In seinem neusten Buch fordert Kardinal Walter Kasper aus Wangen im Kreis Ravensburg eine Reform der katholischen Kirche. Es gebe gute theologische Gründe für die Zulassung von Frauen zum Amt des sogenannten "Ständige Diakonats". In seinem Buch "Der Wahrheit auf der Spur" hat der 92-Jährige auf rund 200 Seiten zudem seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben.
Frauen in Weiheämtern sind in katholischer Kirche Streitthema
Die Frage der Zulassung von Frauen zu Weiheämtern ist in der katholischen Kirche seit Langem umstritten. Der Vatikan lehnt dies bislang ab. Kasper ist auch für mehr Mitsprache von Bischöfen und Gläubigen bei kirchlichen und theologischen Entscheidungen, der "Synodalität".
Von Wangen im Allgäu bis nach Rom
Kasper wurde 1933 in Heidenheim an der Brenz geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog seine Familie nach Wangen im Allgäu, das Kasper als seine Heimatstadt bezeichnet. Nach Studium und Priesterweihe wurde Kasper mit Anfang 30 als Professor für Theologie an die Universität Münster berufen.
Von 1989 bis 1999 war er Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Anschließend ernannte Papst Johannes Paul II. Kasper zum Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. In diesem Amt war er für die Verständigung mit anderen christlichen Kirchen verantwortlich. Seit dem Ausscheiden aus diesem Amt im Jahr 2010 lebt Kasper weiterhin in Rom.
Blick auf die Weltkirche sei zu sehr von Europa geprägt
In seinem Buch äußert sich Kasper zu mehreren theologischen und kirchenpolitischen Themen. So kritisiert er eine zu stark von Europa geprägte Perspektive auf die Weltkirche. Diese sei im Katholizismus jahrhundertelang dominierend gewesen und müsse dauerhaft überwunden werden.
In der Ökumene, also der Verständigung mit anderen christlichen Konfessionen, dürfe das Ziel keine Einheitskirche sein, sondern eine "versöhnte Verschiedenheit" der verschiedenen Kirchen. Kasper schildert in dem Buch außerdem seine Begegnungen mit bekannten Kirchenvertretern und Theologen wie Karl Rahner und Hans Küng oder den Päpsten Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus I.