Laut einer Prognose der Uni Bamberg schicken Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland so viele online bestellte Produkte zurück wie nie zuvor: Die Zahl dürfte 550 Millionen Pakete betragen, sagt Retourenforscher Björn Asdecker. Das ist fast jedes vierte Online-Paket. Aktionstage wie etwa der Black Friday verführen viele Verbraucher auch dazu, Waren zu bestellen. Die meisten Menschen sind anfällig für Rabatte. Auch weil wir unbewusst die Angst haben, ein Schnäppchen zu verpassen.
Nicht jede Retoure wird weiter verkauft, ein Teil wird entsorgt. Das kommt darauf an, wie teuer die Ware ist: Händler kostet es zwischen einem und 15 Euro, eine Retoure zu bearbeiten.
Black Week sorgt für mehr Retouren
Der Black Friday und die Black Week sind ein Online-Shopping-Event. In dieser Zeit wird deutlich mehr bestellt und auch zurückgeschickt - auch weil Bestellungen unüberlegt getätigt werden, weil sie vermeintliche Schnäppchen sind.
Günstiger ist tatsächlich rund um den Black Friday vieles. Das belegen mehrere Auswertungen der Preise im Onlinehandel. Florian Kriegel vom Vergleichsportal idealo beobachtet seit einigen Jahren, dass die durchschnittliche Ersparnis über alle untersuchten Produkte hinweg im Bereich zwischen 6 und 7 Prozent liegt.
Wenige Prozente können schon einige Hundert Euro Ersparnis bedeuten und sich lohnen, vor allem bei sehr teuren Artikeln wie etwa E-Bikes. Doch eine Schnäppchengarantie gibt es am Black Friday nicht. Im Gegenteil: Nur bei jedem 10. Produkt gab es im vergangenen Jahr deutliche Rabatte von 20 Prozent und mehr, sagt Preisexperte Florian Kriegel.
Vergleichsportale bieten oft eine Preisverlaufskurve
Verbraucherschützer warnen: Nicht auf die riesigen Rabattversprechen mancher Shops hereinfallen, die mit minus 40, minus 50 Prozent oder mehr werben. Denn oft ist dabei nicht klar, worauf sich der Rabatt eigentlich bezieht. Ein üblicher Trick sei es zum Beispiel, dass mit der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) der Hersteller geworben wird - statt mit dem wirklich verlangten Preis der vergangenen 30 Tage.
Vergleichsportale im Internet bieten auch eine Preisverlaufskurve, die genau zeigt: Was hat der Artikel wirklich in den vergangenen Wochen und Monaten im Onlinehandel gekostet. Damit bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher schnell ein Gefühl dafür, wie hoch der angebotene Nachlass wirklich ist.
Warum in Deutschland mehr zurückgeschickt wird als in anderen Ländern
Der Onlinehandel in Deutschland legt zu, es wird mehr bestellt und deshalb auch mehr retourniert. Außerdem sind Rücksendungen kostenlos.
Für Verbraucher ist das gut, fast alles kann innerhalb von zwei Wochen zurückgeschickt werden. Am häufigsten wird Kleidung zurückgeschickt. Weil Verbraucher nicht sicher mit der Größe oder Farbe sind, bestellen sie mehrere Varianten von einem Shirt und schicken dann die, die nicht passen, wieder zurück.
Marktführer wie Amazon, Zalando und Otto halten bewusst an kostenlosen Retouren fest, weil sie ihr Retourenmanagement so effizient aufgebaut haben, dass es ihnen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Händlern verschafft.
Außerdem spielt der Kauf auf Rechnung eine Rolle: Wenn man noch nichts bezahlt hat, schickt man auch eher wieder etwas zurück.
Immer mehr Retouren: Diese Lösungsansätze gibt es
Eine Lösung wäre es, keine kostenlosen Retourenaufkleber in die Pakete zu legen. Gute und nützliche Informationen zu den Produkten könnten ebenfalls helfen, Retouren zu vermeiden.
Stellt der Händler fest, dass drei gleiche Shirts in unterschiedlichen Größen im Warenkorb landen, kann er darauf hinweisen, wie man die richtige Größe ermittelt.
Denkbar wäre auch Retouren kostenpflichtig zu machen. Das wäre für Verbraucher eine Hürde. Allerdings erwarten 94 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher kostenlose Retouren und bestellen eher bei Händlern, die das freiwillig anbieten.
Rücksendungen: So groß ist die ökologische Belastung
Untersuchungen für 2021 zeigen, dass die direkten CO2-Emissionen der Retouren damals bei 800.000 Tonnen CO2 lagen. Das entspricht grob dem Jahresausstoß einer mittleren Stadt oder mehreren Millionen Pkw-Fahrten über Langstrecken. In der Zwischenzeit wird noch mehr bestellt, deshalb dürfte auch der CO2-Ausstoß mittlerweile höher liegen.