Auch badische Landwirte bei Demo

Straßenblockaden in Straßburg: Warum Bauern nochmal gegen Mercosur protestieren

Knapp 5.000 Landwirte aus Frankreich, Deutschland und anderen Ländern demonstrieren vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Sie hoffen, das Mercosur-Abkommen aufzuhalten.

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Von Autor/in Thomas Hermanns, Clara Gehrunger

Der Freihandelsvertrag zwischen der EU und dem südamerikanischen Mercosur wurde am Freitag vom Europäischen Rat unterzeichnet. Viele Bauern befürchten, dass die günstigeren Importe aus dem Ausland ihre Existenz bedrohen. 25 Jahre hat die EU mit den Mercosur-Staaten verhandelt. Nun müssen noch Paraguay und das Europäische Parlament zustimmen. Die Abstimmung der Abgeordneten in Straßburg ist am Mittwoch geplant.

Knapp 5.000 Demonstrierende aus 17 Ländern versammelten sich am Dienstagmittag nach Angaben der regionalen Behörden gegen das Abkommen in Straßburg. Die Proteste richten sich insbesondere gegen Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen. Auf vielen Plakaten steht etwa "No to Mercusur, no to Von der Leyen" ("Nein zu Mercosur, nein zu Von der Leyen").

Pyrotechnik bei einem Protest.
Vom frühen Morgen an geht es in Straßburg heiß her: Bauern demonstrieren gegen das Mercosur-Abkommen - und gegen Kommissionspräsidentin Von der Leyen. Jessica Hans

Zwei Tage lang wollen die Landwirte daher Druck auf die Europaabgeordneten in Straßburg ausüben, damit diese den Vertrag doch noch einmal verzögern oder stoppen. Bereits in der vergangenen Woche hatten französische Bauern die Europabrücke zwischen Straßburg und Kehl blockiert, auch in Stuttgart gab es Proteste vor dem Landwirtschaftsministerium.

Massive Verkehrsbehinderungen rund um das Europaparlament

Auf den Autobahnen, National- und Landstraßen Richtung Straßburg kam es am Vormittag zu zahlreichen Staus und Straßenblockaden. Traktoren rollten im Konvoi mit 10 Kilometern pro Stunde über die Fahrbahn oder blockierten Auffahrten, etwa auf der A35.

Auch der Verkehr innerhalb der Stadt ist stark beeinträchtigt: Insbesondere im Straßburger Europaviertel sind weiträumig Straßen blockiert. Seit den frühen Morgenstunden sind die Landwirte unterwegs, gegen Mittag wird der Demozug vor den europäischen Institutionen erwartet. Die Stadt Straßburg hat auf mehreren Straßen Park- und Verkehrsverbote verhängt.

Pyrotechnik bei einer Demo vor dem EU-Parlament
Dienstagmittags sollen fast 5.000 Menschen an der Demonstration gegen das Mercosur-Abkommen teilgenommen haben. Jessica Hans

Laut französischen Medien sollen einige Traktoren bis Mittwochnachmittag dort stehen bleiben. Damit wollen die Landwirte den Druck auf die Europaabgeordneten aufrechterhalten. Denn diese sollen am Mittwoch darüber abstimmen, ob das Abkommen an den Gerichtshof der Europäischen Union weitergeleitet wird. Sollte es dazu kommen, könnte das Abkommen erneut über mehrere Monate aufgehalten werden.

Der Südbadische Bauernverband beteiligt sich an der Kundgebung

Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) beteiligt sich laut einer Mitteilung von Dienstagvormittag doch an der Demonstration in Frankreich. Anfang Januar hatte sich der Verband von ähnlichen Protesten noch ferngehalten und hielt sich im Vorfeld der aktuellen Proteste bedeckt. Der BLHV erkenne die wirtschaftliche und geopolitische Bedeutung des Abkommens an, heißt es vom Verband, warne aber vor Risiken für die heimische Landwirtschaft.

BLHV-Präsident Bernhard Bolkart begründete solche Sorgen unter anderem mit "weiterhin sehr unterschiedlichen Produktionsstandards". So seien neben der Politik auch Verbraucherinnen und Verbraucher gefragt, auf regionale Produkte zu setzen.

Landwirte aus Baden und Bayern vor Ort

Von Kehl aus fuhren Traktoren aus Baden-Württemberg und Bayern über die Grenze. Der Bayerische Bauernverband etwa hatte im Vorfeld zur Teilnahme aufgerufen. Organisiert wird der Protest vom französischen Bauernverband FNSEA und dem europäischen Bauernverband COPA. Auch aus anderen europäischen Ländern nehmen Bauern an den Demonstrationen in Straßburg teil.

Landwirt Horst Körkel aus dem Kehler Ortsteil Neumühl im Ortenaukreis sagte dem SWR:

Drei Männer stehen mit einem Plakat auf einer Demo.
Badische Beteiligung: Thomas Huschler vom BLHV (mittig) und Landwirt Horst Körkel (rechts) aus Neumühl (Kehl, Ortenaukreis) auf dem Bauernprotest in Straßburg. Jessica Hans

Grund für die Proteste ist die Sorge der Bauern, das Mercosur-Abkommen könnte einen Wettbewerbsnachteil für Landwirte in der Europäischen Union bilden. Die am Abkommen beteiligten südamerikanischen Länder exportieren insbesondere landwirtschaftliche Produkte in die EU, dabei gelten in der Produktion allerdings weniger strengere Regeln etwa zur Nutzung von Pestiziden.

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Thomas Hermanns
Reporter Thomas Hermanns
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