Die Diskussion um eine Kostenbeteiligung der Proficlubs bei Hochrisiko-Spielen im Fußball nimmt wieder Fahrt auf. Nach den schweren Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel in Mannheim fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine Debatte über die Mehrkosten. Doch das Land will die Vereine mit Verweis auf die Stadion-Allianzen bisher nicht zur Kasse bitten.
Hundertschaften der Polizei auf dem Rasen, Beamte mit Polizeipferden auf dem Spielfeld - die Bilder aus dem Carl-Benz-Stadion in Mannheim vom Freitagabend hatten mit Fußball und auch mit einem hitzigen Derby nichts zu tun. Die Krawalle mit 85 Verletzten und dem Einsatz von 1.400 Polizistinnen und Polizisten haben eine bundesweite Diskussion befeuert, die seit Jahren geführt wird. Es geht um die Beteiligung des bezahlten Fußballs an den Mehrkosten für Hochrisikospiele, bei denen wesentlich mehr Beamte im Einsatz sind.
Polizeigewerkschaft GdP will Debatte über Kostenbeteiligung der Vereine
Die Gewerkschaft der Polizei ist der Überzeugung, dass jetzt über eine angemessene Beteiligung der Vereine an den zusätzlichen Kosten von Hochrisikospielen debattiert werden muss. Der Vorsitzende der GdP-Bezirksgruppe Mannheim, Thomas Mohr, hält es für schwer vermittelbar, wenn bei kommerziellen Großveranstaltungen zusätzliche Polizeikräfte eingesetzt werden müssen und sämtliche Mehrkosten bei der Allgemeinheit verbleiben. Die Vereine müssen sich an den Kosten bei Hochrisikospielen beteiligen, so Mohr gegenüber dem SWR. Zumal diese Kräfte in dieser Zeit für andere polizeiliche Aufgaben nicht zur Verfügung stünden.
Die Deutsche Polizei-Gewerkschaft schlägt eine Kostenbeteiligung in Form einer Verwaltungsgebühr vor, die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen bezahlt werden soll.
Landesrechnungshof fordert Gebührenregelung
Seit mehreren Jahren wird über die Kostenbeteiligung des Profifußballs am zusätzlichen Aufwand für Hochrisikospiele diskutiert. Bei der Risikoanalyse wird das Gewalt- und Aggressionspotenzial der jeweiligen Fanlager vor jedem Spiel neu bewertet. Wenn klar ist, dass es Ausschreitungen geben könnte, wird die Partie als Hochrisikospiel eingestuft. In Baden-Württemberg waren es in den ersten fünf Ligen beispielsweise 14 Begegnungen in der Saison 2025/26. Bei diesen Spielen sind mehr Polizeikräfte im Einsatz, daher fallen zusätzliche Kosten an. Solche Mehrkosten stellt Bremen seit Jahren der Deutschen Fußball-Liga DFL in Rechnung.
Im Januar 2025 hat das Bundesverfassungsgericht diese Praxis bestätigt. Das höchste deutsche Gericht gab dem Land Bremen im Streit mit der Deutschen Fußball-Liga recht. Damit haben nun alle Länder die Möglichkeit, die DFL und damit mittelbar auch die Profivereine für zusätzlich anfallende Kosten bei Hochrisikospielen zur Kasse zu bitten.
Dies hat in Baden-Württemberg auch der Landesrechnungshof gefordert. Die Prüfer sehen keinen Widerspruch darin, die Stadionallianzen mit der Zusammenarbeit von Polizei, Clubs und Fanprojekten fortzuführen und gleichzeitig der DFL und damit den Vereinen die Mehrkosten für Risikospiele zu berechnen: "Der Rechnungshof hält es - anknüpfend an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts - für legitim, die Kosten solcher Einsätze nicht allein der Allgemeinheit aufzubürden."
Innenministerium lehnt Kostenbeteiligung bisher ab
Die Krawalle beim Pokalspiel in Mannheim und der Einsatz von 1.400 Beamten - fast zehnmal so viele wie im Durchschnitt bei einem Bundesligaspiel - will Innenminister Manuel Hagel (CDU) zum Anlass nehmen, mit den Vereinen darüber zu sprechen, welche Konsequenzen bei Hochrisikospielen zu ziehen sind: "Nach diesen Szenen beim DFB-Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern, mit vermummten Hooligans, mit abgefeuerten Raketen auf friedliche Fußballfans, mit Randalierern auf dem Spielfeld, kann es kein schlichtes 'Weiter so!' geben - auch wenn solche Partien bei uns zum Glück die absolute Ausnahmesituation sind."
Bisher bleibt es bei der Regelung, den Profifußball nicht an den Mehrkosten für solche Einsätze zu beteiligen. Grund ist laut Innenministerium der Erfolg der Stadionallianzen. Die Kooperation von Polizei, Fanvertretern, Vereinen und Städten habe zu weniger Gewalt und weniger Einsatzkosten rund um die Fußballspiele geführt.
Nach diesen Szenen beim DFB-Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern, mit vermummten Hooligans, mit abgefeuerten Raketen auf friedliche Fußballfans, mit Randalierern auf dem Spielfeld, kann es kein schlichtes 'Weiter so!' geben - auch wenn solche Partien bei uns zum Glück die absolute Ausnahmesituation sind.
Die Zahl der Verletzten ist in der vergangenen Saison auf 91 zurückgegangen, in der Spielzeit 2024/25 gab es rund um die Spiele der ersten fünf Ligen noch 132 Verletzte. Auch die Einsatzstunden der Polizei sind gesunken - von 174.000 in der Saison 2024/25 auf 165.000 in der vergangenen Spielzeit. Dadurch konnten die Einsatzkosten nach Angaben des Innenministeriums um 600.000 Euro reduziert werden. Bezogen auf die gesamte Saison.
GdP: Polizeieinsatz in Mannheim könnte eine Million Euro gekostet haben
Der Einsatz am vergangenen Freitag in Mannheim beim Pokalspiel zwischen dem Waldhof und Kaiserslautern dürfte laut GdP zwischen 700.000 und einer Million Euro gekostet haben. Und auch wenn die Kosten für die Polizeieinsätze im Profi-Fußball mit zuletzt gut zwölf Millionen Euro seit zwei Jahren wieder rückläufig sind - liegen sie doch immer noch gut 30 Prozent über den neun Millionen Euro bei der Einführung der Stadionallianzen im Jahr 2017.