Viele Seglerinnen und Segler am Bodensee mussten dieses Jahr ihre Boote früher aus dem Hafen holen. Grund ist der niedrige Bodenseepegel, der durch die anhaltende Trockenheit auch im September weiter gesunken ist.
Laut Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg bleibt der Wasserstand in den nächsten Tagen konstant, in den kommenden Wochen sei mit einem Rückgang zu rechnen. Im Herbst sinke der Bodenseepegel üblicherweise, weil weniger Wasser aus den alpinen Zuflüssen in den See fließe, so Gabriel Fink vom Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg. Der Bodenseepegel ist im Winter normalerweise am niedrigsten.
Hafenmeister am Bodensee blicken mit Sorge auf Trockenheit
Das wirkt sich auch auf die Häfen aus. Der Hafen in Nonnenhorn (Kreis Lindau) muss alle fünf bis sieben Jahre ausgebaggert werden, weil sich dort angeschwemmter Sand ablagert. Extremes Niedrigwasser lasse sich damit aber nicht ausgleichen, sagt Hafenmeister Wolfgang Semmlinger.
Die Sorge ist: Wie wird das die nächsten Jahre weitergehen? Muss man mit dem leben? Was kann man dagegen tun - oder nicht tun?
Wegen des Niedrigwassers wurde in Nonnenhorn auch eine Einhandregatta abgesagt. Für die teilnehmenden Boote mit größerem Tiefgang fehlten geeignete Liegeplätze.
Auch deutlich weniger Gastboote seien gekommen. Die fünf Gastliegeplätze seien im Juli und August normalerweise nahezu durchgehend belegt, dieses Jahr aber nicht. Semmlinger vermutet, viele hätten den Hafen wegen des niedrigen Wasserstandes gemieden.
Tiefgang des Segelboots ist entscheidend am Bodensee
Auch am Westhafen in Hagnau (Bodenseekreis) mussten Boote mit viel Tiefgang schon frühzeitig ausgewassert werden. Für den Segler und Hafenmeister in Hagnau, Klaus Hiestand, war es trotzdem eine "sensationelle Segelsaison". Er habe ein Boot mit einem variablen Tiefgang. Das bedeutet, dass der Kiel unter dem Boot flexibel verändert werden kann. Der Vorteil sei laut Hiestand, dass er mit so einem Boot optimal segeln, gleichzeitig aber auch in fast jeden Hafen einfahren könne.
Als Hafenmeister beobachtet er, dass immer mehr Seglerinnen und Segler am Bodensee auf Boote mit wenig Tiefgang oder variablen Tiefgängen zurückgreifen. Viele würden sich Sorgen machen, wie es die kommenden Jahre mit dem Bodenseepegel weitergeht. Für Hiestand aber seien solche Sommer kein Problem, denn der Westhafen in Hagnau sei für die meisten Boote tief genug. Anders sieht es am alten Hafen in Hagnau aus. Dort liegen einige Boote auf dem Trockenen.
Außergewöhnliche Trockenheit im September
Dieser September sei in Bad Schussenried der trockenste seit Messbeginn 1968 gewesen, sagt Roland Roth von der Wetterwarte Süd. Über das Jahr hinweg fehlten bisher rund 50 Prozent des Niederschlags. Mit Ausnahme des Februars seien alle Monate zu trocken gewesen.
Die intensive Sonnenstrahlung, die geringe Luftfeuchtigkeit und der permanent wehende Wind würden zu dieser außergewöhnlichen Trockenheit führen, so Roth. Der Klimawandel habe da ganz klar einen Einfluss darauf.
Wetterprognosen in die weite Zukunft seien schwierig. Roth gehe aber davon aus, dass in Zukunft im Südwesten im Sommer häufiger Mittelmeerklima herrsche und im Norden Deutschlands mehr tiefdruckbestimmtes Wetter. Nicht jeder Sommer werde so ausfallen wie der diesjährige, betont Roth. Solche extremen Sommer könnten in den kommenden Jahrzehnten aber immer wieder auftreten.