"Leo bringt etwas Ruhe in den Laden"

Ein Jahr nach dem letzten "Urbi et Orbi": Wie sehr prägt Papst Franziskus die Kirche noch?

Papst Franziskus ist seit einem Jahr tot. Doch welche Spuren bleiben und wie gestaltet sein Nachfolger Leo XIV. die Kirche - zwischen Erbe und Neuanfang?

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Von Autor/in Ulrike Schirmer

Ein Jahr ist es her, dass Papst Franziskus gestorben ist - am Ostermontag, nur einen Tag nachdem er an Ostersonntag noch ein letztes Mal den Segen "Urbi et Orbi" gespendet hatte. Es war ein Abschied, der viele bewegte. Seitdem steht mit Papst Leo XIV. ein neuer Mann an der Spitze der katholischen Kirche. Zeit für eine Bilanz aus Heilbronn-Franken: Was ist geblieben vom Pontifikat des Argentiniers? Und schafft sein Nachfolger neue Impulse oder vor allem Stabilität?

Franziskus wirkt nach - vor allem in den Köpfen

Für Pfarrer Manuel Hammer aus Heilbronn ist klar: Franziskus ist nicht verschwunden. "Er ist immer noch sehr prägend für unsere Kirche und im Gedächtnis vieler Menschen", sagte er dem SWR. Vor allem die Art, wie er das Papstamt gelebt hat, wirke nach: Nahbar sei er gewesen, oft spontan und auch mal unkonventionell, "der als waschechter Lateinamerikaner nicht immer so viel Wert auf streng diplomatische Regeln gelegt hat".

So manch ein Kurienmitarbeiter kann unter Leo jetzt vermutlich wieder etwas beruhigter schlafen.

Im Zentrum habe immer seine Botschaft der Barmherzigkeit gestanden, so Hammer. Aber auch politische Akzente hallen bis heute nach: sein Einsatz für Geflüchtete, gegen Armut und für den Schutz der Umwelt.

Wegen ihm seien "diese Themen keine Randthemen mehr, sondern sehr präsent geworden", ergänzt Hannah Ochel aus Massenbachhausen (Kreis Heilbronn), die seit zweieinhalb Jahren in Rom Theologie studiert. Franziskus habe weniger durch harte Reformen Spuren hinterlassen, sondern durch ein "verändertes Bewusstsein", sagt sie.

Reformen angestoßen: Franziskus ließ dennoch Erwartungen unerfüllt

Ganz ohne Kritik fällt die Bilanz allerdings nicht aus. Ochel sieht noch offene Baustellen: etwa bei der Rolle der Frau oder bei Machtstrukturen innerhalb der Kirche. "Da gibt es noch einige unerfüllte Erwartungen", so die 25-Jährige. Und viele Reformprozesse seien zwar gestartet, aber nicht abgeschlossen worden. Der Hohenloher Dekan Ingo Kuhbach nennt vor allem das Stichwort Synodalität, also mehr Beteiligung und Mitsprache in der Kirche. Franziskus habe hier wichtige Prozesse angestoßen, die nun weitergeführt werden müssten.

Der erste Auftritt des Papstes, zu sehen auf einem Fernsehgerät (Archivbil).
Gespannt warteten am 8. Mai 2025 die Menschen an den Fernsehgeräten: Dann stand fest - US-Kardinal Robert Francis Prevost ist der neue Papst.

Und der neue Papst? Papst Leo XIV. setzt andere Akzente. Darin sind sich die drei Theologen einig, auch wenn er inhaltlich an Franziskus anknüpfe. "Er bringt etwas Ruhe in den Laden", sagt Kuhbach. Nach Jahren, in denen es wegen Franziskus auch Spannungen innerhalb der Kirche gegeben habe, wirke Leo ausgleichend. Er orientiere sich stärker an traditionellen Formen, etwa bei Gottesdiensten oder im Auftreten.

Diesen Stilwechsel beobachtet auch Pfarrer Hammer: Leo sei diplomatischer, zurückhaltender, weniger spontan. Gleichzeitig knüpfe er inhaltlich bewusst an Franziskus an - etwa bei sozialen Fragen oder beim Thema Frieden.

Leo XIV. bringt Stilwechsel - auch ohne rote Schuhe

Ein Detail, das hängen bleibt: Auch, wenn Leo insgesamt wieder mehr Wert auf die äußere Form des Papstamtes legt, so trägt er oft kein goldenes, sondern ein schlichtes silbernes Kreuz. Und die traditionell roten Schuhe eines Papstes sucht man bei ihm sowieso vergebens. "Er trägt Schuhe, die er mag und die bequem sind", sagt Kuhbach.

Dennoch hofft Studentin Hannah Ochel, dass Leos erstes Jahr noch eine Art Orientierung war und er jetzt Gas gibt. Er versuche, unterschiedliche Strömungen in der Kirche zusammenzuhalten. Aber bei eher großen, eigenen Akzenten sei er noch viel zu vorsichtig: "Er ist deutlich zurückhaltender und distanzierter."

Es ist vermutlich unfair, nach einem Jahr schon ein endgültiges Urteil zu fällen. Die katholische Kirche ist ja ein eher langsames System.

"Löwe" soll US-Präsidenten Kante zeigen

Veränderungen bräuchten eben Zeit. Aber nicht zu viel Zeit, findet Dekan Ingo Kuhbach, immerhin habe sich der amerikanische Papst seinen Namen "Leo" ja bewusst ausgewählt.

Ich wünsche mir sehr, dass er sich auch als Löwe gegenüber dem US-Präsidenten dann und wann zeigen kann.

Damit spielt Kuhbach auf die Erwartung an, dass Leo in globalen politischen Fragen Haltung zeigt - klar, diplomatisch und selbstbewusst.

Denn für Kuhbach gehört Mut zu den Qualitäten eines Papstes, gerade wenn es um Themen wie Frieden und Gerechtigkeit geht. Oder, zugespitzt gefragt: Reicht das? Oder müsste sich die Kirche mehr "einmischen" angesichts der globalen Krisen? Ob die Antwort daraus aus Rom kommen wird? Darauf hoffen zumindest viele Gläubige - gerade zu Ostern.

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