In Karlsruhe hört man auf dem Hauptfriedhof das laute Brummen von Laubbläsern. Kleine Lkw und Sprinter fahren in regelmäßigen Abständen über das Gelände. Fast an jeder Ecke sind Menschen in die Arbeit vertieft. Normalerweise ist ein Friedhof ein Ort zum Innehalten und zum stillen Gedenken. In Vorbereitung auf die anstehenden Feiertage im November herrscht auf dem riesigen Parkfriedhof momentan aber Hochbetrieb.
Totenmonat startet am Samstag mit Allerheiligen
Den Anfang des sogenannten Totenmonats November macht Allerheiligen - direkt danach folgt Allerseelen. Rund um die beiden Feiertage kämen im Jahr am meisten Menschen zum Hauptfriedhof, erzählt Matthäus Vogel, Leiter des Friedhofs- und des Bestattungsamtes Karlsruhe.
"Halloween ist kein Ersatz für Allerheiligen"
Am Abend vor Allerheiligen ist Halloween. Ursprünglich hat der Feiertag einen direkten Bezug zu Allerheiligen. Der Name leitet sich auch von "All Hallows' Eve" ab - zu Deutsch: der Abend vor Allerheiligen. Für Matthäus Vogel konkurrieren die beiden Feiertage nicht miteinander. Denn:
Halloween ist kein Ersatz für Allerheiligen, das ist was ganz anderes.
Das bedeutet Allerheiligen für die Menschen in BW
Allerheiligen sei der Erinnerungstag an die Verstorbenen und werde auch seine Berechtigung behalten, wenn Halloween sich mehr und mehr etabliert, so der Friedhofsleiter. Er managt schon seit 20 Jahren die Karlsruher Friedhöfe und spricht mit Leidenschaft über die Gedenkorte, um die er sich kümmert. Die starke Zuneigung habe sich im Laufe der Zeit aber erst entwickelt. Für ihn seien Friedhöfe eigentlich sehr positive Orte und hätten zu Unrecht ein negatives Image.
Es ist der Ort, an dem die Verstorbenen ihre letzte Ruhestätte finden - hier wohnen, wenn man so will. Wenn man sie besucht, dann ist das wie im ganz normalen Leben.
Die Person feiern und nicht nur den Tod betrauern
Nicht weit vom Eingang entfernt geht Familie Röblreiter spazieren. Die drei haben für die verstorbene Oma des Vaters einen Grabschmuck mitgebracht. Der Enkel erinnert sich gerne an seine Großmutter - sie war typisch badisch, erinnert er sich schmunzelnd. Für den Vater hat das Gedenken an Tote auch etwas Positives. Dafür solle man sich auch bewusst die Zeit nehmen. Denn manchmal käme einem ein leichtes Grinsen oder eine schöne Erinnerung, die den Tag auch schöner machen könne.
Seine Frau findet die Bräuche anderer Kulturen viel schöner - insbesondere die den verstorbenen Menschen feiern, statt nur den Tod zu betrauern. Das Leben der Person, was sie erreicht und getan hat und die Liebe zu ihr sollten in einem großen Fest gefeiert werden, findet die Mutter. Das mache es einem leichter, dass der geliebte Mensch gegangen ist.
Für Allerheiligen wird das Grab gerichtet
Auch das Ehepaar Gierescher hat alle Hände voll zu tun. Die beiden Senioren kümmern sich um das Grab der Eltern von Herrn Gierescher. Das machen sie im Frühjahr und vor Allerheiligen immer gemeinsam im Team.
Es ist Sitte, dass man an Allerheiligen das Grab richtet.
Die Eltern von Frau Gierescher sind schon vor längerer Zeit gestorben, erzählt sie. "Ich bin immer an ihr Grab gegangen und habe mit ihnen geredet - und erzählt." Die Art, mit den Eltern in Kontakt zu treten, habe etwas Beruhigendes.
Ein Wagen für müde Füße am Hauptfriedhof in Karlsruhe
Das Gelände des Karlsruher Hauptfriedhofes umfasst etwa 34 Hektar. Das ist nicht nur für Leute, die nicht gut laufen können, eine enorme Größe. Um den Besucherinnen und Besuchern die Strecke zu erleichtern, ist ein Golfmobil als Shuttle im Einsatz. Die Menschen seien über das Angebot erfreut, erzählt Simone Maria Dietz. Sie ist Kunsthistorikerin und die Ansprechpartnerin für die Öffentlichkeitsarbeit des Friedhofes.
Mit dem Wagen konnte aber auch schon spontan Menschen geholfen werden: "Vor einiger Zeit war ich mit einer Dame für einen Grabbesuch unterwegs. Wir waren auf dem Rückweg, als uns eine Gruppe entgegen kam, die offensichtlich nicht richtig wusste, wo sie hinlaufen soll", erinnert sich Simone Maria Dietz.
Darunter sei eine junge Frau gewesen, die klein und zierlich war und einen riesigen Kranz tragen musste. "Die waren dann total glücklich, dass wir kurz angehalten haben", erzählt sie. Die Gruppe durfte dann spontan im Golfmobil mitfahren. Als sie am Zielort angekommen waren, sei allen vor Erleichterung eine schwere Last abgefallen.
Golfmobil an Allerheiligen spontan im Einsatz
Vier Ehrenamtliche fahren das Golfmobil. Normalerweise muss eine Fahrt - möglichst zwei Tage vorher - vorab telefonisch gebucht werden. Zu Allerheiligen ist der Wagen aber von 10 bis 15 Uhr nur ohne vorherige Anmeldung im Einsatz. Der Golfwagen steht in der Zeit für den Shuttleservice am Eingang des Hauptfriedhofes bereit.
In Karlsruhe finden auf den Friedhöfen zu Allerheiligen verschiedene Veranstaltungen statt. Unter anderem gibt es in der Großen Kapelle auf dem Hauptfriedhof ein Livekonzert mit modernen Rockballaden.