Am Bodensee bauen Landwirte immer öfter auch exotische Obst- und Gemüsesorten an. Auf über 120 Hektar Freilandfläche läuft derzeit die Ernte der Süßkartoffeln in Bio-Qualität - auf der Insel Reichenau, im Hegau und auf dem Bodanrück (Kreis Konstanz). Die Reichenau-Gemüse Genossenschaft erwartet mit rund 4.000 Tonnen eine sehr gute Ernte und eine hervorragende Qualität.
Süßkartoffeln kommen eigentlich aus Mittel- und Südamerika. Indigene Völker hatten sie da schon vor tausenden Jahren angebaut. Mittlerweile sind sie auch am Bodensee angekommen.
Süßkartoffel Anbau in der Bodenseeregion etabliert
Laut Geschäftsführer Johannes Bliestle von der Reichenau-Gemüse Genossenschaft hat sich die Süßkartoffel in der Region als fester Bestandteil des Anbaus etabliert. Durch moderne Lagertechnik könne das Gemüse mittlerweile ganzjährig angeboten werden.
Bio-Erzeuger Benjamin Wagner zum Beispiel baut seit zehn Jahren Süßkartoffeln an und hat sich auf deren Anbau spezialisiert. Die ursprünglich tropische Pflanze erfordere viel Erfahrung, Wissen und Fingerspitzengefühl, sagt er.
Auch international wächst das Interesse an den Exoten vom Bodensee: Erstmals ist die Reichenau-Gemüse Genossenschaft in diesem Jahr mit ihren Süßkartoffeln auf einer Fachmesse in Skandinavien vertreten. Außerdem ist 2026 ein Themenjahr am Bodensee zur Süßkartoffel geplant, um den regionalen Anbau weiter bekannt zu machen.
Landwirte experimentieren mit exotischem Gemüse und Früchten
Doch nicht nur auf der Reichenau werden mittlerweile Obst- und Gemüsesorten angebaut, die ihren Ursprung in südlicheren Gefilden haben. Geänderte klimatische Bedingungen - wie milde Winter und heiße, trockene Sommer - machen es möglich. So wachsen in vielen privaten Gärten in der Bodenseeregion und in Oberschwaben mittlerweile Feigenbäume. Und einige Landwirte experimentieren mit Granatäpfeln, Physalis oder Honig- und Wassermelonen.
Kiwis aus dem Kreis Biberach
Felix Miller hat zum Beispiel auf seinem Biohof in Steinhausen im Kreis Biberach in diesem Jahr auch Kiwis angebaut. Das habe nicht so gut geklappt, was aber an den Pflanzen lag, sagt Miller. Im nächsten Jahr wolle er es wieder versuchen. Miller rechnet damit, dass sich wegen des Klimawandels sicher noch andere Obst- und Gemüsearten in der Bodenseeregion etablieren werden.