Amtsantritt von Carolin Jenkner und Roland Meder

Traum-Bibliothek und Top-Eishalle: Das wollen die Neuen im Freiburger Rathaus

Stadtbibliothek mit Glasfassade und Eishalle in neuem Glanz: Bürgermeisterin Carolin Jenkner und Bürgermeister Roland Meder haben schon konkrete Pläne zum Start in ihre Amtszeit.

Teilen

Stand

Von Autor/in David Zastrow

Bürgermeister und Bürgermeisterin Freiburg
Carolin Jenkner und Roland Meder sind die Neuen in der Rathausspitze in Freiburg. Stadt Freiburg

Eine Stadtbibliothek mit Blick durch eine neue Glasfassade aufs Münster, mehr Proberäume für Bands und Lösungen gegen Wohnungslosigkeit: Mit diesen konkreten Ideen starten Bürgermeisterin Carolin Jenkner (CDU) und Bürgermeister Roland Meder (SPD) in ihre Amtszeit im Freiburger Rathaus. Einer gemeinsamen Joggingrunde mit Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) - wie ihre Vorgänger sie gepflegt hatten - haben beide augenzwinkernd abgesagt.

Die beiden im treten ihre neue Aufgabe zum 1. April an. Jenkner übernimmt das Dezernat für Finanzen, Sport und Ordnung. Meder ist künftig für Kultur, Soziales und Migration zuständig. Im SWR-Interview nannten beide bereits zentrale Projekte, die sie in den kommenden Jahren voranbringen wollen.

Stadtbibliothek Freiburg
Die Stadtbibliothek in Freiburg ist bereits in die Jahre gekommen. Sie wurde 1978 fertiggestellt. David Zastrow

Meders Traum: Stadtbibliothek mit Blick aufs Freiburger Münster

Roland Meder will im Kulturbereich neue Treffpunkte für die Stadt schaffen. Ein zentrales Projekt ist für ihn die Weiterentwicklung der Stadtbibliothek am Münsterplatz. Sie habe mit ihrer traumhaften Innenstadt-Lage ein riesiges Potential, sagt Meder. Sie soll zu einem sogenannten "dritten Ort" werden - also zu einem offenen Raum, an dem Menschen lesen, lernen, arbeiten oder sich treffen können. "Der erste Ort ist das Zuhause, der zweite das Arbeiten und der dritte ein Ort, an dem ich mich gerne aufhalte, weil er ein konsumfreier Raum ist, in dem ich kulturelle Teilhabe erlebe", erläutert Meder.

Freiburg im Breisgau

Bilanz nach 24 Jahren als Bürgermeister Ulrich von Kirchbach im SWR-Interview: "Den Gestaltungswillen werde ich schon vermissen"

Lokalpolitik-Urgestein Ulrich von Kirchbach hört als Bürgermeister in Freiburg auf. Im SWR-Interview blickt er zurück und verrät, was er gar nicht vermissen wird.

Vorbild sind moderne Bibliotheken in skandinavischen Städten. "Ich war mal in Oslo und habe mir die Deichmann-Bibliothek angeschaut, ich war auch in Dresden und wenn man dort ist, stellt man fest, wie attraktiv das ist." Dort gebe es Kinderspielecken, Cafés, Werkstätten und wunderbare Chillbereiche. "Mein Traum ist es, in einem ausgebauten Dachgeschoss mit großen Glasflächen in der Stadtbibliothek mit einem wunderbaren Blick auf das Münster zu sitzen und ein gutes Buch in der Hand zu haben." Für ihn ein Herzensanliegen.

Meine Frau ist Buchhändlerin. Deswegen die besondere Liebe zur Literatur.

Mehr Proberäume für Freiburgs Bands

Roland Meder will außerdem den Proberaum-Mangel in der Stadt angehen. Beim Escholzpark sind bereits unter seinem Vorgänger, Ulrich von Kirchbach, neue Proberaummodule für regionale Bands aufgestellt worden. "Spontane Open-Air-Auftritte sind denkbar, die Stadt hat dort eine Bühne gebaut, und ich bin dafür offen. Auf Lärmbelästigung muss natürlich geachtet werden." Dennoch: Die Container dienen aktuell nur als Übergangslösung, perspektivisch soll ein dauerhaftes Probezentrum entstehen.

Multicore
Die Betreiber zeigen sich glücklich. Der Freiburger Verein multicore, der die Musiker in der Stadt unterstützt, vor den neuen Proberaummodulen am Eschholzpark. Multicore

Bürgermeister Meder: Hilfe für Obdachlose und Geflüchtete

Neben Kulturprojekten will Meder vor allem die Wohnungslosigkeit bekämpfen. Rund 1.000 Menschen in Freiburg haben inzwischen eine sogenannte Postersatzadresse - ein Hinweis auf verdeckte Wohnungslosigkeit. Dazu gebe es nur wenige Notunterkünfte. "2024 lebten etwa 200 Menschen auf der Straße, die Dunkelziffer ist höher", sagt Meder. Er plant den Ausbau der Wohnungsnotfallhilfe nach dem Prinzip "Housing First" und will auch für Geflüchtete mehr Wohnraum schaffen, etwa im neuen Stadtteil Dietenbach.

Bürgermeisterin Jenkner: bezahlbares Wohnen im Stadtteil Dietenbach

Beim Wohnungsbauprojekt Dietenbach, das zu den größten in ganz Deutschland zählt, kommt vor allem auch die neue Finanzbürgermeisterin Carolin Jenkner ins Spiel. Im neuen Stadtteil sollen rund 6.900 Wohnungen entstehen. Die Vermarktung der Grundstücke hat vor wenigen Wochen begonnen.

Ein Modell eines Stadtteils

Ein wichtiges Ziel bleibt dabei bezahlbarer Wohnraum. Etwa die Hälfte der Wohnungen soll gefördert sein. Gleichzeitig setzt die Stadt auf verschiedene Bauformen - von Baugruppen bis zu größeren Investoren. Für Familien "gibt's natürlich auch kleinere Grundstücke für Townhouses, wo man sich mit zwei Familien gemeinsam auf ein Grundstück bewerben kann", sagt Jenkner. Aber zum Teil seien da auch recht große Grundstücke.

Ich habe eine hohe Affinität zu Zahlen.

Dann gebe es aber auch die ganz großen Mehrfamilienhäuser, "wo man vermutlich schon erst mal einen größeren Investor braucht, der das gesamte Gebiet entwickelt", sagt Jenkner.

Freiburg: Investitionsstau und über 370 Millionen Euro Schulden

Für Carolin Jenkner hat aber natürlich auch den städtischen Haushalt im Blick. Freiburg habe aktuell rund 372 Millionen Euro Schulden, sagt sie, und gleichzeitig einen "hohen Investitionsstau" - etwa bei Schulen, Sportanlagen oder der Infrastruktur. Jenkner muss deshalb künftig stark priorisieren, welche Projekte zuerst umgesetzt werden können.

Ein Beispiel ist die Freiburger Eishalle. Sie soll grundlegend saniert werden - in Neubauqualität. Das ist beschlossene Sache. Für die Finanzierung setzt die Stadt auch auf Förderprogramme des Bundes. Bundesweit stehen im Förderprogramm "Sanierung kommunaler Sportstätten" 330 Millionen Euro bereit - beantragt wurden allerdings über 7,5 Milliarden Euro.

Eishalle Freiburg
Die Eishalle in Freiburg ist sichtlich in die Jahre gekommen. David Zastrow

Sollte der erste Förderantrag auf rund acht Millionen Euro scheitern, will Jenkner zur Not weitere Finanzierungsanläufe starten. "Das Programm läuft über mehrere Jahre und es ist auch möglich, in den nächsten Jahren berücksichtigt zu werden", so ihre Hoffnung.

Morgens früh joggen mit dem OB? Eher nicht

Und eins ist jetzt schon klar: Oberbürgermeister Martin Horn muss sich für seine morgendlichen Joggingrunden um 6 Uhr andere Partner suchen. Mit dem Ausscheiden der Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und Stefan Breiter verliert er zumindest zwei mitlaufende Amtsträger.

Meder hat bereits scherzhaft klargestellt: "Wenn das Gegenstand meines Einstellungsgesprächs gewesen wäre, hätte ich sagen müssen, sorry, ich bin kein Läufer, ich bin eher der Radfahrer." Und auch von Jenkner kommt eine Absage: "Morgens um sechs joggen wird für mich vermutlich nichts sein. Eher am Wochenende eine Runde Tennis oder ein Spaziergang."

Carolin Jenkner
Die neue Finanzbürgermeisterin der Stadt Freiburg Carolin Jenkner im Interview mit SWR-Reporter David Zastrow David Zastrow

Carolin Jenkner ist 39 Jahre alt, promovierte Mathematikerin und war acht Jahre lang Fraktionsvorsitzende der CDU in Freiburg. Seit 2014 sitzt sie im Gemeinderat und arbeitet beruflich am Universitätsklinikum Freiburg im Bereich Statistik und Studienmanagement. Nun darf sie bei den Sondierungsgesprächen mit den Grünen für die neue Regierung in Baden-Württemberg für die CDU mitwirken.

Roland Meder
Der neue Kulturbürgermeister der Stadt Freiburg, Roland Meder, im Interview mit SWR-Reporter David Zastrow David Zastrow

Roland Meder ist 58 Jahre alt und seit vielen Jahren Teil der Freiburger Stadtverwaltung. Gebürtig aus Bad Kissingen (Bayern), begann er seine Laufbahn mit einer Ausbildung zum Kfz-Elektriker, studierte später Forstwissenschaft und arbeitete anschließend in verschiedenen Funktionen im Freiburger Rathaus - zuletzt als Leiter des Haupt- und Personalamts. Meder ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Freiburg

Deutschlandweit eines der größten Neubaugebiete Vermarktung der ersten Grundstücke in Freiburgs neuem Stadtteil Dietenbach hat begonnen

Startschuss für die Vermarktung der ersten Grundstücke im Freiburger Neubaugebiet Dietenbach. 800 Wohnungen gibt es im ersten Abschnitt. Interessierte können sich online bewerben.

Freiburg

Historisches Millionenprojekt Eishalle in Freiburg wird saniert - Gemeinderat stimmt zu

Der Freiburger Gemeinderat hat am Dienstagabend grünes Licht für die Sanierung der maroden Echte-Helden-Arena gegeben – ein entscheidender Schritt für die Zukunft des Eissports.

Freiburg

Ab Sommer 2025 Beim Eschholzpark spielt bald die Musik: Freiburger Bands bekommen Container zum Proben

Mit schallgedämmten Wänden und WC: In Freiburg sollen bald 14 Container als Proberäume für Bands und Künstler bereitstehen. Das hat der Freiburger Gemeinderat beschlossen. Doch damit ist das Problem mit den fehlenden Proberäumen noch lange nicht gelöst.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
David Zastrow
David Zastrow

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!