Anlässlich des ersten Süddeutschen Biogas-Gipfels in Ulm fordern NABU und BUND, Biogasanlagen ausschließlich mit Reststoffen wie Mist, Gülle und Abfällen zu betreiben. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) hält dagegen. Er argumentiert, dass der Anbau von Energiepflanzen wie Mais notwendig sei, um Biogasanlagen wirtschaftlich betreiben zu können. Zwei Landwirte mit Biogasanlagen im Schwarzwald geben Einblicke in die Praxis.
Biogas zwischen Ökologie und Wirtschaftlichkeit
Simon Frey blickt von seinem Feld aus auf seine Biogasanlage in Bräunlingen (Schwarzwald-Baar-Kreis). "Ohne nachwachsende Rohstoffe könnte ich meine Anlage nicht weiter betreiben", erzählt der Landwirt. "Das wäre für mich eine finanzielle Katastrophe." Für Frey ist die Nutzung von Energiepflanzen wie Mais unverzichtbar, um Strom und Wärme zu erzeugen.
Gleichzeitig sieht er darin einen sinnvollen Weg, nachwachsende Rohstoffe zu nutzen, die ansonsten keine Verwertung fänden. Zusätzlich seien durch die Biogasanlagen Wirtschaftskreisläufe entstanden. "Da stehen Arbeitsplätze und Unternehmen dahinter, die genau von diesem Betriebszweig leben", betont Frey. Neben der Energiegewinnung hat die Biogasanlage für ihn eine wichtige wirtschaftliche Funktion: Sie sichere regionale Wertschöpfung und schaffe Arbeitsplätze.
"Vermaisung" - Kritik von NABU und BUND
Doch die Kritik an Anlagen wie seiner wird immer lauter. NABU und BUND kritisieren den großflächigen Anbau von Mais, der Flächen für die Nahrungsmittelproduktion blockiere und die Artenvielfalt gefährde.
Unsere landwirtschaftlichen Böden sind zu wertvoll, um sie für eine so ineffiziente Technologie wie Biogas zu opfern.
Gleichzeitig sei die "Vermaisung" der Agrarlandschaft durch die Biogas-Erzeugung eine ökologische Katastrophe, so Enssle.
BLHV verteidigt den Einsatz von Mais in Biogasanlagen
Der BHLV bezieht dazu klar Stellung: Reststoffe reichten allein nicht aus, um Anlagen wirtschaftlich und systemrelevant zu betreiben. Es gäbe klare Fruchtfolgevorgaben und einen Maisdeckel, der den Maiseinsatz begrenze, so der Verband. "Von einer ungezügelten 'Vermaisung' kann daher keine Rede sein", heißt es in einer Pressemitteilung.
Manche Landwirte schaffen Biogas auch rein aus Gülle
Einen anderen Weg geht Jörg Fehrenbacher aus Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis). Auf seinem Hof betreibt er eine Biogasanlage ausschließlich mit Reststoffen wie Mist und Gülle. Mit rund 600 Mastbullen und 150 Weideputen liefert sein Betrieb ausreichend organisches Material, um die Anlage zu betreiben.
Für Fehrenbacher hat die ausschließliche Nutzung von Reststoffen klare Vorteile: "Da besteht keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung." Gleichzeitig betont er aber, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend sind.
Wenn die Getreidepreise niedrig sind und die Landwirtschaft mit den Erzeugerpreisen nicht mehr wirtschaftlich ist, verstehe ich, wenn andere Landwirte nachwachsende Rohstoffe in ihre Anlage einbringen.
Er plädiert dafür, die Praxis nicht pauschal zu bewerten. "Jeder Betrieb hat andere Voraussetzungen. Und irgendwo steht ein Betriebsleiter dahinter, der einen Grund hat, warum er es so macht."
Biogas-Gipfel in Ulm: Debatte zwischen Landwirten und der Politik
Der erste Süddeutsche Biogas-Gipfel in Ulm brachte Landwirte, Politiker und Vertreter der Biogasbranche zusammen, um über die Zukunft von Biogas zu diskutieren. Denn viele dieser Biogasanlagen stehen vor dem Aus, da staatliche Förderungen wegfallen. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und ihr baden-württembergischer Amtskollege Peter Hauk machten deutlich, dass Biogas eine Schlüsselrolle in der Energieversorgung spielt.
Biogas ist systemrelevant. Biogas ist aber auch regional. Und Biogas ist unverzichtbar für eine sichere Energiezukunft.
Forderungen an den Bund wurden bei dem Biogas-Gipfel in einer sogenannten "Ulmer Erklärung" zusammengefasst. Die Ministerinnen und Minister forderten klare Unterstützung des Bundes, um Planungssicherheit und finanzielle Rahmenbedingungen für die Betreiber zu schaffen. Es geht unter anderem um höhere Fördersummen, einen Flexibilisierungszuschlag und die stärkere Einbindung von Biogas in die nationale Energieplanung.
In Baden-Württemberg und Bayern stehen zusammen über 3.700 Biogasanlagen, die fast 40 Prozent des deutschen Biogasaufkommens erzeugen, teilt das bayrische Landwirtschaftsministerium mit. Die Anlagen liefern flexibel Energie und können einspringen, wenn Wind und Sonne nicht ausreichen.