Die neue Zentralklinik in Lörrach soll zu 99 Prozent ohne Gas und Öl auskommen. Sie nutzt das Grundwasser, das durch die Erdwärme während des ganzen Jahres eine Temperatur von konstant 12 bis 13 Grad hat. Durch Wärmetauscher und mehrere große Wärmepumpen lässt sich aus dem Wasser im Sommer Kühle und im Winter Wärme gewinnen. Sie funktionieren nach demselben Prinzip wie die Wärmepumpen, die vor vielen Häusern stehen.
Wärmepumpen der Klinik funktionieren mit Wasser statt mit Luft
Mit einem Unterschied: In der Zentralllinik funktionieren die Geräte mit Wasser und nicht mit Luft. Die Temperaturen der Wärmepumpe sind allerdings relativ niedrig. Um damit trotzdem effektiv heizen zu können, gibt es in der Klinik flächendeckend Fußbodenheizung - auf rund 42.000 Quadratmetern. Das entspricht einer Fläche von mehr als drei Fußballfeldern.
Das Grundwasser befindet sich in nur fünf Meter Tiefe unter dem Klinikgebäude. Dadurch muss nicht so tief gebohrt werden - die Investitionskosten sind damit geringer. Das Grundwasser steht nicht, sondern fließt von Steinen im Wiesental in Richtung Lörrach.
Im Osten des neuen Klinikgeländes wird das Grundwasser aus drei Brunnen hochgepumpt. Dann wird es zum Heizen oder Kühlen in die Energiezentrale geleitet. Schließlich wird es über vier sogenannte Infiltrationsbrunnen wieder ins Erdreich zurückgegeben. Dabei müssen die Klinikverantwortlichen darauf achten, dass sie das Wasser danach nicht zu stark aufgewärmt ins Grundwasser zurückgeben. Denn bei Temperaturen von über 20 Grad verändern sich die Mikroorganismen im Wasser. Und: Das Klinikgelände liegt im Einzugsgebiet der Trinkwasserversorgung.
Nach dem Angriff der Ukraine wurde von Gas auf Erdwärme umgestellt
Ursprünglich sah das Heizkonzept der Klinik ganz anders aus. Der Rohbau der klinikeigenen Energiezentrale war schon fertiggestellt, als der russische Angriff auf die Ukraine und die Gaskrise kam. Der Lörracher Kreistag strich daraufhin das geplante Gasblockheizkraftwerk und entschied sich für die neue Lösung ohne Gas. So stehen in der Energiezentrale nun sechs Wärmepumpen.
Die Investition wird sich langfristig rechnen.
Der stellvertretende Bauleiter Michael Rimmele ist sich sicher, dass sich das Konzept langfristig rechnen wird. Die Klinik sei so unabhängig vom Gaspreis und werde für die Wärmepumpen grünen Strom einkaufen. Über Photovoltaikanlagen auf den Dächern kann die Zentralklinik nur einen kleinen Teil ihres Strombedarfs - nämlich fünf Prozent - selbst abdecken.
Sollte es zu einem längeren Stromausfall kommen, der nicht mehr von der Notstromanlage aufgefangen werden kann, würde auch die Heizung ausfallen. Denn die Wärmepumpen brauchen Strom. Deshalb gibt es bei Heizung noch die Möglichkeit, auf drei Gaskessel zurückzugreifen. Sollte das nicht möglich sein, gibt es im Notfall einen Tank mit Heizöl.