Sie soll dafür sorgen, dass ihre junge Partei auch im Südwesten punktet: Jessica Tatti, die Nummer eins auf der Landesliste des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) in Baden-Württemberg. Bei einer Wahlkampfveranstaltung des BSW im Zähringer Bürgerhaus in Freiburg am Mittwochabend schüttelt die 43-Jährige Hände, macht Fotos mit Unterstützerinnen und Unterstützern und erklärt, was ihre Partei politisch vorhat.
BSW-Landeschefin Tatti: Werden in den Bundestag einziehen
Einige Stühle im Saal bleiben leer an diesem Abend. Die Anwesenden spenden Tatti immer wieder lauten Beifall. Zum Beispiel als sie einen Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Zeit fordert, eine Wende in der Wirtschaftspolitik oder einen Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine.
Tatti ist zuversichtlich, dass ihre Partei es damit im Februar in den Bundestag schaffen kann. "Selbstverständlich stehen wir ganz am Anfang, uns gibt es jetzt gerade mal ein Jahr lang", sagt Tatti in Freiburg. "Aber ich denke, dass wir auch im Südwesten gute Ergebnisse erzielen werden."
Seit 2017 sitzt Tatti im Bundestag
Die Reutlinger Politikerin studierte Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg. Sie arbeitete in der Jugendarbeit und in der Flüchtlingsbetreuung der Arbeiterwohlfahrt im Kreisverband Esslingen. Ihr politisches Leben begann sie bei der Partei Die Linke. Seit 2017 ist sie Bundestagsabgeordnete.
Im Oktober 2023 brach Jessica Tatti mit der Linken: Zusammen mit neun weiteren Bundestagsabgeordneten - darunter auch BSW-Mitgründerin und Namensgeberin Sahra Wagenknecht - verließ sie die Partei. Das läutete das Ende der Linksfraktion im Bundestag ein. Tatti wurde ab Dezember fraktionslos. Im Januar 2024 trat sie dem neu gegründeten BSW bei.
Protest gegen Position des BSW im Krieg gegen die Ukraine
Mittlerweile ist Tatti Parlamentarische Geschäftsführerin der BSW-Gruppe im Bundestag. Außerdem führt sie zusammen mit Manfred Hentz den Landesverband Baden-Württemberg mit seinen derzeit 70 Mitgliedern.
In Freiburg stößt Tatti nicht nur auf Gegenliebe. Eine kleine Gruppe hat sich vor dem Zähringer Bürgerhaus versammelt und protestiert gegen die Position des BSW, was den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine betrifft. "Unterwerfung ist kein Frieden" steht auf einem Plakat. Ein anderes zeigt Sahra Wagenknecht und AfD-Chefin Alice Weidel als Marionetten des russischen Präsidenten Wladimir Putin. In seinem Wahlprogramm fordert das Bündnis, "kein Steuergeld mehr für den Krieg" einzusetzen und Friedensverhandlungen anzustreben.
Erste Wahlerfolge gab es schon im Osten
Ob dem BSW der Einzug in den Bundestag gelingt, ist noch unklar. Die Partei liegt jüngsten Umfragen zufolge bei zwischen vier und sieben Prozent. Bei der Europawahl im Juni 2024 hatte das BSW aus dem Stand 6,2 Prozent der Stimmen erreicht. Bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg sogar zweistellige Ergebnisse. In Thüringen und Brandenburg regiert die Partei mit.