Der alte Schlachthof in Pforzheim liegt seit 2003 brach. Die Genossenschaft "Gewerbekultur Pforzheim eG" will das Gelände mit neuem Leben füllen und einen Ort schaffen, an dem Menschen gemeinsam wohnen, arbeiten und Kunst und Kultur erleben können. Doch in den letzten Monaten ist die Planung ins Stocken geraten. Am Dienstag ist das Projekt erneut Thema im Gemeinderat.
Lage verschärft sich noch Studie: In Baden-Württemberg fehlen rund 200.000 Wohnungen
Wohnraum wird in Baden-Württemberg immer knapper und die Lage dürfte sich in den kommenden Jahren zuspitzen. Die Folgen spüren zunehmend auch ältere Menschen.
100 Wohnungen im alten Schlachthof in Pforzheim
Rund 100 Wohnungen sollen auf dem Gelände und im Gebäude des alten Schlachthofs entstehen. Die Genossenschaft plant klassische Wohnungen in vier Wohnblöcken und sogenannte Loftwohnungen in der Halle des alten Schlachthofs. Außerdem sind bereits sieben Ateliers fertig, in die schon Künstlerinnen und Künstler eingezogen sind. Auch Gastronomie soll dort einziehen und verschiedene Veranstaltungen stattfinden.
Sarah Saal ist mit ihrem Atelier schon vor drei Jahren hier eingezogen. Besonders die Gemeinschaft und die Förderung ihrer Arbeit durch die Genossenschaft gefällt ihr. Auch, dass sich bereits eine Gemeinschaft gebildet hat.
Es war immer einfach ein nettes Team hier. Man hatte ein Anliegen und es war sofort Hilfe da.
Wohnprojekt als Begegnungsstätte
Auch Stefanie Wetzke ist überzeugt von dem Wohnkonzept. Sie ist Vorstand der Genossenschaft und möchte mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern selbst einziehen. Wohnen, Arbeiten, Kunst und Kultur alles in einem Quartier. Das war von Anfang an die Idee und wird deshalb auch im Projekt "Innovativ Wohnen BW", das solche und ähnliche Projekte unterstützt, finanziell vom Land gefördert.
Wir haben nicht mehr die funktionsgetrennte Stadt. Sondern das ist die Idee: Dass man sich hier im Quartier gemeinschaftlich mit einer netten, solidarischen Nachbarschaft trifft. Dass man hier Begegnungsmöglichkeiten hat […].
Vorhaben verzögert sich: Finanzierung in Gefahr
Für das Projekt schießt das Land Baden-Württemberg rund 1,5 Millionen Euro zu. Zumindest war das geplant. Eigentlich könnte die Genossenschaft jetzt mit dem Bau der neuen Gebäude beginnen. Derzeit fehlt aber noch der Beschluss der Stadtverwaltung. Bisher ist nicht klar, wann dieser vorliegt.
Die Verzögerung ist im Wesentlichen auf die erhöhte Komplexität des Verfahrens zurückzuführen (…). Ziel ist es, das Verfahren zügig voranzubringen und gleichzeitig die rechtlichen Anforderungen sorgfältig zu erfüllen.
Durch Änderungen in der Planung sieht sich die Stadt mit weiteren Herausforderungen konfrontiert. Diese betreffen etwa zusätzliche fachliche Untersuchungen sowie Abstimmungsprozesse, zum Beispiel im Bereich des Lärmschutzes. Im Planungsausschuss wurde betont, dass ein benachbartes Unternehmen Bedenken geäußert habe. Man habe die Sorge, dass sich zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner der geplanten Wohnungen über Lärm beschweren könnten.
Finanzierung vom Land ist zeitlich befristet
Durch die Verzögerungen wankt die Finanzierung durch das Land. Diese ist zeitlich befristet und soll diesen Sommer auslaufen. Das würde nicht nur die neuen zukünftigen Wohnungen wie die von Frau Wetzke betreffen. Sondern auch die Künstler, die bereits im alten Bestand ihr Atelier bezogen haben. Ohne gesicherte Finanzierung könnten diese womöglich nicht gehalten werden, so Stefanie Wetzke.
Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen antwortet auf Nachfrage des SWR, dass man sich in einem laufenden Austausch befinde und auch über die Anpassung von Fristen berate. Ob eine Verlängerung des Zeitraums für die Fördermittel möglich ist, sei zum jetzigen Zeitpunkt aber offen.