Mit drei Kilometern pro Stunde im knapp sieben Tonnen schweren Traktor über einen holprigen Acker fahren - Lisa Dinger hat Spaß daran. Die 23-Jährige aus Emmendingen sorgt in ihrem großen, grünen Traktor mit der anhängenden Fräse für ein feines Saatbett. Auf dem kahlen Feld unter ihr sollen bald schon Kartoffeln angepflanzt werden. Damit das auch klappt, muss Lisa möglichst gerade fahren und den zuvor gepflügten Boden auflockern.
Mit dabei sind auch 120.000 Follower. Denn die Landwirtin zeigt ihren Alltag im Hochformat auf Instagram. Als "schlepperlissi" veröffentlicht sie regelmäßig Bilder und Videos rund um ihre Arbeit auf dem Hof ihrer Familie. Egal, ob Getreidesaat, Maisernte oder Winterdienst - ihre Follower bekommen umfangreiche Einblicke in den Alltag der Farmfluencerin. Der Begriff "Farmfluencerin" hat sich in den sozialen Medien längst etabliert und stößt auf reges Interesse.
Regelmäßiger Content ist für Lisa Dinger wichtig
Die 23-jährige Landwirtschaftsmeisterin arbeitet gemeinsam mit ihrem älteren Bruder auf dem Hof der Eltern in Emmendingen. Die Familie hat neben dem Ackerbaubetrieb und Gemüseverkauf auch ein Lohnunternehmen. Social Media gehört inzwischen zum Alltag dazu - seitdem Lisa Anfang 2024 ihre ersten Videos veröffentlichte, ist ihr Account immer weiter gewachsen.
Oft setzt sie sich nach der Arbeit an den Schnitt ihrer Videos und veröffentlicht ihre Beiträge noch am gleichen Tag. "Ich mache den Content und lade ihn meistens direkt hoch - oft um 18 Uhr, weil ich da meine Zielgruppe am besten erreichen kann."
90 Prozent der Follower sind männlich
Die Zielgruppe besteht laut der Landwirtin überwiegend aus Menschen, die an der Landwirtschaft interessiert sind. Den Großteil ihrer Follower machen junge Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren aus. "90 Prozent sind Männer, zehn Prozent Frauen. Das liegt aber auch einfach daran, dass weniger Frauen an der Landwirtschaft interessiert sind", so Lisa. Sie weiß aus Erfahrung: "Die Frauen, die sich aber für landwirtschaftliche Themen interessieren, kennen mich inzwischen."
Immer wieder wird sie in der Öffentlichkeit angesprochen. Schon zu Berufschulzeiten, aber auch jetzt, wenn Lisa unterwegs ist, bleibt sie nach eigener Aussage selten unerkannt. "Meine Freunde sagen schon, dass man mit mir nicht mehr rausgehen kann, weil ich überall erkannt werde", erzählt sie. Gelegentlich kommen ihre Abonnenten auch auf den Hof in Emmendingen. Das Interesse am Menschen hinter dem "schlepperlissi"-Account ist groß.
Klare Grenzen zwischen Instagram und Privatleben
"Viele geben Feedback, haben dann Fragen zum Hof oder zum Beruf, aber es gibt natürlich auch immer wieder private Fragen - zum Beispiel nach meinem Beziehungsstatus." Für die Emmendingerin sind solche Fragen eine Grenze, die sie nicht überschreiten möchte. "Ich bin eine Person des öffentlichen Lebens. Man kennt mein Gesicht, meine Familie und meinen Arbeitsplatz. Alles andere ist meins und das soll privat bleiben. Das halte ich komplett aus Social Media raus."
Bei ihren Videos verfolgt die Farmfluencerin ein klares Konzept - und verzichtet auf lange, erklärende Videos. "Ich bleibe inhaltlich relativ oberflächlich und versuche, mich kurz und knapp zu halten." Bedenken, dass sich ihre Clips irgendwann wiederholen könnten, hat Lisa nicht. "Ich versuche auch aus anderen Perspektiven zu filmen und Abwechslung reinzubringen. Als Nächstes will ich dann mehr vor der Kamera sprechen", verrät sie.
Ziel: Vorbild für junge Frauen sein
"Der Kanal gehört jetzt zu mir dazu", sagt Lisa. Für die Zukunft müssen es aber nicht unbedingt noch mehr Abonnenten werden. "Ich brauche keine 200.000 Follower, um glücklich zu sein." Der Blick auf die steigenden Zahlen sei zwar schön, aber noch lieber wolle sie ihre Aufmerksamkeit nutzen, um mehr junge Frauen anzusprechen. "Als eine Art Vorbildfunktion, um zu zeigen, dass es ein toller Beruf ist und dass sich jede Frau ihr eigenes Bild davon machen soll."