Es ist genau 85 Jahre her: Am 22. Oktober 1940, dem letzten Tag des jüdischen Laubhüttenfestes, wurden 379 jüdischen Menschen von der Freiburger Polizei festgenommen und ins südfranzösische Gurs deportiert. Insgesamt wurden an diesem Tag über 6500 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Baden, der Pfalz und dem Saarland ins Lager Gurs deportiert.
150 Menschen gedenken der Deportierten
In Freiburg nahmen am Mittwochnachmittag rund 150 Menschen an der Gedenkfeier auf dem Platz der Alten Synagoge teil, um an die Deportierten zu erinnern. Neben Vertretern der Stadt waren zahlreiche Vertreter von jüdischen Gemeinden und anderen Organisationen vor Ort. Die Freiburger Schul- und Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit (Grüne) sprach in ihrer Eröffnungsrede von einer Mahnung, dass sich die Ereignisse von damals nicht wiederholen dürften.
Die Verpflichtung, die aus den schrecklichen Ereignissen einhergeht, geht nicht weg. Deshalb ist es wichtig, dass wir jedes Jahr aufs Neue zusammen kommen. Damit wir spüren, dass das ein menschenverachtendes Ereignis war und damit wir für unsere Gegenwart lernen, genau hinzuschauen.
Man sei mit den jüdischen Gemeinden im Austausch, betonte Buchheit, sagte aber auch: "Wir müssen in den Schulen noch mehr Aufklärungsarbeit leisten. Wir können Antisemitismus nicht verkraften."
Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde warnt vor dem Vergessen
Neben mehreren Reden wurden bei der Gedenkfeier Texte von Deportierten vorgetragen und Gebete gesprochen. Anschließend marschierten die Teilnehmer schweigend zum Mantel-Mahnmal auf der Wiwili-Brücke, das an die Ereignisse vor 85 Jahren erinnert.
"85 Jahre, das ist ein ganzes Menschenleben", sagte Irina Katz, Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Freiburg, am Rande der Veranstaltung. Das permanente Erinnern sei wichtig, "weil die Zeitzeugen sterben. Es darf nicht vergessen werden." Umso bedeutender seien Orte der Erinnerung wie der Platz der Alten Synagoge. Auf dem Gedenkbrunnen, der an die Synagoge erinnert, die in der Pogromnacht 1938 von den Nazis niedergebrannte wurde, wurden auch am Mittwoch wieder Rosen und Kränze niedergelegt.
Internierungslager Gurs: "Vorhof zur Hölle"
Zwischen 1939 und 1945 waren im Lager Gurs insgesamt rund 60.000 Menschen interniert. Wegen der schlechten hygienischen Zustände und fehlender medizinischer Versorgung starben viele der Internierten an Entkräftung, Hunger oder Krankheit. Ab 1942 wurden die Überlebenden über ein Sammellager bei Paris in Vernichtungslager im Osten - vor allem nach Auschwitz-Birkenau - deportiert und dort ermordet.
Von den Menschen, die in Gurs eingesperrt waren, wurde das Lager deshalb auch "Vorhof zur Hölle" oder "Wartesaal des Todes" genannt. Auf dem Friedhof des ehemaligen Lagers befinden sich heute rund 1.000 Gräber. Das Lagergelände in Südfrankreich ist mittlerweile eine nationale Gedenkstätte.