Bei Seepferdchen läuft alles anders. Nicht die Mütter, sondern die Väter werden schwanger. Das Weibchen legt seine Eier in eine Bruttasche am Bauch des Männchens. Dort wachsen die kleinen Seepferdchen heran, bis sie geboren werden. Ein Team der Universität Konstanz hat nun entschlüsselt, wie diese ungewöhnliche Schwangerschaft möglich ist.
Wie Hormone Seepferdchen-Papas in der Schwangerschaft helfen
Die Forschenden fanden heraus: Die Schwangerschaft der Seepferdchen-Männchen wird nicht durch weibliche Hormone, sondern durch männliche Hormone, sogenannte Androgene, gesteuert. Diese wirkten ähnlich wie Testosteron.
Die Hormone lassen eine Bruttasche entstehen, so die Uni Konstanz, die fast wie eine Plazenta bei Säugetieren funktioniert. Sie versorgt die Babys mit Nährstoffen und Sauerstoff und schützt sie davor, dass das Immunsystem des Vaters sie abstößt. Man könnte sagen: Das Seepferdchen-Männchen hat eine Mini-Gebärmutter - eine, die nur im Meer vorkommt.
Evolution: Wenn Väter die Mütter ersetzen
In der Regel tragen in der Tierwelt die Weibchen ihren Nachwuchs im Körper. Doch die Seepferdchen zeigten, dass Evolution viele Wege findet. Die Forschenden entdeckten, dass das männliche Immunsystem die Babys nicht als fremd erkennt. So könne der Körper sie austragen, ohne sie abzuwehren.
Das mache die Seepferdchen zu einem besonderen Beispiel dafür, wie sich Leben im Laufe der Zeit verändere.
Seepferdchen-Forschung der Uni Konstanz: Blick in die Evolution
Das Team um Evolutionsbiologe Axel Meyer von der Universität Konstanz arbeitet seit Jahren an der Erforschung von Seepferdchen. In Zusammenarbeit mit Forschenden aus China, Kiel und Harvard untersuchten sie, wie sich Lebendgeburten in der Evolution entwickelt haben.