Neue Studie mit überraschenden Erkenntnissen

Todeszone Straßenlaterne: Warum Licht für Felchen im Bodensee sowohl Segen als auch Gefahr ist

Wie finden winzige Blaufelchenlarven im Bodensee ihren Weg in sichere Uferbereiche? Sie folgen grün-gelbem Licht, so eine neue Studie. Doch das kann auch zur Gefahr werden.

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Von Autor/in Dirk Polzin

Sie sind winzig klein, wenn sie schlüpfen und ein Leckerbissen für Raubfische: Larven von Blaufelchen. Deshalb schwimmen sie kurz nach der Geburt in flache Uferbereiche, wo sie Nahrung und Schutz finden. Aber wie finden sie im Bodensee den Weg dorthin? Sie werden vom grün-gelben Licht der Uferbereiche angelockt, so das Ergebnis einer neuen Studie der Fischereiforschungsstelle Langenargen (Bodenseekreis) und der Universität Konstanz.

Grün-gelbes Licht lockt Felchenlarven im Bodensee in ihr "Kinderzimmer"

Der Uni zufolge hatten die Forschenden junge Blaufelchen in einen labyrinthartigen Wasserbehälter gesetzt und an mehreren Stellen Lampen angebracht, die in unterschiedliche Lichtfarben strahlten. Das Ergebnis: Die kleinen Felchenlarven schwammen vor allem in Richtung der grünen und gelben Lichtquellen. Auf den Bodensee übertragen bedeutet das: Die Jungfische schwimmen, wenn es hell ist, genau zu solchen Lichtquellen. Und das sind die flachen Uferbereiche, die sozusagen als ihre Kinderstube dienen.

Klare Richtung: In dem Versuchsaufbau der Forschenden schwimmen die Fischlarven mit deutlicher Vorliebe zur gelben Lampe.
Klare Richtung: In dem Versuchsaufbau der Forschenden schwimmen die Fischlarven mit deutlicher Vorliebe zur gelben Lampe. Fischereiforschungsstelle/Roberts

Was die Studie auch herausfand: Mit fortschreitendem Alter nimmt diese Anziehung durch Licht wieder ab - ein Mechanismus, der die Jungfische in tiefere Bereiche des Gewässers lenkt. Erhöhe sich allerdings die Wassertemperatur, etwa durch den Klimawandel, dann werde der Mechanismus gestört. Die Larven drohten, ihre geschützte Kinderstube früher zu verlassen und könnten dann schnell Fressfeinden zum Opfer fallen, so die Forschenden.

Künstliches Licht: Straßenlaternen können Larven in den Tod locken

Dasselbe gelte für künstliches Licht in der Nacht, etwa von Straßenlaternen. Das Licht lockt die Larven von den geschützten Stellen weg und bewirkt, dass sie sich wie Motten nahe einer Laterne tummeln - und so ein gefundenes Fressen für Raubfische werden. Zudem störe künstliches Licht den Tag-Nacht-Rhythmus der Fische, warnt Alexander Brinker von der Fischereiforschungsstelle Langenargen.

"Derzeit ist dieser Effekt im Bodensee vermutlich noch von begrenzter Bedeutung“, sagt Brinker. Mit dem fortschreitenden Klimawandel - insbesondere häufigeren Hitzewellen - könne sich das Zusammenspiel aus Temperaturstress und Lichtverschmutzung aber zu einem ernstzunehmenden Problem entwickeln. Die gute Nachricht: In Sachen Lichtverschmutzung gebe es eine schnelle Abhilfe. Bei der Uferbeleuchtung müsste einfach auf grün-gelbes Licht verzichtet werden.

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Dirk Polzin
SWR-Redakteur Dirk Polzin Autor Bild

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