Dorfbewohner ergreifen Eigeninitiative gegen Unterversorgung

"Euphorie im Ort" - Boxtal baut sich seinen Dorfladen selbst

In Freudenberg-Boxtal entsteht ein Dorfladen in Eigenregie. Am Neubau mitten im Ort packen alle Generationen mit an. Mit dem Zukunftsprojekt geht ein Ruck durch das Dorf.

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Von Autor/in Rosi Düll

Mit einem neuen Dorfladen in Freudenberg-Boxtal (Main-Tauber-Kreis) soll Einkaufen vor Ort wieder möglich sein. Dabei geht es nicht nur um die Nahversorgung. Der kleine Supermarkt mit regionaler Frischetheke, Café, Terrasse und angrenzendem Spielplatz soll gleichzeitig ein Begegnungsort in dem 550 Einwohner zählenden Dorf werden. Viele Freiwillige arbeiten auf der Baustelle mit, weil es für sie ein "Herzensprojekt" ist. Im kommenden Herbst ist die Eröffnung geplant.

Kein Bäcker mehr, kein Metzger: Jetzt braucht es den Dorfladen

Gasthaus, Kirche, Kindergarten, einige Vereine - viel mehr hat Boxtal nicht zu bieten. Nachdem vor Jahren Bäcker und Metzger dicht gemacht hatten, beschlossen die Boxtalerinnen und Boxtaler, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Eine Unternehmergesellschaft wurde gegründet, daran finanziell beteiligt sind mehr als 200 stille Gesellschafter. "Damit hat das Projekt Rückhalt in der Bevölkerung", sagt Klaus Böxler, Geschäftsführer und einer von drei Gesellschaftern.

Wir können doch nicht warten, bis uns einer hilft. Da müssen wir selbst aktiv werden.

Der eigentliche Startschuss für den Dorfladen fiel mit dem Zuschuss aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum. 200.000 Euro wurden bewilligt. Dazu kamen Gelder von Stadt und privaten Darlehensgebern. 630.000 Euro sind für den Bau veranschlagt, für den in der Dorfmitte ein Grundstück gekauft wurde.

Dorfladen Boxtal
Aktuell läuft der Innenausbau des zukünftigen Dorfladens.

Dorfladen gibt dem kleinen Ort einen Schub

Direkt an der Durchgangsstraße laufen seit Wochen die Arbeiten an dem 250 Quadratmeter großen Holz-Neubau. Das kleine geschmückte Bäumchen auf dem Dach erinnert noch an das Richtfest. Mit einem Kran werden schwere Photovoltaik-Module nach oben gehievt. Drinnen kreischt die Kreissäge.

"Ich bin richtig begeistert, wie viele sich hier einbringen, mit Muskelkraft vor Ort sind," strahlt Ortsvorsteher und Mitgesellschafter Rolf Döhner. Der Dorfladen gebe Boxtal regelrecht "einen Schub". Die Kombination aus Fachfirmen und Eigenleistung spart nicht nur Kosten, sondern fördert auch den Gemeinschaftssinn.

Viele sind mit Herzblut dabei

Weit über 2.000 ehrenamtliche Stunden werden es am Ende sein - allein auf der Baustelle. Hinzu kommen viele Besprechungen und Planung in unterschiedlichen Arbeitskreisen. Es fließe sehr viel Freizeit in das Projekt, aber "die Bürger danken es einem", ist Mario Eckert überzeugt. Er gehört zum dreiköpfigen Gesellschafter-Team. Der 37-Jährige spricht von einer "Euphorie im Ort", seit sich auf der Baustelle was tut.

Auch Ines und Detlef Stephan haben das Dorfladen-Projekt von Beginn an unterstützt. "Wo andere sagen, das wird nichts, das fordert mich besonders heraus," sagt die Malerin, die seit fast zwei Jahren alte Regale für den Laden abschleift und neu lackiert. Beide sind mit Herzblut dabei, "weil es ja für alle ist".

Urlaub gestrichen - Baustelle hat Priorität

Im Hintergrund laufen längst Gespräche mit Lieferanten und möglichem Personal. Ein Stamm von bis zu zehn Mitarbeitenden werde gebraucht, dazu viele Ehrenamtliche. An der Theke mit frischen regionalen Back- und Wurstwaren sollen die Kunden bedient werden. "Wir wollen, dass man im Dorfladen ins Gespräch kommt, dass es ein echter Ort der Begegnung wird", erklärt Klaus Böxler. Deshalb habe man sich ganz bewusst gegen einen Einkaufsmarkt mit Automaten entschieden.

Ein Laden bringt Leben ins Dorf, davon sind die Boxtaler überzeugt. Für Dominik Farrenkopf, der in vielen Vereinen aktiv ist, ist das Dorfladen-Projekt ein weiterer Beweis für den guten Zusammenhalt im Ort. Bei Meinrad Eckert bestimmt die Baustelle in diesem Jahr sogar die Urlaubsplanung: "Wir bleiben erstmal hier und sehen, dass wir das bis zum Herbst fertig kriegen." Wenn alles planmäßig läuft, sollen die ersten Kundinnen und Kunden spätestens im kommenden November bedient werden.

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Rosi Düll

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