Die erste Hitzewelle des Jahres hat das Land vor Herausforderungen gestellt. Die Rettungsdienste meldeten einen deutlichen Anstieg von Einsätzen. Die Notaufnahmen waren überfüllt, und nicht immer ist es glimpflich abgelaufen - die Hitze hat auch Todesopfer gefordert.
Doch einen direkten Zusammenhang herzustellen, ist gar nicht so einfach. Nur in wenigen Fällen kann der Tod durch Hitzeeinwirkung eindeutig festgestellt werden - der Hitzschlag ist die Ausnahme. Laut dem baden-württembergischen Gesundheitsministerium führt in den meisten Fällen "die Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen zum Tod".
Extreme Hitze mit mehr als 40 Grad: Das sind die Folgen für die Gesundheit
Nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Landesgesundheitsamts kann Hitze zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschlimmern, sich auf die Nieren auswirken oder auch die Wirkung von Medikamenten beeinflussen - was zu Notfällen und auch zu Todesfällen führen kann. Auf dem Totenschein steht aber dann nicht Hitze als Todesursache. Daten zu hitzebedingten Todesfällen "sind daher grundsätzlich Abschätzungen basierend auf statistischen Methoden," erläutert das Gesundheitsministerium.
Hunderte Menschen sterben an Folgen der Hitze
Das RKI veröffentlicht solche geschätzten Zahlen zu Hitze-Toten für Baden-Württemberg. Demnach sind bis zum 28. Juni 2026 in Baden-Württemberg 790 Menschen hitzebedingt gestorben. In ganz Deutschland waren es laut RKI 5.120 Hitzetote. Bezogen auf die Bevölkerung berechnet das RKI - ähnlich wie in der Coronapandemie - eine Inzidenz pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Bis Ende Juni lag sie in Baden-Württemberg bei 7. Nur 3 Bundesländer hatten höhere Inzidenzen: das Saarland mit 15,5, Rheinland-Pfalz mit 13,6 und Hessen mit 9,6.
Für die Berechnung wendet das RKI ein statistischen Modell auf die Zahl der Sterbefälle in besonders heißen Wochen an. Wenn in den fraglichen Wochen keine anderen Ereignisse viele Tote gefordert haben - wie zum Beispiel Erdbeben oder andere Katastrophen - dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Hitze die Ursache für einen Großteil der Sterbefälle war. Auf der Website des RKI heißt es dazu: "In heißen Wochen mit einer Wochenmitteltemperatur ab 20 Grad Celsius zeigt sich sehr gleichmäßig über die Jahre eine deutlich erhöhte Gesamtzahl von Sterbefällen in Deutschland, vor allem bei älteren Menschen. "
Hitzewelle: Das plant die Landesregierung
Das von den Grünen geführte Gesundheitsministerium hat inzwischen eine Hitze-Taskforce ins Leben gerufen, die bestehende Hitzeschutz-Maßnahmen vernetzen und bündeln soll. Aber auch andere Ministerien sollen die Erkenntnisse aus der vergangenen Hitzewelle analysieren - das hat Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) angekündigt. Dem Vernehmen nach könnte es dabei unter anderem um besseren Hitzeschutz bei Neubauten gehen.
Außerdem werden die Hitzefrei-Regelungen in BW künftig auch auf Berufsschulen und gymnasiale Oberstufen ausgeweitet. Das Kultusministerium hat seine Hinweise an die Schulleitungen für den Unterricht bei sehr hohen Temperaturen jetzt entsprechend geändert. Hitzefrei ist laut Kultusministerium nach der vierten Stunde möglich, wenn die Außentemperatur um 11 Uhr mindestens 25 Grad im Schatten beträgt. Weiterer Maßstab soll ab dem kommenden Schuljahr die Temperatur im Klassenzimmer sein. Ab 30 Grad im Zimmer soll es hitzefrei geben.
Mehr Hitzeschutz für Krankenhäuser und Patienten
Die baden-württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) fordert in Bezug auf hitzebedingte Todesfälle: Patienten und Patientinnen müssen vor der Hitze besser geschützt werden. Für geschwächte Menschen seien zu heiße Innenräume noch gefährlicher als für gesunde. Und auch die Beschäftigten in den Krankenhäusern würden unter der Hitze leiden.
"Die Hitzeschutzpläne der Kliniken sind ein wichtiger Baustein, um der Hitze zu begegnen," sagt Annette Baumer von der BWKG. Diese Pläne sehen unter anderem vor, dass Patienten viel trinken, Kühlakkus und leichte Laken statt einer dicken Bettdecke bekommen.
All das würde allerdings nicht ausreichen, wenn die Hitzebelastungen regelmäßig auftreten. Aus eigenen Mitteln könnten die Krankenhäuser den Einbau von Klimaanlagen nicht finanzieren. Bereits jetzt schreiben etwa drei Viertel der Häuser rote Zahlen. "Das erwartete Defizit der baden-württembergischen Krankenhäuser im laufenden Jahr beträgt 880 Millionen Euro“, so Baumer.
Gemeindetag fordert mehr Geld
Für den baden-württembergischen Gemeindetag ist entscheidend, "dass Hitze insbesondere für vulnerable Menschen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko darstellt." Die Kommunen müssten sich deshalb um Hitzeschutz vor Ort kümmern, beispielsweise um Trinkwasserangebote und um Verschattung öffentlicher Räume. Dafür bräuchten die Städte und Gemeinden laut Gemeindetag allerdings auch das Geld: "Gerade in der aktuellen kommunalen Finanzkrise darf zusätzlicher Hitzeschutz nicht zu einer weiteren ungedeckten Aufgabe werden."
Nach aktuellen Zahlen belaufe sich der Investitionsrückstand der Städte, Gemeinden und Landkreise bundesweit auf mehr als 231 Milliarden Euro. Hinzu kämen milliardenschwere zusätzliche Herausforderungen etwa bei der Klimafolgenanpassung und der energetischen Sanierung.