Für Berufsfischer Martin Boesenecker aus Kressbronn (Bodenseekreis) ist es kein Job, sondern Leidenschaft - das Fischen zu jeder Jahreszeit auf dem Bodensee. Außerdem braucht er die Einnahmen als "Zubrot zur kleinen Landwirtschaftsrente", wie er sagt. Er fängt Aal, Egli, Hecht, Schleie, Saibling, Seeforelle, Trüsche, Wels, Wildkarpfen und Zander. Doch es gibt ein Problem: Boesenecker wird in diesem Jahr 70 Jahre alt – die derzeitige Altersgrenze für das auf dem internationalen Gewässer Bodensee nötige Hochseepatent. Also: Schluss mit dem Netze auswerfen? Nicht mit ihm, sagt er.
Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wie lange ich arbeiten darf. Das ist doch Bevormundung.
Nicht nur Martin Boesenecker, sondern viele ältere Berufsfischerinnen und -fischer am Bodensee würden auch mit Ü70 gern weiter ihrem Beruf nachgehen.
Überholte Altersregelung beim Hochseepatent auf dem Bodensee soll weg
Wie viele Berufsfischer den internationalen Bodensee ab 25 Meter Tiefe befischen dürfen, regelt die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF). Laut IBKF ist die Zahl der Hochseepatente in den letzten zehn Jahren um über 50 Prozent zurückgegangen. Derzeit seien 52 Hochsee- und 17 Alters- und Fortbildungspatente ausgegeben. 2015 führte die IBKF die Altersbeschränkung beim Hochseepatent ein. Das sollte die seit Jahren rückläufigen Fangerträge den jüngeren Vollerwerbsfischern überlassen.
Doch am deutschen Bodensee sehen das die älteren Fischer wie Martin Boesenecker kritisch: "Diese Limitierung ist überholt, denn es gibt insgesamt immer weniger Berufsfischer." Deshalb setzen sich sogar jüngere Fischer für die älteren wie Martin Boesenecker und sein Weiterarbeiten ein.
Deutsche Bodenseefischer kämpfen seit Jahren gegen Altersbeschränkung
Anita Koops von der Arbeitsgemeinschaft der Bodenseefischer (ABB) bringt derzeit einen Antrag zur Streichung der Altersbeschränkung bei der IBKF ein. "Denn diese alte Klausel ist nicht mehr zeitgemäß", erklärt sie. Von den derzeit bewilligten Patenten am internationalen Bodensee werden nach ihren Angaben höchstens 50 aktiv genutzt. Gerade deshalb müsse jeder Fischer selbst entscheiden dürfen, wie lange er im Alter arbeiten möchte.
Die Behördenvertreter sind dafür - vor allem in Baden-Württemberg. Dann haben wir aber andere Anrainer wie Österreich und die Schweiz, die haben weniger Fläche auf dem See. Und deshalb sagen die: Je weniger Fischer da unterwegs sind, umso besser ist das für die Verbleibenden.
Bodensee-Anrainerländer müssten Altersgrenze für Berufsfischer gemeinsam kippen
Auch Martin Boesenecker weiß, dass es einen einstimmigen, länderübergreifenden Entscheid aller Bodensee-Anrainer braucht, um die Altersregelung zu kippen. Bislang ist das auch anderen Fischern, zum Beispiel vom bayerischen Bodensee, nicht gelungen.
Jetzt hoffen die deutschen Bodenseefischer auf ein baldiges Ende der "Altersdiskriminierung" - wie sie es nennen. Und dass sie ab 2027 - nach dem Ende des dreijährigen Fangverbots - auch wieder den Brotfisch des Bodensees, den Felchen, weiter auf dem "hohen See" fischen dürfen.