Ein Kratzen im Hals oder eine Schürfwunde am Knie - manche Menschen gehen bereits beim kleinsten Wehwehchen zum Arzt. Das sorgt nicht nur für volle Wartezimmer, sondern auch für steigende Kosten im Gesundheitswesen.
Hendrik Streeck, CDU-Gesundheitspolitiker und Drogenbeauftragter der Bundesregierung, will Bagatell-Besuche beim Arzt mit einer drastischen Maßnahme reduzieren: Er fordert eine Selbstbeteiligung von Patienten. Unterstützung bekommt er von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).
Müssen Patientinnen und Patienten bald selber zahlen?
Eine sozialverträgliche Eigenbeteiligung, um die Zahl der Arztbesuche zu senken, wäre ein geeignetes Steuerungselement, teilte ein Sprecher der KVBW auf SWR-Anfrage mit. "Die KV bringt seit Jahren die Notwendigkeit für mehr Steuerung der Patienten zum Ausdruck. Wir verspüren mehr und mehr eine 24/7-Vollkasko- und Flatrate-Mentalität bei Patientinnen und Patienten, die insgesamt eine zunehmende Belastung für das System darstellt."
Klar sei aber auch, dass eine Eigenbeteiligung sozialverträglich gestaltet sein müsse und keine zusätzliche bürokratische Belastung für die Praxen darstellen dürfe. Die Ärzte-Vertretung zeigt sich jedenfalls erfreut über den jüngsten Vorstoß: "Die KV begrüßt, wenn Bewegung in die Diskussion kommt."
BW-Gesundheitsministerium reagiert zurückhaltend
Für Bewegung in dieser Diskussion sorgt Hendrik Streeck. Der Virologe erlangte während der Corona-Pandemie bundesweit Bekanntheit und sitzt jetzt für die CDU im Bundestag. Seit Mai ist er auch Drogenbeauftragter der Bundesregierung.
Gegenüber der "Rheinischen Post" begründet er seinen Vorstoß für eine Patienten-Selbstbeteiligung so: "Es geht nicht darum, Versorgung einzuschränken. Es geht darum, die notwendigen Leistungen für alle zu sichern." Eine kluge und sozialverträglich abgestimmte Selbstbeteiligung könne auch einen positiven Anreiz setzen für Prävention und gesunde Lebensführung.
BW-Ministerium zurückhaltend bei Selbstbeteiligung
Das baden-württembergische Gesundheitsministerium reagiert darauf mit Zurückhaltung. Erst vergangene Woche habe Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Kommission eingesetzt, die an einem Gesamtpaket zur Kostensenkung arbeite. Daher sollten einzelne Maßnahmen wie eine Selbstbeteiligung von Patientinnen und Patienten nicht solitär betrachtet werden, sagte ein Sprecher des grün-geführten BW-Gesundheitsministeriums dem SWR. Sein Haus halte es unabhängig davon für unerlässlich, Initiativen zur Gesundheitsförderung und innovative Versorgungsangebote zu stärken, um künftige Gesundheitskosten zu senken.