Der Basler Pharmakonzern Novartis hatte in dieser Woche angekündigt, seinen Produktionsstandort in Wehr bis Ende 2028 schließen zu wollen. In Wehr werden Medikamente in Tabletten- und Kapselform hergestellt, gut 220 Arbeitsplätze sollen nun wegfallen. Die Nachricht vom Novartis-Aus trifft die Bewohner von Wehr. Sie sprechen von Schock, Sorge und Unsicherheit.
Sorge und Verunsicherung nach Novartis-Schließung in Wehr
Viele Menschen in der Wehrer Innenstadt reagieren betroffen auf die angekündigte Schließung des Novartis-Werks. "Armes Wehr", sagt eine Passantin. Sie denke oft an bessere Zeiten zurück. "Die Industriestadt, die wir mal hatten, davon ist alles nicht mehr da", erinnert sie sich. Andere Menschen in Wehr sehen in der Werksschließung bei Novartis einen weiteren Rückschlag für die Stadt und die gesamte Region am Hochrhein.
Im Jahr 1943 kam der damalige Chemiekonzern Ciba, heute Novartis, in die Stadt. Zu Spitzenzeiten beschäftigte das Unternehmen am Standort Wehr rund 1.000 Mitarbeitende. Gisela Hackelsperger erinnert sich an deutlich mehr Industrie, Geschäfte und Arbeitsplätze in der Hochrheingemeinde. "Es verschwinden immer mehr", sagt sie.
Leere Gebäude haben wir genug.
Wie genau es für die rund 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeht, ist noch unklar. Bis zur geplanten Schließung Ende 2028 laufen Gespräche zwischen Novartis, Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern.
Novartis-Entscheidung zur Werksschließung kam überraschend
Für Bürgermeister Denis Schimak kam die Nachricht überraschend. "Die erste Reaktion war Fassungslosigkeit, Schock", so Schimak. Denn der Schweizer Pharmakonzern Novartis ist der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt, sagt er. Zudem habe Novartis noch im vergangenen November erklärt, der Standort Wehr sei von einem Stellenabbau bei Novartis nicht betroffen.
Seit mehr als 80 Jahren hat der Pharmakonzern einen Standort in Wehr. Für Schimak ist das Unternehmen deshalb Teil der "städtischen DNA". Wehr verstehe sich bis heute als Industriestandort, obwohl sich bereits andere Unternehmen aus der Stadt zurückgezogen haben. "Die letzten 30 Jahre waren wirklich ein Aderlass, was Industrie betrifft. Wir hatten die Textilindustrie, die hier komplett verschwunden ist. Jetzt trifft es die Pharmaindustrie", sagt der Bürgermeister. Mit der möglichen Schließung bei Novartis verliere die Stadt nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch wichtige Gewerbesteuereinnahmen.
Bürgermeister will weiter für Standort kämpfen
Trotz der angekündigten Schließung hofft der Bürgermeister weiter auf eine Lösung. Der Standort in Wehr habe gut ausgebildete Fachkräfte und wichtige infrastrukturelle Vorteile. Außerdem sieht er in dem Werk einen wichtigen Standort für die Medikamentenproduktion in Deutschland. Gerade in Krisenzeiten und bei gestörten Lieferketten müsse Deutschland unabhängiger produzieren können, so Schimak.
"Ich würde nicht dafür kämpfen, wenn ich die Hoffnung aufgegeben hätte", sagt er. In Wehr hoffen deshalb viele weiter auf eine Zukunft für den Standort - ob mit oder ohne Novartis.