Neuer Krankenhausbetreiber

Klinikum Friedrichshafen vor AMEOS-Übernahme: Kritik, Pläne und offene Fragen

In Friedrichshafen übernimmt die Schweizer Unternehmensgruppe AMEOS das Krankenhaus. Einige Politiker halten die Entscheidung für falsch. Auch andernorts steht AMEOS in der Kritik.

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Von Autor/in Thomas Wagner

Der insolvente Medizin Campus Bodensee mit seinem Krankenhaus in Friedrichshafen soll von der Schweizer AMEOS Gruppe übernommen werden – das hat der Kreistag des Bodenseekreises vor einer Woche beschlossen. Er erhofft sich davon eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für den künftigen Klinikbetrieb. Die Gruppe betreibt deutschlandweit mehr als 30 Gesundheitseinrichtungen. An manchen AMEOS-Standorten gibt es Kritik an Arbeitsbedingungen sowie Rechtsstreitigkeiten.

Warendorf: Streit um Arbeitsbedingungen nach AMEOS-Übernahme

In Warendorf in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel hatte AMEOS im Herbst vergangenen Jahres das insolvente Josephs-Hospital mit rund 950 Beschäftigten übernommen. Doch dann gab es Streit mit dem Betriebsrat, weil dieser eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen befürchtete. Nach einem WDR-Bericht im März sollen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neue Arbeitsverträge mit schlechteren Konditionen unterschrieben haben. Einige Beschäftigte seien dabei nach WDR-Informationen unter Druck gesetzt worden. AMEOS selbst bestreitet das.

Zweimal klagte der Betriebsrat in Warendorf gegen AMEOS - allerdings ohne Erfolg. Schließlich habe er seinen juristischen Kampf aufgegeben, hieß es Ende April in der Tageszeitung "Die Glocke".

AMEOS bestreitet Vorwürfe aus Warendorf

Auch auf Nachfrage des SWR wies die AMEOS-Sprecherin die Kritik im Zusammenhang mit der Übernahme des Josephs-Hospitals in Warendorf zurück. In einer schriftlichen Stellungnahme von AMEOS heißt es: "Bei einem Betriebsübergang können gar keine neuen Arbeitsverträge abgeschlossen werden, denn die bestehenden gehen - nebst allen Bestandteilen - über." AMEOS habe "in jeder Beziehung" gesetzeskonform gehandelt. Und die Klagen des Betriebsrates am Standort Warendorf seien von den Gerichten als "falsch und unzutreffend" abgewiesen worden, so AMEOS.

Sachsen-Anhalt: Kaufpreis-Streit um Salzlandkliniken

Aktuell steht AMEOS in Sachsen-Anhalt in der Kritik. Dort hatte die Schweizer Unternehmensgruppe vor 14 Jahren die Salzlandkliniken im Salzland-Kreis übernommen. Wie der MDR am 15. Mai 2026 berichtete, gibt es bis heute Streitigkeiten über die Zahlung des Kaufpreises. Der Salzlandkreis fordert demnach 6,3 Millionen Euro von AMEOS – einen Teil des Kaufpreises, der bis heute nicht bezahlt sein soll. Trotz eines gerichtlichen Erfolges des Salzlandkreises vor dem Bundesgerichtshof habe AMEOS den ausstehenden Betrag noch nicht überwiesen, heißt es beim MDR.

Zu diesem Sachverhalt hat der SWR ebenfalls bei AMEOS nachgefragt, aber keine Antwort bekommen.

Offene Fragen zur Zukunft der Beschäftigten in Friedrichshafen

Wie wird sich die Übernahme des Klinikums in Friedrichshafen auf die Arbeitsbedingungen dort auswirken? Auf die Frage des SWR, welche Vorteile sich für die Beschäftigten in Friedrichshafen durch die AMEOS-Übernahme ergeben, gab es von der Unternehmenssprecherin ebenfalls keine Antwort.

Sie äußerte sich auch nicht auf Nachfrage zu den Sorgen einiger Kreistagspolitiker. Der SPD-Fraktionschef Dieter Stauber und Sander Frank von der Partei "Die Linke" im Bodenseekreis hatten in der entscheidenden Kreistagssitzung die Befürchtung geäußert, dass sich die Arbeitsbedingungen am Klinikum Friedrichshafen nach der Übernahme verschlechtern könnten.

DGB und ver.di sehen Privatisierung mit Sorge

Auch der DGB-Kreisverband Bodensee-Oberschwaben und ver.di kritisieren in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Privatisierung des Klinikums durch den Kreistag. Die Gewerkschaften fürchten Nachteile für die Beschäftigten. "Wer bislang kommunal beschäftigt war, darf durch einen Trägerwechsel keine Verschlechterung bei Lohn, Arbeitszeit, Altersvorsorge oder Arbeitsbedingungen erleben", so Ernst Deuer, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Bodensee Oberschwaben. Gute Gesundheitsversorgung funktioniere nur mit guten Arbeitsbedingungen.

Was AMEOS in Friedrichshafen plant

Das Klinikum Friedrichshafen soll laut AMEOS als Level-II-Krankenhaus erhalten bleiben und in die eigens dafür gegründete "AMEOS Krankenhausgesellschaft Friedrichshafen" überführt werden. Die bisherigen Leistungen sollen bestehen bleiben und ausgebaut werden. Geplant sind rund 340 Betten. Ein Level-II-Krankenhaus bietet Leistungen über die Grundversorgung hinaus an und verfügt über spezialisierte Abteilungen, wie beispielsweise Kardiologie oder Neurologie.

Die Krankenhausgesellschaft sei, heißt es in einer früheren Stellungnahme von AMEOS, nicht kommerziell aufgestellt, sondern gemeinnützig. Dadurch könnten, so AMEOS, im Rahmen von Leistungs- und Versorgungsverträgen auch Zahlungen der Friedrichshafener Zeppelin-Stiftung an AMEOS zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung erfolgen.

Zahlungen der Zeppelin-Stiftung sind an die Gemeinnützigkeit des Empfängers gekoppelt. Vor dem Gemeinderat hatte Friedrichshafens Oberbürgermeister Simon Blümcke (parteilos) kürzlich aber betont, dies sei bei AMEOS nicht der Fall.

Wer ist AMEOS?

AMEOS zählt mit rund 19.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach eigenen Angaben zu den "wichtigen Gesundheitsversorgern" im deutschsprachigen Raum. Die Unternehmensgruppe wurde 2002 gegründet und unterhält 108 Gesundheitseinrichtungen an 61 Standorten mit mehr als 11.000 Betten. Alle finanziellen Überschüsse, die aus der Geschäftstätigkeit erzielt werden, investiere man wieder im Unternehmen, schreibt AMEOS auf seiner Homepage.

Vorstandschef ist der Mitbegründer und Mediziner Dr. Axel Paeger, der laut Medienberichten auch die Mehrheit an der Unternehmensgruppe hält. Die Bilanzsumme der AMEOS Gruppe beträgt nach eigenen Angaben rund 1,2 Milliarden Euro.

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Autor/in
Thomas Wagner
SWR-Redakteur Thomas Wagner Autor Bild

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