Die Mitglieder des Kreistags waren sich einig: Der Bodenseekreis wird Geld zur Rettung des von der Pleite bedrohten Klinikverbundes Medizin Campus Bodensee beisteuern. Nur wie viel, das steht noch nicht fest.
Vom Tisch ist die ursprünglich vorgesehene finanzielle "Rettungsspritze" von 13 Millionen Euro aus der Kreiskasse. Sie hätte die Hälfte des anfallenden Defizits von insgesamt rund 26 Millionen Euro gedeckt, sei nach der Ankündigung der Stadt Friedrichshafen, für das Klinikum eine Planinsolvenz in Eigenverwaltung anzustreben, aber obsolet geworden, erklärte Landrat Luca Wilhelm Prayon (CDU) nach der Kreistagssitzung gestern Abend dem SWR.
Gleichwohl, so der einstimmig gefasste Beschluss, werde der Bodenseekreis im kommenden Jahr einen "anteiligen finanziellen Beitrag" für die Kliniksanierung zur Verfügung stellen.
Zusammenschluss im OSK Ravensburg soll weiter geprüft werden
Im Kreistag ging es nicht nur um finanzielle Hilfe für den MCB, zur Diskussion stand auch die strukturelle Zukunft des Klinikverbundes. Der Bodenseekreis will, dass ein Zusammenschluss mit dem Klinikverbund Oberschwabenklinik (OSK) im Kreis Ravensburg geprüft wird. Außerdem müsse man im Zuge eines Markterkundungsverfahrens offen bleiben für das Zusammengehen mit weiteren Interessenten.
Stadt Friedrichshafen: "Finanziell zu klamm für Klinik-Rettung"
Bislang liegt die finanzielle Verantwortung für den MCB bei der Stadt Friedrichshafen. Die aber sagt, sie sei finanziell klamm. Den jährlichen Fehlbetrag von mehr als 25 Millionen Euro könne man weder über Mittel der Zeppelin-Stiftung noch über den städtischen Haushalt finanzieren, so Friedrichshafens parteiloser Oberbürgermeister Simon Blümcke Ende vergangener Woche.
Friedrichshafen will, dass Bodenseekreis Träger des MCB wird
Nach einem Friedrichshafener Gemeinderatsbeschluss soll daher die Klinik in die Trägerschaft des Bodenseekreises übergehen. Denn: Laut Landeskrankenhausgesetz sei in erster Linie der jeweilige Landkreis für die Gesundheitsversorgung und damit auch für den Klinikbetrieb zuständig.
Viele Kreisräte fühlen sich von der Stadt Friedrichshafen unter Druck gesetzt. Vertreter der Stadt weisen allerdings immer wieder daraufhin, dass ein Großteil der Patientinnen und Patienten im Klinikum Friedrichshafen von außerhalb der Stadt Friedrichshafen eingeliefert wird.