Nach elf Jahren Pause ist die Marienschlucht am Bodensee (Kreis Konstanz) wieder zugänglich. Damit hat die Bodenseeregion eine ihrer bekanntesten Natur-Sehenswürdigkeiten wieder zurück. Am ersten Wochenende kommen mehr als 1.000 Besucherinnen und Besucher.
Auslöser für die lange Schließung war ein schweres Unglück im Jahr 2015. Nach anhaltendem Regen kam es zu einem Erdrutsch, bei dem eine Frau ums Leben kam. Ihr Mann konnte sich schwer verletzt retten. Danach blieb die Schlucht aus Sicherheitsgründen gesperrt. Zeitweise war sogar unklar, ob sie jemals wieder geöffnet werden kann.
Die Marienschlucht ist seit dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel. Sie gilt als wichtiger Teil der Region - sowohl für Touristen als auch für Einheimische. Wie es aus der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen heißt, war die Wiedereröffnung ein Kraftakt. Naturschutz, Sicherheit und Finanzierung mussten neu zusammen gedacht werden.
Mehr als vier Millionen Euro seien investiert worden. Beteiligt waren neben dem Land Baden-Württemberg auch die Kommunen Allensbach, Bodman-Ludwigshafen und Konstanz, die das Projekt gemeinsam finanziert haben.
Panoramasteg Marienschlucht: Neuer Wanderweg mit spektakulärer Aussicht
Der Weg durch die Marienschlucht hat sich grundlegend verändert. Früher führte ein schmaler Pfad mit Holzbrücken und Holzstufen direkt am Bach entlang durch die enge Schlucht. Heute erleben Besucherinnen und Besucher die Natur aus einer neuen Perspektive.
Ein moderner Stahlsteg verläuft rund zehn Meter über dem Schluchtboden. "Dieser Panoramasteg, der führt jetzt durch die Schlucht auf einer Höhe von 10 Metern. Er ist oberhalb des Baches und so kann man gesichert durch die Schlucht laufen.", sagte Sandra Domogalla, Leiterin Tourismus der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen, dem SWR.
Der Steg ist etwa 300 Meter lang und umfasst rund 280 Stufen. Fünf Aussichtsplattformen bieten freie Blicke auf den Bodensee und die Landschaft. Das Erlebnis unterscheidet sich deutlich von früher. Statt mitten durch die Schlucht zu gehen, bewegen sich Besucher nun darüber hinweg. Der Boden des Stahlstegs besteht aus einem Gitterrost. So ist der Blick nach unten jederzeit frei - was nicht für jeden angenehm sein mag.
Sicherheit und Naturschutz Marienschlucht: Neues Konzept nach dem Unglück 2015
Ein zentraler Punkt des Projekts war die Sicherheit. Die Marienschlucht liegt am sogenannten Bodanrück. Diese Landschaft zwischen Konstanz und dem Überlinger See ist geologisch in Bewegung. Deshalb gehören Steinschläge und Rutschungen hier zur Natur. Genau das macht das Gebiet so besonders - und gleichzeitig herausfordernd.
Deshalb wurde der neue Steg bewusst aus Stahl gebaut. Außerdem ist die Konstruktion so angelegt, dass sie links und rechts einen gewissen Abstand zu den Felsen hat. Fallen Steine oder Geröll, können sie zwischen Fels und Steg in die Schlucht rutschen.
Gleichzeitig spielt auch der Naturschutz eine wichtige Rolle. "Dieser Stahlsteg ist für die nächsten vielen Jahre sicher da drinnen. Da muss man nichts reparieren. So kommen Flora und Fauna total zur Ruhe in der Schlucht", sagte Domogalla dem SWR. Auch bewegen sich die Besucher nicht mehr direkt im sensiblen Bereich der Schlucht. "Es kehrt Ruhe in die Schlucht ein und man läuft auf dieser Höhe", so Domogalla. Das ist besonders wichtig für geschützte Tierarten. Dazu gehört etwa der Wanderfalke, der in der Nähe der Schlucht brütet.
Am sogenannten Mondfelsen bleibt ein Abschnitt weiterhin gefährdet. Dort sorgen Sensoren und ein Tor dafür, dass der Weg bei Risiko gesperrt wird.
Eröffnung Marienschlucht 2026: Führungen, Einblicke und Natur erleben
Zur Wiedereröffnung ist ein umfangreiches Programm geplant. Der "Tag der offenen Schlucht" am Samstag bietet neben Verpflegung auch Live-Musik. Im Mittelpunkt stehen jedoch Führungen durch Fachleute. Architekten, Projektverantwortliche und der Graf von Bodman geben Einblicke.
Auch der Naturschutzbund informiert vor Ort. Dabei geht es vor allem um Tiere und Pflanzen in der Schlucht. Besucher können so nicht nur die Landschaft erleben. Sie erfahren auch, wie aufwendig die Wiedereröffnung war.
Wie Sandra Domogalla dem SWR sagte, identifizieren sich viele Einheimische mit der Schlucht. Sie sei nicht nur ein Ausflugsziel, sondern Teil der regionalen Identität.
Anreise Marienschlucht Bodensee: Schiff, Wandern und wichtige Tipps
Besonders empfohlen wird die Anreise mit dem Schiff. Zeitgleich mit der Öffnung startet auch die Schifffahrt am Überlinger See. Das Schiff "Großherzog Ludwig" verbindet Orte wie Bodman, Sipplingen und Überlingen direkt mit der Schlucht. Es legt an einem Steg ganz in der Nähe der Schlucht an.
Alternativ gibt es zahlreiche Wanderwege. Sie reichen von einfachen Strecken bis zu anspruchsvolleren Touren. Ein beliebter Weg führt von Bodman zur Schlucht. Er ist etwa sieben Kilometer lang und verläuft flach am Wasser entlang. Auch für Familien ist diese Strecke gut geeignet. Unterwegs informieren Tafeln über Natur und Geschichte. Wer mit dem Auto kommt, sollte umplanen. Direkt an der Schlucht gibt es nur wenige Parkplätze.