Lieferservice für Senior*innen

Essen auf Rädern: Wie den geeigneten Anbieter finden?

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Was tun, wenn man nicht mehr ins Restaurant gehen oder selbst kochen kann? Da kann „Essen auf Rädern“ eine Lösung sein. Aber wie kann man den geeigneten Anbieter finden? Worauf sollte man achten?

Susanne Beisel steht vor der Qual der Wahl. Die 75-jährige Ärztin aus Kollnau bei Freiburg im Breisgau ist auf der Suche nach einem Lieferdienst für „Essen auf Rädern“: „Mein Mann, der sein ganzes Leben lang sportlich war und immer mit seinem Fahrrad eingekauft hat, kann das nicht mehr machen, weil er krank ist. Ich muss ihn pflegen und brauche die Zeit für die Pflege. Und deshalb denke ich, ich könnte Zeit sparen für uns beide, indem ich nicht mehr koche, sondern „Essen auf Rädern“ liefern lasse.“

Aber woran erkennt man den geeigneten Lieferdienst? Genau darüber informiert und berät die Verbraucherzentrale Mainz regelmäßig Hilfesuchende. Eine Frage sollte dabei vorab geklärt werden:

Was ist besser: Heiße Mahlzeiten oder Tiefkühlgerichte?

Wer spontan entscheiden will, was auf den Tisch kommt, für den sind die tiefkühlfrischen Menüs das Richtige, erklärt Marlene Bär von der Verbraucherzentrale Mainz. „Gerichte für das Tiefkühlfach haben den Vorteil der Flexibilität. Sie können jeden Tag selbst entscheiden, was und wann gegessen werden soll. Aber dazu braucht man natürlich eine Mikrowelle oder einen Backofen. Dazu muss man auch körperlich in der Lage sein.“

Ein weiterer Vorteil: In der Regel enthält tiefgefrorenes Gemüse mehr Vitamine und Mineralstoffe als das aus Gläsern oder Gemüse, das einige Tage im Kühlschrank lag. Denn gefrorenes Gemüse wird innerhalb weniger Stunden nach der Ernte verarbeitet - schockgefrostet.

Auf diese Weise werden die hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalte bewahrt. Frisches Gemüse dagegen wird geerntet und anschließend zum Markt transportiert. Es kann Tage dauern, bevor es auf dem Esstisch ankommt, weshalb Vitamine verloren gehen können.

Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, auf Vorrat zu kaufen. Dabei gilt zu beachten: Bei vielen Lieferdiensten gibt es eine Mindestabnahmemenge, meist zwischen sieben oder einundzwanzig Mahlzeiten. Deshalb sollte ausreichend Tiefkühl-Lagermöglichkeit vorhanden sein. Ein einfaches Kühlfach reiche oft nicht aus.

Bei heiß gelieferten Mahlzeiten dagegen gibt es klar festgelegte Speisepläne und auf Wunsch eine Lieferung bis auf den Esstisch, weiß Marlene Bär: „Beim Kundenservice sollte man am besten vorab schon klären: Liefert in der Regel derselbe Fahrer? Hat derjenige auch mal Zeit, Fragen zu beantworten oder sogar beim Auspacken zu helfen? Und sehr wichtig: Sind die Mitarbeiter auch nett, freundlich, empathisch, sprechen sie auch mal mit ihrer Kundschaft? Das ist auch von Angehörigen meist die größte Sorge.“

Wo kann man sich informieren?

Informationen über Anbieter bekommt man bei Seniorenbüros der Gemeinden, Wohlfahrtsverbänden und Pflegestützpunkte oder bei der Verbraucherzentrale, so Marlene Bär: „Wenn sie Anbieter suchen, können Sie meist auch Empfehlungen von Freunden oder aus der Familie vertrauen. Und wenn sie dann einen Lieferdienst kontaktieren, dann raten wir dazu, ein Probe-Essen zu vereinbaren. Das haben einige Anbieter sogar kostenlos im Programm.“

Der Umwelt zuliebe sollte man einen Anbieter wählen, der nicht in Alugeschirr oder Einwegkunststoff liefert, sondern auf Mehrweggeschirr setzt.

Außerdem rät die Verbraucherschützerin dazu, ein Erstgespräch mit dem Anbieter zu führen: „Dabei können dann spezielle Anforderungen, Unverträglichkeiten und Wünsche besprochen werden. Zudem sollte man sich die Speisepläne der vergangenen Wochen zeigen lassen und prüfen, wie oft sich Speisen wiederholen. So kann man schon mal prüfen, ob der Speiseplan abwechslungsreich ist. Wenn sich innerhalb von sechs Wochen kein Gericht wiederholt, dann ist der Speiseplan vielseitig und die Chance groß, damit den täglichen Nährstoffbedarf abdecken zu können.

Welche Nährstoffe sollten enthalten sein?

Grundsätzlich gilt: Das Essen sollte gut schmecken und ansprechend aussehen. Um gesund zu bleiben, sollten aber auch die wichtigsten Nährstoffe enthalten sein, das sei besonders für Senioren wichtig, betont Marlene Bär: „Ältere Menschen bewegen sich meist weniger, die Muskelmasse schwindet und der Stoffwechsel verlangsamt sich. Deshalb braucht ein älterer Körper grundsätzlich weniger Essen. Bei sinkendem Energiebedarf muss dann an Fett gespart werden, nicht aber an Kohlenhydraten, Eiweiß und Ballaststoffen. Und der Körper braucht weiterhin gleich viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.“

Für einen gesundheitsfördernden Speiseplan sollte man sich an den zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientieren. Den größten Anteil einer solchen Ernährung sollen pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Vollkorngetreide ausmachen. Vollkorngetreide besitzt im Vergleich zu weißen Mehlen mehr Nährstoffe und hält länger satt. Von Obst und Gemüse dürfen es fünf Portionen pro Tag sein. Sie sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen und sollten daher Bestandteil jeder Mahlzeit sein.

Vorsicht: Tests von Lieferdiensten haben gezeigt, dass die Speisepläne häufig nicht abwechslungsreich waren. Zudem enthielten die Gerichte zu viel Fett und Salz und zu wenig Mineralstoffe und Vitamine.

Die Kennzeichnung der Lebensmittel und der darin enthaltenen Zusatzstoffe war in den meisten Fällen ungenügend, kann aber überlebenswichtig sein, warnt Marlene Bär: „Die Nennung der verwendeten Gemüsearten und Fleischsorten sowie eine klare und leicht auffindbare Kennzeichnung von Allergenen und Alkohol sollte bei allen Anbietern konsequent vorhanden sein. Nicht nur aufgrund gesundheitlicher Gründe wie Allergien oder Medikamenteneinnahme, sondern auch aufgrund religiösen Verzichts auf bestimmte Lebensmittel oder eigenen Vorlieben.“

Wie viel kostet das Essen?

Die Preise unterscheiden sich nach Region und Anbieter. Deshalb sei es sinnvoll zu vergleichen, empfiehlt die Ernährungsexpertin: „Die Preise liegen normalerweise zwischen sieben und fünfzehn Euro pro Mahlzeit. Wichtig ist aber, dass man auf die Menge achtet, also aufs Gewicht. Denn manchmal sieht man den Preis und denkt: Das ist aber günstig. Doch dann sind es nur 300 Gramm. Und manchmal gibt es auch teurere Premium-Menüs oder hohe Wochenend- oder Feiertagszuschläge, da muss man schon genau hinschauen.“

Genau hinschauen sollte man auch bezüglich der Verträge, erklärt Marlene Bär. Manche Lieferdienste bieten keine schriftlichen Vereinbarungen an, das sei oft ein Nachteil: „Wenn sie keinen Vertrag haben, haben sie nicht die Möglichkeit nachzuschauen, was überhaupt vereinbart wurde. In einem Vertrag sind alle Bedingungen festgehalten, das ist einfach ein Stück Sicherheit und man kann in nichts Überraschendes reinschlittern.“ Beim Vertrag sollte man darauf achten, dass man kurzfristig kündigen kann, innerhalb von vier Wochen oder zum Ende jeden Monats.

Grundsätzlich müssen die Kosten für Essen auf Rädern von den Nutzerinnen und Nutzern selbst getragen werden. Bei Pflegefällen oder wenn Eigenkapital oder Rente nicht ausreichen, gibt es auch die Möglichkeit einen Zuschuss zu bekommen. Der Zuschuss kann beim örtlichen Sozialamt beantragt werden.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
SWR