Weniger Geld für queere Jugendarbeit

Queere Ferienfreizeit im Schwarzwald schafft geschützten Raum

Queere junge Erwachsene aus Deutschland und Österreich haben am Schluchsee eine Ferienwoche ohne Diskriminierung erlebt. Solche Angebote sind rar, es fehlt das Geld dafür.

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Von Autor/in Ruth Schirra

Rund 40 queere junge Erwachsene aus Deutschland und Österreich haben eine Woche in einem Selbstversorgerhaus nahe des Schluchsees (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) verbracht. Die Ferienfreizeit "queer.zeit" soll ihnen einen geschützten Raum bieten - frei von Diskriminierung und dem Druck, sich erklären zu müssen. Gerade angesichts von Anfeindungen gegen queere Menschen sieht das Organisationsteam einen wachsenden Bedarf. Gleichzeitig ist die Finanzierung solcher Angebote schwierig.

Eine Woche raus aus dem Alltag

Mitten im Schwarzwald, umgeben von Wiesen und Wald, liegt das Selbstversorgerhaus. Ab und zu kommt eine Wanderin oder ein Reiter vorbei, auf den Wiesen weiden Schafe. Eine Woche lang haben hier junge queere Menschen gemeinsam ihre Ferien verbracht. Wo genau das Haus liegt, wissen nur die Teilnehmenden.

"Ich finde es richtig schön, einfach in so einer queeren Gruppe mal für längere Zeit existieren zu dürfen", sagt Jay. Gerade als trans* Person fühle man sich im Alltag oft ein bisschen anders. Hier sei das für eine Woche kein Thema. "Deshalb finde ich total cool, dass man sich einfach mal nicht darum kümmern muss, dass man anders ist, sondern sich einfach wohlfühlen kann."

Genau darum geht es bei der "queer.zeit". Die Ferienfreizeit wird von queeren Menschen für queere Menschen organisiert. Viele Teilnehmende erlebten in ihrem Alltag Diskriminierung oder hätten das Gefühl, sich nicht frei ausleben zu können, erzählt Teamer Jethro.

Gewalt und Hass gegen queere Menschen

Für Teamerin Lu sind solche Räume gerade in der aktuellen gesellschaftlichen Situation wichtig. "Gerade in diesen Zeiten, wo es von vielen Seiten Angriffe auf die queere Community gibt, sind einfach die Belastung im Alltag und der Stressfaktor ziemlich hoch", sagt sie. Wenige Wochen vor der Freizeit hatte es einen Angriff auf den CSD in Berlin gegeben. Auch Zahlen des Bundeskriminalamts zeigen, dass queerfeindliche Straftaten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben.

Zwischen Karaoke, Bogenschießen und Workshops

Trotz der ernsten Themen soll die Woche vor allem eines sein: eine Auszeit. Die Jugendlichen machen Ausflüge in der Region, backen Pizza, singen Karaoke oder versuchen sich im Bogenschießen. Jeden Tag ist außerdem ein Kunstatelier geöffnet.

Mehrere Jugendliche sitzen und liegen in einem Raum auf dem Boden und schauen auf Blätter, die sie in den Händen halten. Auf dem Boden liegen Zettel. Eine Person steht im Raum.
Bei Schluchsee im Schwarzwald verbringen queere Jugendliche gemeinsam eine Woche Freizeit. Dabei geht es auch um den Austausch über sexuelle Identitäten, aber nicht nur. Ruth Schirra

Daneben gibt es Workshops zu Themen, die viele der jungen Erwachsenen beschäftigen. Sie sprechen etwa über gewaltfreie Kommunikation, sensible Sprache, Selbstschutz oder Sexualität. Viele Workshops bieten die Teilnehmenden oder Teamenden selbst an. Für einzelne Themen kommen externe Expertinnen und Experten dazu. Das Team der "queer.zeit" arbeitet ehrenamtlich. Und gerade für solche zusätzlichen Angebote fehlt zunehmend das Geld.

Die Finanzierung der Freizeit ist schwierig

"Wenn an uns gespart wird, müssen wir eben auch sparen an unseren Möglichkeiten", sagt Teamer Jethro. In den ersten drei Jahren wurde die "queer.zeit" vom Land Baden-Württemberg finanziell unterstützt. Die Förderung war allerdings auf neue Projekte begrenzt und lief deshalb aus. Eine andere Förderung konnte bislang nicht gefunden werden.

Getragen wird die Freizeit vom Stuttgarter Verein Weissenburg e.V. Doch auch dort sind die finanziellen Möglichkeiten begrenzt. Gleichzeitig verliert der Dachverband für queere Jugendarbeit, Lambda e.V., ab 2027 seine bisherige Förderung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die Teamerinnen und Teamer der "queer.zeit" sehen diese Entwicklung kritisch. Lu fordert stattdessen mehr Unterstützung für queere Jugendarbeit. Gerade angesichts der Belastungen, die viele junge queere Menschen im Alltag erlebten, brauche es Angebote, bei denen sie Gemeinschaft erfahren und sich ausprobieren könnten.

"Ein bisschen wie nach Hause kommen"

Spricht man mit den Teilnehmenden, sind die vielen Workshops einer der Höhepunkte der Woche. Sie würden ihn auch persönlich sehr weiterbringen, erzählt zum Beispiel Max. Charlie ist seit der ersten Freizeit 2022 mit dabei. Er freue sich das ganze Jahr über auf die Freizeit und ist froh, auch in diesem Jahr wieder einen Platz ergattert zu haben. Er fühle sich in der Gemeinschaft sehr wohl. "Das fühlt sich schon ein bisschen wie nach Hause kommen an." 

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Autor/in
Ruth Schirra
Onlinefassung
Christine Veenstra
Bild von SWR-Redakteurin Christine Veenstra

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