Eine Woche nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg haben der grüne Wahlgewinner Cem Özdemir und der CDU-Landeschef und -Spitzenkandidat Manuel Hagel nach SWR-Informationen erste Gespräche aufgenommen. Es geht um die mögliche Bildung einer grün-schwarzen Koalition. Damit würde das bisherige Bündnis der beiden Parteien in Baden-Württemberg fortgesetzt.
Die beiden Spitzenkandidaten seien in Gesprächen, mehr gebe es im Moment noch nicht zu sagen, hieß es. Offiziell wurde das zunächst weder bestätigt noch dementiert. Dennoch wird in beiden Parteien damit gerechnet, dass es schon bald eine erste Sondierungsrunde zwischen Grünen und CDU zur Bildung einer Koalition geben könnte.
Grün-Schwarz als einzige realistische Option
Die Grünen hatten am Sonntag vor einer Woche die Landtagswahl mit 30,2 Prozent der Zweitstimmen knapp vor der CDU (29,7 Prozent) gewonnen. Im neuen Landtag kommen aber beide Fraktionen auf jeweils 56 Mandate - eine seltene Pattsituation. Eine grün-schwarze Koalition gilt als einzige realistische Möglichkeit. Rein rechnerisch könnten Grüne oder CDU auch mit der AfD koalieren, doch das hatten beide Parteien ausgeschlossen.
Nach ihrer überraschenden Wahlniederlage hatte sich die CDU zunächst mehrere Tage auf die Aufarbeitung der Wahl konzentriert. Zudem gab es Forderungen an die Grünen, sie müssten sich vor Gesprächen für den Wahlkampf entschuldigen. In der CDU ist der Ärger weiterhin groß, weil eine grüne Bundestagsabgeordnete kurz vor der Wahl ein acht Jahre altes Video veröffentlicht hatte, in dem Hagel über eine minderjährige Schülerin schwärmte.
Tübingens OB Palmer sagt Özdemir ab
Unterdessen hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer einen Wechsel in die Landespolitik abgelehnt. Der frühere grüne und heute parteilose Rathauschef sagte dem SWR: "Ich habe mit Cem Özdemir gesprochen und ihm gesagt: Ich werde Oberbürgermeister in Tübingen bleiben." Zuvor war darüber spekuliert worden, ob Palmer eventuell einen Ministerposten in einer möglichen grün-schwarzen Landesregierung übernehmen könnte.
Die "Stuttgarter Zeitung" berichtete, Özdemir habe im Grünen-Landesvorstand gesagt, dass Palmer OB in Tübingen bleiben wolle. Palmer hatte Özdemir im Wahlkampf unterstützt und auch erklärt, er könne sich auch nochmal eine andere berufliche Aufgabe vorstellen.
Palmer ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen. 2023 trat er nach mehreren Skandalen bei den Grünen aus. Özdemir hatte schon vor längerer Zeit gesagt, er würde sich wünschen, dass es für Palmer einen Weg zurück in die Partei gebe. Der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte gesagt: "Es wäre schön, wenn er wieder zurückkehrt."