Eine nukleare Katastrophe - zwei verschiedene Arten, damit umzugehen. Heute vor 40 Jahren, am 26. April 1986, explodierten Teile des Atomkraftwerks Tschernobyl. Radioaktive Strahlung verteilte sich damals über weite Teile Europas. Nur vor der französischen Grenze schien die radioaktive Wolke auf wundersame Weise Halt zu machen.
Zwei unterschiedliche Geschichten auf beiden Seiten der Grenze
Die französischen Nachrichten teilten damals wenige Stunden nach der Katastrophe mit, dass keine verdächtigen Spuren von Radioaktivität im Elsass festgestellt wurden. Auch Politiker spielten die strahlende Gefahr herunter. "Aus gesundheitlicher Sicht gibt es kein Risiko", hieß es damals.
Wenige Kilometer weiter östlich, auf der anderen Rheinseite, äußerte sich die deutsche Politik transparenter. Strenge Regeln waren die Folge, erinnert sich Umweltaktivist Axel Mayer aus Endingen am Kaiserstuhl (Kreis Emmendingen). "In Deutschland war der Verzehr von frischem Salat verboten. Die Felder wurden umgepflügt, die Sandkästen geleert." Auf deutscher Seite wurde über Maßnahmen informiert, so der Aktivist. "Man hatte den Eindruck, dass die Bevölkerung hier geschützt wurde. In Frankreich wurden sie nicht geschützt."
Es ist eine Gefahr, die man nicht spüren kann.
Axel Mayer war lange Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Oberrhein. Nur wenige Wochen nach der Katastrophe fuhr er mit einem Hilfskonvoi in Richtung Tschernobyl. "Wenn man dorthin fährt, sieht man nirgendwo Radioaktivität. Man kann sie nicht riechen. Sie ist unsichtbar. Es ist eine Gefahr, die man absolut nicht spüren kann", schildert er.
Späte Aufklärung über Radioaktivität im Elsass
Eine Woche nach der Explosion in Tschernobyl hatte die radioaktive Wolke auch Frankreich erreicht. Während auf deutscher Seite eindringlich gewarnt wurde, verbot die französische Regierung lediglich kurzzeitig den Verkauf von elsässischem Spinat. Schnell regten sich auch in der französischen Bevölkerung Zweifel an der offiziellen Darstellung der Politik.
Das Eingeständnis, dass auch das Elsass stark von der Radioaktivität betroffen war, kam erst fünf Jahre nach der Nuklearkatastrophe. Auch heute muss das Kernkraftwerk in der Ukraine, rund 130 Kilometer nördlich von Kiew, noch gesichert werden.
Über dieses Thema berichtete die Sendung Dreiland aktuell in SWR Aktuell am 25.04.2026 (18 Uhr).