Laut einer Analyse der Landeszentrale für politische Bildung ist niemand jünger als der 23 Jahre alte Nico Gunzelmann, Direktkandidat der CDU aus dem Enzkreis. Am Dienstag fand seine erste Fraktionssitzung in Stuttgart statt. SWR-Reporterin Annika Jost hat ihn auf dem Heimweg nach seinem ersten Arbeitstag begleitet.
"Erster Schultag" für jüngsten Abgeordneten im Landtag Baden-Württemberg
Nico Gunzelmann kommt im Anzug aus dem Landtag. Er trägt sein Tablet in der Hand und einen großen Stapel Dokumente. Eigentlich arbeite er lieber digital, erzählt der 23-Jährige. Aber am "ersten Schultag", wie er seinen ersten Tag in der Landesfraktion nennt, gab es alles Wichtige ausgedruckt - wie in der Schule eben. Zuerst fanden Seminare gemeinsam mit den anderen neuen CDU-Abgeordneten statt und anschließend die erste Fraktionssitzung nach der Wahl.
Der erste Tag war überwältigend!
Mit ihm verlässt Andreas Renner aus Pforzheim den Landtag. Auch er hat seinen Wahlkreis gewonnen und zieht neu ins Parlament ein. "Uns wird man in Zukunft wohl öfter im Doppelpack sehen", sagt Renner mit einem Schmunzeln. Die beiden wollen nicht nur den Neuanfang im Landtag gemeinsam durchziehen, sondern auch Themen gemeinsam angehen.
Jahresurlaub für den Wahlkampf: "Es wäre ein hartes Jahr geworden."
Wenn alles glatt läuft, startet der neu gewählte Landtag Mitte Mai seine Arbeit. Aber vorher stehen noch Koalitionsverhandlungen mit Bündnis 90/Die Grünen an. Nico Gunzelmann würde am liebsten mit verhandeln. "Ob es klappt, weiß ich leider noch nicht", so der 23-Jährige. Auf einen Ministerposten würde er in dieser Wahlperiode aber noch verzichten, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Ich möchte meinen Idealismus so lange wie möglich bewahren.
Als er bei der CDU als Direktkandidat nominiert wurde, war für ihn klar, dass es keine leichte Aufgabe wird. "Wir mussten den Wahlkreis nach zehn Jahren von den Grünen zurückgewinnen", erzählt er. Im vergangenen Jahr sei der Politiker aus Wiernsheim deshalb auf mehreren hundert Vereinsfesten im Kreis unterwegs gewesen.
Social Media habe er zwar auch gemacht, das sei aber bei der Wählergruppe der CDU nicht so wichtig gewesen. Die CDU hält er trotzdem nicht für eine Altherrenpartei, sondern für eine Volkspartei, die alle Menschen vertritt, auch so junge wie ihn.
Für den Endspurt im Wahlkampf habe der Abteilungsleiter der Geschäftsstelle Gemeinderat bei der Stadt Sindelfingen seinen kompletten Jahresurlaub genommen. "Wenn es nicht geklappt hätte, wäre es ein hartes Jahr geworden", erzählt Gunzelmann und lacht erleichtert. Sein junges Alter sei ein Vorteil gewesen: "Ich habe noch keine Familie." So hätte er seine ganze Energie und viele lange Nächte in den Wahlkampf stecken können.
Jüngster Abgeordneter möchte alle Menschen im Enzkreis vertreten
Auf der Bahnfahrt von Stuttgart zurück nach Pforzheim fällt auf: Der intensive Wahlkampf scheint sich gelohnt zu haben - viele Menschen erkennen ihn. "Sie sind doch frisch gewählt!", ruft ein Mann mittleren Alters von seinem Sitzplatz quer durch den Zug. Immer wieder kommen Männer auf ihn zu und schütteln ihm die Hand. "Ich habe Sie auch gewählt", sagt ein anderer. Viele Menschen würden auch jetzt schon mit Themen auf ihn zukommen, die sie beschäftigen.
Mit den Themen Kultus, Sport und Jugend kenne er sich am besten aus, erzählt er. Außerdem will er sich für eine digitalisierte Verwaltung einsetzen, auch um die Kommunen zu entlasten. Letztendlich werde er im Landtag die Interessen aller Menschen aus dem Enzkreis vertreten, verspricht er.
Dort, wo es sinnvoll ist, werde er die Perspektive der jungen Menschen einbringen.
Nach der Wahl wollte er eigentlich ein paar Tage verschnaufen. Aber es geht weiter - Schlag auf Schlag. Am Mittwoch endet der Urlaub in seinem Job. "Ich weiß, dass mich dort über 5.000 E-Mails erwarten", erzählt er. Und dann müsse er die Übergabe für seine Nachfolge vorbereiten. Denn wenn alles nach Plan laufe, sei er ab April Politiker in Vollzeit.