Betriebsbedingte Kündigungen weiter nicht ausgeschlossen

ZF macht im ersten Halbjahr 195 Millionen Euro Verlust

Der kriselnde Autozulieferer ZF Friedrichshafen verstärkt seinen Sparkurs. Am Donnerstag legte das Unternehmen neue Zahlen vor. Kurz zuvor hatten ZF und Betriebsrat mitgeteilt, man suche gemeinsam nach Lösungen für die Pkw-Antriebssparte.

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Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat im ersten Halbjahr 2025 10,3 Prozent weniger Umsatz gemacht als im Vorjahreszeitraum, er sank auf 19,7 Milliarden Euro. Das teilte das Unternehmen vom Bodensee am Donnerstag mit. Grund sei die Ausgliederung des Bereichs Achsmontage in das Gemeinschaftsunternehmen ZF Foxconn.

Zwar habe sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern zwischen Januar und Juni von 780 auf 874 Millionen Euro erhöht. Unterm Strich blieben aber 195 Millionen Euro Verlust. ZF-Finanzvorstand Michael Frick geht davon aus, dass auch am Jahresende rote Zahlen stehen werden.

Personalabbau bei ZF soll weitergehen

"Die global stagnierende Fahrzeugproduktion, der schleppende Hochlauf der Elektromobilität und die Unsicherheit durch die US-Zölle bedeuten geringere Umsätze und steigende Kosten", teilte Vorstandschef Holger Klein mit.

Dem begegnen wir und beschleunigen unser Restrukturierungsprogramm. Damit ist ZF auf einem zwar schwierigen, aber erkennbar richtigen Weg.

Begleitet von Protesten hat der Aufsichtsrat seit Dienstag über die Zukunft des Unternehmens vom Bodensee beraten. ZF schreibt seit Monaten rote Zahlen und kämpft mit großen Verlusten.

Pkw-Antriebssparte von ZF soll neu ausgerichtet werden

Überlegungen des ZF-Vorstands, den Bereich für elektrische und hybride Pkw-Antriebe, die sogenannte "Division E", mit ihren weltweit 28.000 Beschäftigten auszugliedern oder gar zu verkaufen, sind seit Mittwochabend aber erst einmal gestoppt.

Die Geschäftsleitung und die Arbeitnehmerseite haben sich überraschend auf ein "Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung" geeinigt. Das bestätigten beide Seiten in ihren Mitteilungen. Gemeinsam wollen sie bis Ende September versuchen, die Antriebsparte neu auszurichten und im Konzern zu halten.

ZF hat bereits mehr als 11.000 Stellen abgebaut

Der zweitgrößte deutsche Autozulieferer hat eigenen Angaben zufolge seit Anfang 2024 weltweit 11.200 Vollzeitstellen abgebaut, davon 5.700 in Deutschland. Zusätzlich seien für weitere 4.700 Vollzeitstellen bereits Altersteilzeitverträge vereinbart worden - oder die Mitarbeiter gingen planmäßig in den Ruhestand. Vorstandschef Klein schloss am Donnerstag weiterhin betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern einen massiven Stellenabbau angekündigt. Rund 14.000 Arbeitsplätze sollen bis 2028 reduziert werden, hieß es damals. Gegen die Sparmaßnahmen und den geplanten Stellenabbau protestierten am Dienstag rund 6.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor der ZF-Zentrale in Friedrichshafen.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
SWR

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