2.600 Euro brutto, Karrierechancen und Zuschüsse zum Führerschein - Konditionen, die für viele junge Menschen verlockend klingen. Doch mit den langen Debatten über den Wehrdienst im Bundestag wächst auch die Verunsicherung bei jungen Männern. Noch besteht keine Pflicht. Trotzdem bereiten einige schon ihre Wehrdienstverweigerung vor. Wie der junge Freiburger Felix Efosa. Er ist davon überzeugt, dass Kriege nicht mit Waffen gewonnen werden können.
Kriegsdienstverweigerer: Seine Familie habe unter Kriegen gelitten
Felix Efosa ist sich sicher: Der Dienst an der Waffe kommt für ihn nicht infrage. Sein nigerianischer Vater und seine ostdeutschen Großeltern haben unter Kriegen gelitten. Das möchte der Freiburger nicht. Er lässt sich zur Kriegsdienstverweigerung beraten.
Efosa ist 26 Jahre alt und damit nicht von der aktuellen Wehrdienst-Regelung betroffen. Der Student will jedoch vorsorgen. "Sobald der Krieg beginnt, ist es immer schwieriger, den Kriegsdienst zu verweigern, als in 'Friedens'-Zeiten", betont der Freiburger. Er beschreibe sich selbst als engagierter Mensch, mit klaren Vorstellungen für seine Zukunft. Eine mögliche Wehrpflicht käme ihm dabei moralisch in die Quere, sagt er.
Ich will verweigern, weil ich überzeugt bin, dass wir Kriege nicht durch militärische Interventionen beenden.
Musterung verpflichtend - Wehrdienst freiwillig Neues Wehrdienst-Modell beschlossen: Was das für junge Baden-Württemberger bedeutet
Nach längerem Streit hat sich die Bundesregierung auf ein neues Wehrdienst-Modell geeinigt. Das neue Modell setzt auf Freiwilligkeit, doch verpflichtende Elemente bleiben möglich.
Beratungen zu Kriegsdienstverweigerung nehmen zu
Winfried Cordi setzt sich derweil für eine Welt ohne Waffen und Kriege ein. Er ist Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft und Vereinigten Kriegsdienstgegner:innen (DfG-VK). Dort werden Menschen wie Efosa unterstützt, die Sorge vor einer möglichen zukünftigen Wehrpflicht haben. Beispielsweise wird ihnen erklärt, wie sie den Wehrdienst verweigern können.
"Die Person muss durch den Antrag für andere erschließbar machen, wie und warum sie sich nicht am Krieg beteiligen will", so Cordi. Oft wenden sich auch besorgte Eltern an die Friedensgesellschaft. Die Nachfrage nach Beratungsgesprächen habe zuletzt zugenommen, erklärt er.
Mehr Soldaten durch Musterung und Aufklärung
Während die Nachfrage nach Beratungen für eine Wehrdienstverweigerung steigt, findet im Berufsinformationszentrum (BiZ) der Agentur für Arbeit in Freiburg ein Informationstag für "Berufe in Uniform" statt. Einstellungsberaterinnen und -berater der Bundeswehr, Bundespolizei, des Polizeipräsidiums Freiburg, dem Zoll und der Justizvollzugsanstalt beraten junge Menschen über ihre Ausbildungs- und Karrierewege.
Künftig sollen junge Männer, ab dem Jahrgang 2008, gemustert werden. Der Wehrdienst bleibe aber vorerst freiwillig. Darauf haben sich CDU und SPD geeinigt. Sie wollen damit die Bundeswehr aufstocken. Bis 2035 soll es 260.000 Zeit- und Berufssoldatinnen und -soldaten geben und zusätzlich 200.000 Reservistinnen und Reservisten. Wird dieses Ziel nicht erreicht, könnte eine Bedarfswehrpflicht eingeführt werden.
Die Bundeswehr wirbt um junge Menschen
Karriereberater Stefan ist seit zwei Jahren für die Bundeswehr im Einsatz und sucht das Gespräch mit jungen Menschen. Er möchte zeigen, wie vielschichtig der Karriereweg in der Bundeswehr sein kann. "Mit über 1.500 verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten ist auch eigentlich für jeden etwas dabei", so Stefan. Etwa 35 Schülerinnen und Schüler kamen heute, um sich unter anderem über die Bundeswehr zu informieren.
So auch Ruben. Für den 16-Jährigen ist klar: nach der Schule geht es zur Bundeswehr. "Mein Vater war auch schon bei der Bundeswehr und ich bin selbst sportlich sehr aktiv", erzählt er. Der Realschüler erklärt, dass sein Ziel eine militärische Ausbildung sei, zusätzlich möchte er sich für vier Jahre verpflichten. In seiner Freundesgruppe sei er der Einzige, der sich für den Wehrdienst interessiert. Aber auch der Realschüler Iven ist begeistert: "Ich will zur Marine. Das weiß ich schon länger. Ich wollte mir heute nur den Vortrag der Bundeswehr über den Beruf anhören", erklärt der 15-Jährige.
Freiburger: Einsatz für die Gesellschaft gehe auch anders
Doch Felix Efosa macht klar: "Es ist wichtig, dass sich jeder junge Mensch darüber Gedanken macht, was Krieg bedeutet." In der Kriegsdienstdebatte werde unterstellt, dass sich junge Menschen nicht für ihr Vaterland einsetzen würden, erklärt der Freiburger. "Mit meinem persönlichen Engagement setze ich mich mehr für die Gesellschaft ein." Felix Efosa ist seit knapp eineinhalb Jahren im Freiburger Gemeinderat aktiv, arbeitet in einem Quartiersbüro und studiert soziale Arbeit.
Der Freiburger wünscht sich ein Umdenken. "Junge Menschen wollen mitgestalten, aber man muss uns auch die Chancen dafür geben", betont er. Die Debatte über eine mögliche Wehrpflicht hat viele verunsichert. Ob Verweigerung oder Wehrdienst - junge Menschen stehen nun vor der Entscheidung, welchen Weg sie gehen möchten.