In der Gemeinde Wutach (Kreis Waldshut) wächst der Druck auf Bürgermeister Alexander Pfliegensdörfer (parteilos). Eine Bürgerinitiative hat 640 Unterschriften für seinen Rücktritt gesammelt. Das sind etwa zwei Drittel der Wahlberechtigten in Wutach. Zum Vergleich: Mit 387 Stimmen war Pfliegensdörfer 2023 ins Amt gewählt worden. Derzeit nimmt der Bürgermeister Elternzeit.
Mehrheit der Wahlberechtigten in Wutach will neuen Bürgermeister
Zwei Drittel aller stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Wutach fordern zeitnah einen neuen Bürgermeister beziehungsweise eine neue Bürgermeisterin. Die Initiative "Zukunft für ein eigenständiges Wutach" mit deren Sprecher, Armin Kienzle, betont den kritischen Zustand der Verwaltung. Derzeit ist sowohl die Leitung des Rechnungsamts sowie des Hauptamts unbesetzt.
Der Streit um die Amtsführung des Bürgermeisters schwelt bereits seit Monaten. Kritik gab es unter anderem daran, dass Pfliegensdörfer vor Beginn seiner Elternzeit nicht zu einem angesetzten Übergabetermin erschienen war. Kommunalaufsicht und Gemeinderat warfen ihm vor, wichtige Fragen zur Organisation der Verwaltung während seiner Abwesenheit offen gelassen zu haben. Der Bürgermeister erklärte dagegen, er sei zu diesem Zeitpunkt krankgeschrieben gewesen und habe eine Liste mit offenen Vorgängen übergeben.
Hunderte Unterschriften in der Gemeinde für Rücktritt gesammelt
Ende November verabschiedete sich der Bürgermeister schließlich zunächst in Gleitzeit und Urlaub und ging anschließend in Elternzeit. Laut Kommunalaufsicht war dabei nicht geregelt, wer die Aufgaben des Bürgermeisters während seiner Abwesenheit übernimmt.
In den Monaten danach wuchs in der Gemeinde der Unmut. "Wir müssen doch etwas tun können", hätten sich viele Bürgerinnen und Bürger gefragt, sagt Initiativensprecher Kienzle. Daraus entstand die Bürgerinitiative, die im März und April innerhalb eines Monats 640 Unterschriften für eine zeitnahe Neuwahl gesammelt hat.
Unser Ziel ist es, etwas zu tun.
Seit Januar diesen Jahres wird die Gemeinde übergangsweise durch den ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Häusern, Thomas Kaiser (FW), vertreten. Für die Gemeinde Wutach ein Glücksfall, denn Kaiser wäre nach 32 Jahren als Bürgermeister in Häusern in diesem Jahr eigentlich in Pension gegangen, so das Landratsamt.
Wutacher Gemeinderat stellt sich einstimmig hinter die Forderung
Auch der Gemeinderat stellt sich einstimmig hinter die Forderung nach einem Rücktritt von Bürgermeister Pfliegensdörfer. Das Vertrauen zwischen Gemeinderat und Rathausspitze sei inzwischen nachhaltig zerrüttet, sagte Bürgermeister-Stellvertreterin Franziska Stritt dem SWR.
Wir sehen keine Zukunft für ein neues Zusammenkommen.
Aus Sicht des Gemeinderats braucht die Gemeinde nun einen Neuanfang. Zu den Rücktrittsforderungen hat sich Pfliegensdörfer laut Stritt bislang nicht gegenüber dem Gemeinderat geäußert. Seit er sich in Elternzeit befinde, habe zwischen dem Gemeinderat und Pfliegensdörfer keine Kommunikation stattgefunden, so Stritt.
Daher ist auch unklar, ob Pfliegensdörfer nach seiner Elternzeit im Sommer wieder ins Rathaus zurückkehren wird, oder ob der Chefsessel im Wutacher Rathaus erneut unbesetzt sein wird. Auf eine Anfrage des SWR zu den Rücktrittsforderungen reagierte der Bürgermeister bislang nicht.