1,5 Milliarden Euro zum Schuldenabbau

ZF Friedrichshafen verkauft Fahrassistenz-Sparte an Harman International

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen verkauft sein Geschäft mit Fahrassistenzsystemen. Das Unternehmen Harman International übernimmt die Sparte für 1,5 Milliarden Euro.

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Von Autor/in Florian Peking

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen verkauft sein Geschäft mit Fahrassistenzsystemen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Das US-amerikanische Unternehmen Harman International übernimmt die Sparte für 1,5 Milliarden Euro. Harman International ist eine Tochter des südkoreanischen Tech-Konzerns Samsung.

Verkauf von ZF-Sparte: Erlöse helfen beim Schuldenabbau

Der Verkauf der Sparte sei ein wichtiger Meilenstein in der strategischen Neuausrichtung des Konzerns, sagte ZF-Vorstandschef Mathias Miedreich. Mit den Erlösen will das Stiftungsunternehmen mit Sitz in Friedrichshafen am Bodensee Schulden abbauen. Diese beliefen sich, vor allem durch Zukäufe aus der Vergangenheit, zuletzt auf knapp elf Milliarden Euro.

Mathias Miedreich, Vorstandschef von ZF (von links), Young Sohn, Chef von Harman, und Christian Sobottka, CEO des Automobilbereichs von Harman besiegeln den Verkauf der ZF-Sparte.
Mathias Miedreich, Vorstandschef von ZF (von links), Young Sohn, Chef von Harman, und Christian Sobottka, CEO des Automobilbereichs von Harman besiegeln den Verkauf der ZF-Sparte.

Der betroffene Geschäftsbereich ist laut einer Mitteilung unter anderem auf Radare, smarte Kameras und Software für Fahrzeuge spezialisiert. Die Bereiche Elektronik für Fahrwerktechnik und passive Sicherheitstechnik bleiben bei ZF. Ebenso sei das Unternehmen in der Nutzfahrzeugsparte weiter im Bereich Fahrerassistenz und autonomes Fahren tätig.

ZF-Geschäftsbereich hat weltweit knapp 3.800 Mitarbeiter

Betroffen vom Verkauf sind weltweit knapp 3.800 ZF-Mitarbeiter, davon 700 in Deutschland. Sie wechseln nach der Übernahme zu Harman International. Der Verkauf stehe noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen, so ZF.

Laut dem Gesamtbetriebsrat von ZF müssen die Beschäftigten dem Wechsel in die neue Firma erst noch zustimmen. Außerdem haben die Arbeitnehmervertreter mit Harman International ein Eckpunktepapier erarbeitet, wie ein Sprecher des Betriebsrats dem SWR sagte.

In dem Papier ist unter anderem festgelegt, dass in der neuen Firma die Tarifbindung bleibt und es keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll. Auch die bestehenden Standorte sollen erhalten bleiben.

Branchenexperte: Verkauf ist ein "Win-Win-Deal"

Aus Sicht des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer ist der Verkauf der Sparte ein "Win-Win-Deal" für beide Seiten. Die Samsung-Tochter Harman verstärke sich mit der Übernahme in einem wachstumsstarken Geschäftsfeld, sagte Dudenhöffer dem SWR.

Für den ZF-Konzern sei es ein wichtiger weiterer Schritt zur Entschuldung. "Für die Mitarbeiter in Koblenz dürfte das das eine schöne Geschichte werden, denn Samsung ist ein großer Konzern, der sehr langfristig plant und agiert", so Dudenhöffer.

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Florian Peking
SWR-Redakteur Florian Peking Autor Bild

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