Der Weinbau befindet sich in schwierigen Zeiten: sinkende Nachfrage, steigende Kosten, neue Schädlinge. Und: Wie können die Menschen wieder mehr von den heimischen Weinen überzeugt werden? Diese Frage treibt auch Holger Klein um, den Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbands.
Jahr 2025 "aus weinbaulicher Sicht positiv"
Im vergangenen Jahr habe der Branche so einiges zu schaffen gemacht, erklärt Klein: "Die Konsumzurückhaltung, die durch globale Krisen, aber auch die unsichere wirtschaftliche Situation bedingt ist", sei für viele Winzerinnen und Winzer in der Region eine enorme Herausforderung. Hinzu komme die Rebkrankheit "Flavescence dorée" (deutsch: "Goldgelbe Vergilbung"), die Ende 2025 erstmals an mehreren Weinlagen in Südbaden nachgewiesen wurde.
Und trotzdem: Aus weinbaulicher Sicht sei das vergangene Jahr positiv zu bewerten. Zwar war der Ertrag laut Klein "etwas unterdurchschnittlich", aber die Qualität habe gestimmt.
Weinbaulich sind wir sehr zufrieden, aber die Rahmenbedingungen könnten besser sein.
Verband besorgt wegen Preisentwicklung und sogenanntem "Alkohol-Bashing"
Besonders in der Preisentwicklung sieht Klein eine Gefahr für heimische Weinbaubetriebe. Es sei nachvollziehbar, dass in Krisenzeiten eher zu günstigeren Weinen gegriffen werde. Allerdings sei die rote Linie bei den Preisen im Discounter oftmals schon unterschritten. Dort würden vermehrt Weine angeboten, die "unterhalb der rentablen Produktionskosten" liegen.
Aber auch ein weiterer Trend bereite der Branche Sorgen: der Gesundheitstrend, der Klein zufolge "viele davon abhält, Wein zu konsumieren". Auch das trage dazu bei, dass der Absatz von alkoholischen Weinen zurückgehe.
Wir haben insgesamt eine Stimmung, wir würden das als "Alkohol-Bashing" bezeichnen, die Alkoholkonsum medial sehr kritisch beleuchtet.
Weinbauverband stellt Forderungen an die Politik
Um der angespannten Lage in der Branche entgegenzuwirken, hatte der Dachverband der deutschen Weinbauern vergangene Woche ein Forderungspapier an die Politik veröffentlicht. Der Staat sei gefordert, die Rahmenbedingungen der Betriebe zu verbessern, um diese "nachhaltig zu stärken", schrieb der Deutsche Weinbauverband (DWV) in seiner Mitteilung.
Rotationsbrachen und Entbürokratisierung
Eine der Kernforderungen ist die Einführung der sogenannten Rotationsbrache: Damit könnten Winzer einzelne Flächen ihrer Weinbaugebiete zeitweise aus der Produktion nehmen und auf diesen Flächen anschließend für Biodiversität sorgen: in Form von blühenden Wiesen, die von den Winzern gepflegt werden. "Das wäre sehr wichtig für die Branche", sagt Klein. Diese Biodiversitätsleistung müsse dann aber auch entsprechend honoriert werden: "Das würde der Umwelt etwas bringen und zugleich den Markt etwas entlasten."
Auch das Thema Entbürokratisierung spielt bei den Forderungen eine große Rolle, insbesondere bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, wie Klein erklärt:
Durch den Klimawandel haben wir es mit immer neuen Krankheiten und Schädlingen zu tun. Da brauchen wir natürlich die Möglichkeit, diese zurückzudrängen, mit der unbürokratischen Zulassung von wirksamen Mitteln. Da sind wir in Deutschland besonders träge.
"Stärken besser kommunizieren"
Trotz der schwierigen Situation blickt der BWV-Geschäftsführer optimistisch in die Zukunft. Sein Appell an die badischen Weinbauern lautet, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen: "Unsere Burgundersorten passen sehr gut zur aktuellen Verbraucherpräferenz." Genau das müsse man besser kommunizieren, damit die Leute "gerne zu heimischen Weinen greifen". Auch im Ausbau des Weintourismus sieht Klein eine Chance, der Krise zu begegnen.
Inwiefern das frisch von der Europäischen Union unterzeichnete Mercosur-Abkommen der Branche Auftrieb verleiht, bleibt abzuwarten. Nicht wenige Betriebe im badischen Weinbau dürften aber darauf hoffen, künftig von dem Freihandelsabkommen zu profitieren.