Um 14 Uhr am Freitagnachmittag läuteten in der ganzen Schweiz minutenlang die Kirchenglocken. Landesweites Innehalten an diesem nationalen Trauertag, in Gedenken an die Opfer der Brandkatastrophe in einer Bar im Skiort Crans-Montana in der Silvesternacht.
Auch in Kreuzlingen, der Schweizer Nachbarstadt von Konstanz, läuteten die Kirchenglocken. Pfarrer Damian Brot von der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen erklärt die Bedeutung dieses Glockengeläuts: "Es soll in erster Linie ein Gedenken sein für die Opfer und deren Familien." Man wolle aber auch all den Menschen danken, die gerade "so viel leisten: Die Feuerwehrleute, das Pflegepersonal, die Ärzte und alle, die sich jetzt um die Aufklärung bemühen". Man müsse sich klar machen, dass solch ein Unglück auch anderswo hätte passieren können, so Brot.
Es gibt hier viele Eltern die denken: Meine Kinder haben auch am 31. Dezember irgendwo gefeiert, und das hätte auch ihnen passieren können. Das beschäftigt die Leute schon sehr.
Hunderte Menschen trauern in Basel
In Basel versammelten sich mehrere Hundert Menschen auf dem Marktplatz vor dem Rathaus und nahmen damit an der landesweiten Schweigeminute teil. Am Rathaus wehte neben der Flagge von Basel auch die Walliser Flagge. An dem sonst sehr umtriebigen Ort der Stadt herrschte eine bedrückte Stimmung. Bei der Trauerfeier waren auch Besatzungen von Polizei, Feuerwehr und Sanitätern mit ihren Fahrzeugen anwesend.
Gedenken auch in Bad Säckingen
Neben der offiziellen Gedenkzeremonie im nahe des Unglücksorts gelegenen Martigny wurde auch in der deutschen Nachbargemeinde Bad Säckingen der Opfer gedacht. "Die Stadt Bad Säckingen sowie ihre Bürgerinnen und Bürger fühlen sich Schweizer Nachbarn eng verbunden. Daher trauert auch Bad Säckingen mit der Schweiz", schreibt die Kommune in einer Mitteilung.
SWR-Reporterin Vanessa Amann berichtete aus Bad Säckingen vom Gedenken an die Opfer von Crans-Montana:
Dieses schreckliche Ereignis macht auf beklemmende Weise bewusst, wie schnell eine ausgelassene Feier in einen Kampf ums Überleben umschlagen kann. Wir trauern um die Opfer dieses Unglücks und stehen an der Seite der Hinterbliebenen.
Bad Säckingen setzte die Fahnen auf Halbmast. Während der Schweigeminute um 14 Uhr läuteten auch die Glocken des örtlichen St. Fridolinsmünster für insgesamt zehn Minuten. Zwar waren keine Menschen vor dem Münster, um zu trauern. Doch Pfarrer Peter Nicola betonte: "Wegen der unmittelbaren Nähe zur Schweiz fühlt man sich sehr verbunden. Wir möchten jenseits von Grenzen gemeinsam trauern und Anteil nehmen."
Schweigeminute im Europapark
Wie die Schweizer Zeitung "Blick" schreibt, gab es auch im Europa-Park in Rust um 14 Uhr eine Schweigeminute: Im Schweizer Themenbereich "Wallis Dorf" wurde die Musik ausgeschaltet. Zudem wurden die Glocken geläutet und die Achterbahn "Schweizer Bobbahn" wurde für kurze Zeit stillgelegt.
Ministerpräsident Kretschmann unter den Trauergästen in der Schweiz
Die Veranstalter der Trauerfeier sprachen von rund 700 Gästen, darunter etwa 150 Angehörige. Unter den Opfern waren keine Deutsche, doch einige der Verletzten werden in deutschen Kliniken behandelt, unter anderem in Baden-Württemberg. Deshalb nahm auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) an der Trauerfeier teil.
Jüngstes Todesopfer war 14 Jahre alt
Bei dem Brand in der Silvesternacht in der Bar "Le Constellation" in Crans-Montana hatte es 40 Tote und mehr als 100 Verletzte gegeben. Unter den Opfern waren neben vielen Schweizer Jugendlichen auch Dutzende junge Menschen aus Frankreich und Italien. Das jüngste Todesopfer war erst 14 Jahre alt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen. Es wird davon ausgegangen, dass Funken von Sprühfontänen die mit Schaumstoff verkleidete Decke der Bar in Brand gesetzt haben. Nach Angaben der Gemeinde hatte es in der Bar jahrelang keinerlei Brandschutzkontrollen gegeben.