Erneute Hitzewelle in Baden-Württemberg: Laut Vorhersage des Deutschen Wetterdiensts (DWD) sollen die Temperaturen am Mittwoch und am Donnerstag auf bis zu 38 Grad klettern. Darunter leiden viele Menschen. Sonnenbrand, Sonnenstich und Hitzschlag sind nur drei mögliche Folgen von zu hohen Temperaturen und zu wenig Flüssigkeitsaufnahme.
Das kann vor allem für Kleinkinder oder ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen eine lebensbedrohliche Belastung sein. Einer Studie des Robert Koch-Instituts zufolge starben in den Sommermonaten der Jahre 2023 und 2024 rund 3.100 beziehungsweise 2.800 Menschen in Deutschland durch hohe Temperaturen.
- Sozialverband fordert mehr Schutz
- Aktionsbündnis warnt vor Gesundheitsgefahren
- Wohnungslosenhilfe fordert medizinische und soziale Hilfe
- Hitzebus und Kältestube für Wohnungslose
- Hitzetelefon für Seniorinnen und Senioren
- Hitzeschutzkonzepte in Pflegeeinrichtungen
- Drei Viertel der Kinder und Jugendlichen in BW leiden bei Hitze
- Anderen helfen bei zu viel Hitze
Sozialverband VdK fordert mehr Schutz - besonders für vulnerable Gruppen
Der Sozialverband VdK kritisiert, dass viele Pflegeeinrichtungen in Deutschland nicht ausreichend auf extreme Hitze vorbereitet seien. Laut VdK-Präsidentin Verena Bentele heizen sich vor allem ältere Gebäude ohne Klimaanlage schnell auf und sind daher eine Gefahr. Sie fordert bauliche Maßnahmen und Schulungen für das Personal. Die Stadt Karlsruhe will zum Beispiel mit einem Hitzeaktionsplan in Gebäuden für niedrigere Temperaturen sorgen. Darin vorgesehen ist unter anderem ein baulicher Hitzeschutz in Kitas und Schulen.
Bündnis warnt vor hitzebedingten Gesundheitsgefahren
In einem Aktionsbündnis zum Schutz vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze will die Landesärztekammer gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium und dem DWD mehr Menschen in der Bevölkerung für angemessene Schutzmaßnahmen sensibilisieren. Im Sommer hilft es laut Landesregierung unter anderem, ausreichend Flüssigkeit zu trinken und andere daran zu erinnern, Räume tagsüber mit Jalousien oder Rollläden abzudunkeln sowie hauptsächlich morgens und abends im Freien zu sein.
Wohnungslosenhilfe: Medizinische und soziale Hilfen müssen ausgebaut werden
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fordert dagegen finanzielle Hilfe des Bundes, um Obdachlose besser vor Hitze zu schützen. Der nationale Hitzeschutzplan liste wohnungslose Menschen als besonders gefährdete Gruppe, beinhalte aber nur unverbindliche Empfehlungen und keine konkreten Umsetzungen. Neben einer sicheren Anbindung obdachloser Menschen an medizinische Versorgung brauche es kostenfreien Zugang zu Wasser, Schatten, Duschmöglichkeiten und kühle Rückzugsräume sowie immer zugängliche Notunterkünfte, so Geschäftsführerin Sabine Bösing.
Wie das Sozialministerium Baden-Württemberg auf Anfrage im Juli mitteilte, sind aktuell rund 93.000 Menschen im Land wohnungslos und in einer staatlichen Unterbringung untergekommen. Die Dunkelziffer der Menschen, die nicht erfasst werden, kann deutlich höher liegen. Gut ein Drittel der erfassten Wohnungslosen ist unter 18 Jahre alt.
Hilfe für Obdachlose: Hitzebus und Kältestube
In Stuttgart gibt es Anlaufstellen für Wohnungslose in der Hitze: So soll die Kältestube der Evangelischen Gesellschaft im Sommer ein Rückzugsort zum Abkühlen sein. Obdachlose bekommen dort Trinkwasser, können duschen oder ein paar Stunden in klimatisierten Räumen schlafen. Insgesamt gebe es vier solcher Stätten in Stuttgart, in denen obdachlose Menschen im Sommer herunterkühlen können, so die Evangelische Gesellschaft.
Seit drei Jahren fährt außerdem ein sogenannter "Hitzebus" vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Stationen in Stuttgart ab und bietet wohnungslosen und hilfsbedürftigen Menschen Trinkwasser und Sonnenschutz an. Der Hitzebus ist laut DRK zurzeit sehr gefragt. Seit einem Jahr ist auch in Freiburg in den heißen Monaten ein DRK-Hitzebus in der Innenstadt unterwegs, um schnelle und unkomplizierte Hilfe bei Hitze zu leisten.
Freiburg: Hitzetelefon für Seniorinnen und Senioren
Und auch für Seniorinnen und Senioren in Freiburg gibt es Hilfe bei Hitze. In einem Pilotprojekt haben Mitarbeitende des Hausnotrufs im vergangenen Jahr älteren Menschen regelmäßig per Telefon Tipps gegeben, wie sie sich bei den heißen Temperaturen verhalten sollen. Auch in diesem Jahr soll es das Projekt Hitzetelefon wieder geben.
Hitzeschutzmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen
Die Stiftung Liebenau mit Sitz in Meckenbeuren (Bodenseekreis) hat nach eigenen Angaben ein Hitzeschutzkonzept für ihre Alten- und Pflegehäuser ausgearbeitet. Es sieht zum Beispiel Stationen mit Getränken vor, die Bewohnerinnen und Bewohner zum Trinken anregen sollen. Räume würden tagsüber verdunkelt, in den Außenbereichen sollen Sonnenschirme und Markisen Schatten spenden. Gelüftet werde nur morgens und über Nacht. Während der Mittagsstunden blieben die Fenster geschlossen, um die kühle Luft in den Räumen zu halten.
Vorzubeugen sei wichtig, so die Stiftung. Und sie warnt: Ab dem dritten Hitzetag stiegen die gesundheitlichen Risiken für gefährdete Gruppen wie ältere Menschen an.
Solche Hitzeschutzkonzepte setzen auch andere Pflegeheim-Betreiber um, so zum Beispiel die Evangelische Heimstiftung in ihrem Königin Paulinenstift Pflegeheim in Friedrichshafen. Hier gibt es ebenfalls Getränkestationen, außerdem wärmeabweisende Jalousien, Klimageräte und UV-Schutzfolien, die laut dem Hausdirektor für kühle Räume sorgen und so die Bewohnerinnen und Bewohner schützen sollen.
DAK-Report: Drei Viertel der Kinder und Jugendlichen in BW leiden bei Hitze
Aber nicht nur ältere Menschen sind betroffen. Eine Untersuchung der Krankenkasse DAK hat ergeben, dass knapp drei Viertel der Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg bei Hitze leiden. Zu den häufigen Beschwerden zählen Schlafprobleme, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Nach Angaben der Krankenkasse steigt bei 30 Grad das Risiko für Kinder, behandlungsbedürftige Hitzeschäden wie Sonnenstiche, Krämpfe oder Erschöpfungssymptome zu erleiden, um das siebenfache. Bereits ab 25 Grad ließen sich negative Auswirkungen auf die Gesundheit nachweisen.
Klimaschutzbeauftragter: Mitarbeitende in Kitas und Schulen müssen geschult werden
Der Klimaschutzbeauftragte der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Robin Maitra, warnt auf der Internetseite der Landesregierung außerdem vor Hitze und direkter Sonneneinstrahlung bei Babys und Kindern. Sie könnten noch nicht ausreichend schwitzen und hätten eine empfindliche Haut. Beim Spielen im Freien, so Maitra, könnten sie auch nicht selbst einschätzen, wann sie eine Pause brauchten.
Es ist wichtig, dass auch Mitarbeitende und Verantwortliche in Kitas und Schulen sensibilisiert werden und Schutzmaßnahmen ergreifen können.
Neben Aufklärungsarbeit der Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg seien deshalb gut informierte Mitarbeitende in Kitas und Schulen wichtig. Nur so könnten sie selbst im Notfall Schutzmaßnahmen ergreifen
Was wir bei Hitze für andere tun können
Die Ärztekammer Baden-Württemberg empfiehlt den Bürgerinnen und Bürger, Schutzmaßnahmen nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere zu ergreifen. Wer möchte, könnte also für andere einkaufen gehen, einen Sitzplatz im Bus oder in der Bahn freimachen oder eine Extraportion Wasser verschenken. Auf Instagram haben wir außerdem weitere Tipps zusammengestellt: