Es war der zweitwärmste und zweitsonnigste Juni in der Region Bodensee-Oberschwaben seit Beginn der Aufzeichnungen der Wetterwarte Süd 1968. Nur im Jahrhundertsommer 2003 lagen die Temperaturen höher und die Sonne schien öfter.
Hitze mit bis zu 35 Grad habe es in Ravensburg, Leutkirch, im östlichen Kreis Biberach sowie im Hinterland des Bodensees gegeben, so Roland Roth von der Wetterwarte Süd in Bad Schussenried (Kreis Biberach) auf SWR-Anfrage. An sieben Tagen stiegen die Temperaturen über die Hitzemarke von 30 Grad. Im langjährigen Mittel sei der Monat Juni mit durchschnittlich 20,3 Grad um dreieinhalb Grad zu warm gewesen.
Trockenheit sorgt für niedrige Wasserstände und ausgedörrte Böden
Das bestimmende Thema dieser Tage ist laut Roth die Trockenheit. Im Juni fehlte der Regen. Es fielen nur etwa drei Viertel der normalen Regenmenge. Hinzu kamen eine geringe Luftfeuchtigkeit, ein beinahe permanent wehender, austrocknender Wind und intensive Sonnenstrahlung. Bäche und Flüsse führten teils extremes Niedrigwasser.
Ende Juni lag der Bodenseepegel nur noch wenige Zentimeter über dem historischen Tiefststand für diese Jahreszeit. Gegen die ausgedörrten Böden können laut Wetterexperte Roth nur mehrere Tage Landregen helfen. Bei Starkregen würde das Wasser oberflächlich abfließen.
Klima in der Region Bodensee-Oberschwaben verändert sich
Der Klimawandel sei nicht zu leugnen, sagt Roland Roth: Im Allgäu herrsche ein Klima wie vor 30 Jahren am Bodensee. Am Bodensee sei das Wetter jetzt wie früher im Breisgau, der wärmsten Ecke Deutschlands. Und dort herrsche jetzt ein Klima wie in Norditalien.
Roth, der seit 40 Jahren Vorträge zum Thema Klima hält, ist angesichts der Entwicklung frustriert: "Über 1.000 Vorträge und nichts geschieht!" Er trage sich mit dem Gedanken, die Vorträge einzustellen. Er habe das Gefühl, die Gesellschaft wolle nur noch bespaßt werden, anstatt sich mit ernsten Themen wie dem Klimawandel zu beschäftigen.