirn- und Gedächtnistraining. Das hängt damit zusammen, dass die Düfte in so viele Areale des Gehirns eingreifen und an vielen Stellen Erregungen auslösen.

Unser Gehirn verknüpft Gerüche mit Emotionen

Rund 400 verschiedene Geruchsrezeptoren haben wir Menschen in der Nase, mit denen wir die Duftwelt abdecken. Wenn wir einen bekannten Duft wahrnehmen, ruft das die damit verknüpfte Emotion hervor. Schon als Embryo lernt unser Gehirn Gerüche mit Emotionen zu verknüpfen, erklärt Prof. Hanns Hatt. Im Mutterleib werden Duftstoffe über das Fruchtwasser oder Blut transportiert.

Es ist unterschiedlich, ob der Mensch gerade in guter Stimmung war, als er den Duft gerochen hat, oder in ganz schlechter. Jeder Duft hat eine andere Wirkung.

Es gebe nur wenige Düfte, die die meisten Menschen gerne riechen. Dazu gehört beispielsweise der Duft von Rosen oder Vanille, der auch in der Muttermilch vorkommt. Eine Reihe von Berichten belege, dass Mütter Vorlieben während ihrer Schwangerschaft auf das Kind übertragen: beispielsweise Lust auf Essiggurken oder Gummibärchen.

Embryonen können schon mit der Mutter mitriechen. [...] Mit anderen Worten: Knoblauchmütter erzeugen wahrscheinlich auch Knoblauchkinder.

Nicht nur die Nase: jede Körperzelle kann "riechen"

Wir haben in jeder Körperzelle ein bestimmtes Repertoire von Duftrezeptoren gefunden, die wir normalerweise in der Nase haben.

Prof. Hanns Hatt und sein Team konnten zeigen, dass es im ganzen Körper Duftrezeptoren gibt. Die Duftaufnahme in Haut, Leber, Herz oder Darm hat allerdings nichts mit dem klassischen Riechen über die Nase zu tun. Bei den Körperzellen kommen Düfte durch Einreiben oder Essen an.

Duftrezeptoren in Darmzellen werden beispielsweise durch Inhaltsstoffe von bestimmten Gewürzen angeregt. Dies bewirkt eine Serotoninausschüttung und damit eine Beschleunigung der Darmaktivität, was zur Verdauung beiträgt.

Die heilende Wirkung von Duftstoffen

Über 40 Duftrezeptoren der Nase kommen auch in Hautzellen vor. Einer dieser Rezeptoren kann eine Art Sandelholz-Duft wahrnehmen, erklärt Prof. Hanns Hatt. Wird dieser stimuliert, teilen und bewegen sich die Hautzellen schneller. Dadurch könne die Wundheilung mit diesem Duft um 30 Prozent gesteigert werden. Derselbe Rezeptor in den Haaren könne dort die Lebensdauer der Haarwurzeln verlängern.

Gingerol, der Duft im Ingwer, dockt an Rezeptoren im Gehirn an, die für Übelkeit zuständig sind. Dadurch lasse sich zum Beispiel Seekrankheit mithilfe von Ingwer-Stäbchen reduzieren.

Können Duftstoffe Krebs bekämpfen?

Auch Krebzellen besitzen Riechrezeptoren, sagt Prof. Hanns Hatt. Im Labor konnte bereits gezeigt werden, dass mit bestimmten Düften das Wachstum von Blasen- und Darmkrebszellen verhindert werden kann. Der nächste Schritt sind nun klinische Studien.

In diesen Fällen reicht kein Einatmen. Die Duftstoffe müssten über einen Katheter oder Zäpfchen an die entsprechenden Stellen gebracht werden, damit der Duft eine Zellreaktion auslösen kann.

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Besser schlafen mit dem passenden Duft

Auch während des Schlafens riechen wir. Das bedeutet, dass Düfte im Schlaf unsere Träume, unseren Herzschlag und die Atemfrequenz beeinflussen können.

Unangenehme Düfte machen meistens auch unangenehme Trauminhalte. Angenehme Düfte, zum Beispiel Orangenduft, machen angenehme Trauminhalte.

Wer mithilfe von Duft besser schlafen möchte, könne sich selbst konditionieren, indem man vor dem Schlafengehen immer denselben Geruch riecht. Das hilft dem Gehirn, sich auf den Schlafmodus einzustellen.

Was tun, wenn der Geruchssinn nachlässt?

Ein guter Parfümeur kann etwa 2.000 bis 3.000 Duftstoffe erkennen und identifizieren. Alle vier bis sechs Wochen erneuern sich die rund 10 Millionen Sinneszellen in der Nase. Allerdings: ab dem 60. Lebensjahr hört die Erneuerung langsam auf und wir können schlechter riechen. 80-Jährige hätten nur noch ein Drittel des Riechvermögens von einem jungen Menschen, so Prof. Hanns Hatt.

Wer schlecht riechen kann, aufgrund einer Erkrankung oder im Alter, könne allerdings üben, zum Beispiel indem man immer wieder an ätherischen Ölen riecht.

Riechen ist wirklich ein schwieriger, komplexer Vorgang. Den muss man immer trainieren und üben.

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