Nach dem Tod eines 12-Jährigen in Niedernhall (Hohenlohekreis) erinnerten Stadt und Kirchengemeinde am Dienstagnachmittag mit einer öffentlichen Gedenkfeier an den Jungen. Er soll Mitte September nach einem Streit von einem 18-Jährigen mit dem Auto angefahren worden sein. Das Kind starb noch auf dem Parkplatz. Schon vor der Trauerfeier waren Menschen in die Stadt mit ihren etwas über 4.000 Einwohnerinnen und Einwohnern gekommen, um ihre Anteilnahme auszudrücken.
Wegbegleiter erinnern in Gedenkfeier an den gestorbenen 12-Jährigen
Pünktlich um 17 Uhr startete der Gottesdienst. Mit Glockengeläut und dem Lied "The King" begann die Zeremonie in der evangelischen Laurentiuskirche. Die Eltern hatten die Musikstücke für die feierliche Veranstaltung im Vorfeld selbst ausgewählt. Am Altar war ein Foto des Verstorbenen aufgebaut, an dem die Trauernden noch einmal Abschied nehmen konnten.
Pfarrer Jakobus Hartmann sprach davon, wie der Junge stets eine Kerze anzündete, wenn er die Kirche besuchte: "Nun zünden genau hier viele Menschen ein Licht für ihn an." Mit einem gemeinsamen Gebet beendete der Pfarrer nach etwa einer Stunde den Gottesdienst. Auch Bürgermeister Achim Beck (parteilos) sprach zu den Teilnehmenden, dankte mehrfach den Rettungskräften und Seelsorgenden für ihren Einsatz. Der Vorfall habe die Stadt in eine Schockstarre versetzt.
Die Stimmung während des Gottesdienstes: ruhig und andächtig. Lehrerin und Schulleiter des Jungen erinnerten an so manchen Kinderstreich. Auch der Kampfsporttrainer des 12-Jährigen erzählte von ihm - und rang immer wieder um Worte.
Sein spitzbübisches Lächeln bleibt unvergessen.
Viele Besucher in Kirche in Niedernhall
Da die Stadt auf einen größeren Ansturm vorbereitet sein wollte, sollte der Gottesdienst zusätzlich auf den Kirchplatz übertragen werden. Die Besucherinnen und Besucher der Gedenkfeier kamen aber alle in der Kirche mit ihren rund 450 Sitzplätzen unter. Das Gotteshaus mit den hellen Holzbänken war voll, gut zwei Dutzend weitere Stühle wurden aufgestellt. Kameras von Medienvertreterinnen und -vertretern filmten zu Beginn der Gedenkveranstaltung mit.
Große Anteilnahme schon vor der Gedenkfeier
Der Tod des Kindes hat die Menschen in Niedernhall tief erschüttert. Auch über die Stadtgrenzen hinaus weckte der Fall große Anteilnahme.
Einen knappen Kilometer von der Kirche entfernt ist ein Supermarkt-Parkplatz zum Ort des Gedenkens geworden. Hier geschah die Tat am 11. September. Die Sprühmarkierungen der Polizei auf dem Asphalt sind nach wie vor sichtbar. Regelmäßig kommen Menschen vorbei, zünden Kerzen an, legen Blumen und Stofftiere nieder - auch am Tag der offiziellen Gedenkfeier.
Menschen kommen zum Ort des Geschehens
Ein Mann aus Braunsbach (Kreis Schwäbisch Hall) ist extra hierher gekommen. Ihn bewegte der Vorfall auch jetzt noch sehr, wie er dem SWR schilderte. Schon mehrmals sei er die knapp 20 Kilometer Strecke nach Niedernhall gefahren, habe eine Kerze für den Jungen angezündet. Auch ein Mann aus Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) war sichtlich berührt: Er hat selbst zwei Kinder, ist im Rettungsdienst aktiv, wie er erzählte. So etwas habe er aber noch nicht erlebt. Eine Frau aus Künzelsau (Hohenlohekreis) weiß, wie es ist, einen Menschen zu verlieren, sagte sie. Sie empfindet großes Mitgefühl für die Mutter.
Gedenken an den 12-Jährigen steht im Vordergrund
Sie alle wollten an diesem Tag für den 12-Jährigen innehalten. Die Verantwortlichen bekräftigten, man wollte mit dem Gottesdienst weniger das Entsetzen über das Geschehene betonen. Im Vordergrund sollte vor allem das Erinnern an den verstorbenen Jungen stehen - und Eltern und Angehörigen Trost zu spenden.
Denn noch immer ist der Vorfall für viele Thema in Niedernhall, auch wenn so langsam der Alltag in die Stadt zurückkehrt, so Bürgermeister Beck. Auch er war am Tag des Gedenkens sichtlich betroffen.
Nach Vorfall in Niedernhall: Tatverdächtiger 18-Jähriger in Untersuchungshaft
Allem voraus ging ein tragischer Vorfall am 11. September: Ein 18-Jähriger soll den Jungen nach einem Streit auf einem Supermarkt-Parkplatz absichtlich mit seinem Auto verfolgt und angefahren haben, so die Polizei. Der Junge starb. Der Tatverdächtige befindet sich in Untersuchungshaft. Er schweigt zu den Vorwürfen.