Ärger unter den Badegästen um den besten Liegeplatz, nicht alle halten sich an die Baderegeln, manch einer steigt über den Zaun ein - die Bademeister in der Region haben immer wieder alle Hände voll zu tun. Was hilft?
Zuletzt gab es einen solchen Zwischenfall in Kehl-Auenheim (Ortenaukreis). Ende Juni hatte die Polizei dort das Freibad geräumt. Mehrere Männer waren über den Zaun geklettert, um ins Bad zu gelangen ohne Eintritt zu bezahlen. Die Stadt Kehl sprach danach von bis zu 15 Männern, zwischen 18 und 25 Jahre alt. Die Polizei zuvor von mehreren Dutzend.
Basler Bademeister greifen härter durch
Ein Beispiel, das offenbar erste Erfolge zeigt: Die Freibäder im Kanton Basel-Stadt. Denn nicht nur auf deutscher Rheinseite, sondern auch in den sogenannten Badis in der Schweiz kommt es immer wieder zu Konflikten mit Badegästen. In Basel hat man aus den Erfahrungen der letzten Saison Lehren gezogen. Dort wird nun schneller eingegriffen. Wer sich gegenüber den Bademeistern oder den Sicherheitskräften respektlos verhält, wird sofort des Bades verwiesen.
51 Hausverbote wurden in dieser Saison in den fünf Basler Freibädern bisher ausgesprochen. Im vergangenen Jahr waren es 30 in der gesamten Saison. Auch wer sich illegal Eintritt ins Bad verschafft bekommt Hausverbot. Peter Portmann, Leiter der Gartenbäder im Kanton Basel-Stadt sagt aber auch: Grundsätzlich könne man nicht feststellen, dass es vor allem Badegäste aus Frankreich seien, die Probleme machten.
Es sind vorwiegend junge Männer, die sich ausleben müssen, die sind aber nicht explizit aus Frankreich oder aus Italien oder aus der Schweiz oder wo auch immer her. Es sind vor allem die Leute, die sich nicht an die Regeln halten können, die dann einfach rausfliegen.
Freibäder in Kehl und Müllheim verstärken Sicherheitskontrollen
Auch in Kehl-Auenheim hat die Stadt reagiert. Nach den Tumulten im Freibad Ende Juni, dürfen künftig nur noch maximal 1.400 Badegäste gleichzeitig in das Bad. Im Eingangsbereich sollen außerdem zusätzliche Security-Kräfte eingesetzt werden.
Auch rund 100 Kilometer südlich, in Müllheim im Markgräflerland (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) wurden die Einlasskontrollen im Freibad verstärkt. 12 Mal musste die Polizei in der laufenden Saison dort schon anrücken - wegen Verstößen gegen die Badeordnung, aber auch wegen Belästigung und Diebstahl.
Vorläufig werden deshalb dort nun Ausweise und Taschen an der Tageskasse kontrolliert. Die verschärften Kontrollen sollen laut Stadt unter anderem helfen, gleich zu erkennen, wenn jemand Hausverbot hat.
Lorettobad führt Altersbeschränkung am Wochenende ein
Auch im Frauenbad des Lorettobades in Freiburg kam es in den letzten Wochen offenbar zu Auseinandersetzungen. Hintergrund ist ein großer Besucherinnenandrang bei hohen Temperaturen an den Wochenenden. Nach Angaben der Stadt erreicht das kleine Areal des Damenbads mit maximal rund 450 Besucherinnen regelmäßig seine Kapazitätsgrenze. Der Zugang musste in dieser Saison bereits mehrfach gesperrt werden. In der Hitze harrten dann Familien mit ihren Kindern in der Sonne aus und warteten in sehr langen Schlangen. Für viele war das eine unerträgliche Situation.
Seit Freitag, den 10. Juli, gilt im Lorettobad eine neue Regelung für das Damenbad: An den Wochenenden von Freitag bis Sonntag haben dort nur noch Frauen ab 16 Jahren Zutritt. Offenbar sollen damit größere Gruppen, darunter wohl viele Familien, die extra aus dem Elsass anreisen, abgeschreckt werden. Da der separate Frauenbereich im sogenannten Lollo das deutschlandweit einzige Damenbad ist, reisen Besucherinnen teilweise von sehr weit her an. Die Hoffnung: Es soll wieder Ruhe einkehren im Lorettobad. Es sei schließlich kein Familien-, sondern ein Frauenbad, heißt es.
Einen Tag nach Inkrafttreten der neuen Regelung sprach der SWR vor dem Bad mit mehreren Frauen, die regelmäßig in den Frauenbereich gehen. Das viel oder zu viel los ist im Frauenbad, finden auch sie. Aber, dass nun unter 16-Jährige an Wochenenden nicht mehr ins Bad dürfen, das empfinden alle Befragten als die falsche Lösung.
Vielmehr sollten generell nicht zu viele Menschen ins Bad gelassen werden, findet eine Frau. Und: Lange Haare sollten im Zopf getragen werden beim Baden. Dann wäre auch die Filteranlage nicht so beansprucht. Zwei andere Frauen wundern sich über die neue Regel. Zwar sei an Wochenenden schon immer sehr viel los im Frauenbad, besonders viele Kinder seien aber nicht da, so die beiden Frauen.
Die neue Regel hat offenbar auch schon zu Unmut bei den Badegästen geführt. Eine Frau, die das Bad gerade verlässt, berichtet dem SWR von einer Mutter mit Kind, die extra aus Frankreich angereist war, um ins Frauenbad zu gehen. Sie wusste nichts von der neuen Regelung und sitze nun ratlos vor dem Eingang des Bades. Inwieweit die neue Maßnahme die Situation entschärfen kann, wird sich zeigen. Für das Familienbad im Lorettobad und alle anderen Freibäder gelten keine Einschränkungen.
Historisches Idyll in Freiburg Im Lorettobad: Deutschlands einziges Bad nur für Frauen
Hurra, endlich wieder Freibad! Zum Pfingstwochenende öffnet auch das historische Freiburger Lorettobad. Mit Deutschlands einzigem Damenbad, wo Frauen und Mädchen unter sich sind.
Basler Badegäste freuen sich über bessere Stimmung im Freibad
Bei den Badegeästen in Basel kommt das härtere Durchgreifen gut an. Eine Frau findet zum Beispiel: "Alle halten die Regeln mehr ein, es ist sehr angenehm." Auch die Stimmung sei besser geworden im Vergleich zu letztem Jahr, findet ein Mädchen.
Gästen ohne Wohnsitz in der Schweiz den Zutritt zu den Freibädern zu erschweren, so wie es andere Gemeinden machen, das sei für die Basler Freibäder keine Option, meint Peter Portmann, Leiter der Gartenbäder im Kanton Basel-Stadt.