Oskar Ketterer ist gelernter Landwirt und träumt von einem eigenen Hof. Um sich den Traum irgendwann erfüllen zu können, hilft er neben seiner Vollzeitstelle abends und an den Wochenenden auf Bauernhöfen im Elztal (Kreis Emmendingen) aus.
Tagsüber Vollzeitjob, abends und an den Wochenenden Landwirt
Vom Vogtjosefhof in Elzach-Yach ist der 30 Jahre alte BMW des Junglandwirts schon von weitem zu sehen. Ein wenig zu schnell jagt er entlang des Hinteren-Zinkenbachs die Anhöhe zu dem kleinen Bioland-Betrieb der Familie Fischer hinauf. Oben angekommen, klopft sich der 22-Jährige erst mal den Staub von der Arbeitshose.
Oskar Ketterer kommt direkt von seiner Vollzeitstelle in einem Steinbruch mit Kieswerk und Tiefbau - einem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb, der aus wirtschaftlichen Gründen umsatteln musste. Nach Feierabend tauscht der 22-Jährige dann Bagger gegen Mistgabel, Güllefass und andere "dicke Karren".
Landwirt ist einfach der geilste Job der Welt.
Die Begeisterung für die Landwirtschaft ist dem 22-Jährigen sichtlich anzumerken. Zwar gehe täglich immer etwas anderes schief, "aber man hat auch jeden Tag Momente, wo man sich denkt: Boah, genau deswegen mache ich es".
Traumberuf Landwirt nach Ferien auf dem Bauernhof
Schon als Dreizehnjähriger wusste Ketterer, dass er in die Landwirtschaft möchte. Anders als viele Landwirtinnen und Landwirte stammt er nicht aus einer Bauernfamilie. Seine Mutter arbeitet bei einer Krankenkasse, sein Vater in einem Industriebetrieb. Der Familienurlaub auf einem Bauernhof in Bayern wird zu einem Schlüsselmoment. "Ich habe da immer fleißig mitgeholfen und da hat sich dann der Wunsch, Landwirt zu werden, gefestigt."
Pandemie-Boom vorbei Bauernhöfe in BW ziehen weniger Feriengäste an
Tiere vor der Haustür, Spaziergänge im Grünen, eine schöne Unterkunft: Das wollen weniger Menschen als noch vor vier Jahren. Urlaub auf dem Bauernhof in BW ist unbeliebter geworden.
Im Stall helfen, füttern, melken, Gülle ausbringen, im Winter Waldarbeiten und dann sind da noch die ganz normalen Aufgaben um den Hof herum, mal hier was pflücken, da was pflastern, betonieren, reparieren, zählt der 22-Jährige einige der Arbeiten auf. "Meine Lieblingsaufgabe ist nach einem langen Winter, dann den ersten Schnitt einzufahren. Also das erste Mal das Grünland abzumähen und das erste Mal im Jahr Futter einzufahren."
Oskar Kellers Alltag: viel Arbeit, kaum Freizeit
In seiner Freizeit packt er auf insgesamt vier Höfen im Elztal mit an. In den Sommermonaten oft sieben Tage die Woche. "Im letzten Sommer habe ich es ein Mal zum Badesee geschafft und das war hart erkämpft."
Bei all der Begeisterung gibt es auch Momente, in denen er ins Zweifeln gerät. "Zum Beispiel Freitagabend um halb acht, wenn man eigentlich aufs Dorffest will und dann geht noch irgendeine Maschine auf dem Feld kaputt. Da wünscht man sich dann eigentlich, dass man im Geschäft 'tschüss' sagen und heimgehen kann. Aber in der Landwirtschaft muss man halt viele Sachen wetterabhängig fertig machen."
Manchmal fahre er aber auch einfach bei einem Kollegen auf dem Schlepper mit, um Zeit miteinander zu verbringen, "so wie andere sich zum Kaffee verabreden", zieht der junge Mann den Vergleich. Viele seiner Freunde haben etwas mit Landwirtschaft zu tun, da werde aus Arbeit oft eine Art Hobby.
Oskar Ketterers Traum vom eigenen Hof
Der junge Landwirt träumt von einem eigenen Hof. Für junge Landwirte, die nicht von einem landwirtschaftlichen Betrieb stammen, sei das relativ schwierig. Grund dafür seien vor allem die Kosten. Besser wäre es, einen bestehenden Hof von jemandem zu übernehmen, der keine Nachfolger hat. Doch die Bedingungen in der Landwirtschaft seien nicht die besten. "Da muss man sich jetzt nichts vormachen. Es wird jetzt keiner Landwirt, weil er das große Geld verdienen will", so sein nüchternes Fazit.
Landwirtschaft im Schwarzwald: "Immer schwieriger, gut zu wirtschaften"
Viele Höfe haben schon heute mehrere Standbeine. "Nur durch Lebensmittelproduktion, Viehhaltung und Ackerbau können sich landwirtschaftliche Betriebe in Zukunft, zumindest im Schwarzwald, nicht mehr lange über Wasser halten. Das wird immer schwieriger, gut zu wirtschaften hier." Den vor allem flächenmäßig eher kleineren Höfen im Schwarzwald bereitet deswegen auch das Mercosur-Abkommen große Sorgen.
Um die Herausforderungen und Zukunftsperspektiven, vor allem für junge Menschen, soll es auch beim Landesbauerntag am 6. März 2026 vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) in Bräunlingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) gehen. Oskar Ketterer wurde gemeinsam mit weiteren jungen Menschen aus Landwirtschaft und Weinbau zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.
Wenn er über seine Zukunft in der Landwirtschaft nachdenkt, scheinen da vor allem Unsicherheit und viele Fragezeichen zu sein. "Was investiere ich? Wie viel investiere ich? Nehme ich einen Kredit auf? Wenn ja, wie hoch? Kann ich den zurückzahlen oder brechen die Preise wieder ein? Mit welchem Umsatz kann ich rechnen? Kann ich überhaupt mit Umsatz rechnen? Was wird in den nächsten Jahren von der Politik beschlossen?"
Landwirtschaft abhängig von der Politik
Nächstes Schaulaufen der Spitzenkandidaten Aus Sorge um Demokratie: Bauern sparen mit Kritik an Landespolitik
Vor zwei Jahren heizten die Bauern der Ampel-Regierung mit Protesten heftig ein. Vor der Landtagswahl in BW halten sich die Landwirte eher zurück - aus Sorge um die Demokratie.
Wie in so vielen Bereichen sind es die Beschlüsse und Entscheidungen der Bundes- und Landespolitik, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können. "Das sind so die Sorgen, die man sich macht. Wird der Verbraucher weiterhin regionale Lebensmittel kaufen wollen, oder wird der Verbraucher in wirtschaftlich schlechten Zeiten lieber billige Lebensmittel aus dem Ausland konsumieren?"
Dem 22-Jährigen zufolge wäre eine klare Kennzeichnung der Lebensmittel ein entscheidender Anfang: "Der Verbraucher muss, wenn er will, heimische Lebensmittel einkaufen können und dann nicht noch im Supermarkt groß überlegen müssen, wo ist jetzt das her?"
Mehr zu Labels auf Lebensmitteln vom SWR Umweltmagazin:
Aller Widrigkeiten zum Trotz hält der Nachwuchs-Landwirt an seinem Traum fest. "Die Arbeit mit dem Vieh. Das gibt extrem viel zurück, auch wenn es manchmal sehr anstrengend ist. Und immer draußen zu sein an der frischen Luft, den schönen Schwarzwald um sich herum. Und mal den schönen Sonnenuntergang mitzunehmen. Oder früh am Morgen draußen zu sein und zu hören, wie alles aufwacht", schwärmt er von den Momenten, die ihn in seiner Entscheidung, Landwirt zu werden, bestärken.