Erik Schweickert steht mitten in seiner Wahlparty in einem italienischen Restaurant in Pforzheim. Er beobachtet schweigend die Hochrechnungen für die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg. Er war der Direktkandidat für die FDP im Enzkreis. 4,4 Prozent in der Hochrechnung um 19:59 Uhr - das reicht nicht für den Wiedereinzug in den Landtag.
SWR Wahlergebnisportal Landtagswahl 2026 - So hat Baden-Württemberg gewählt
Die Wahlergebnisse der Landtagswahl 2026 für Baden-Württemberg.
Der Direktkandidat aus Pforzheim ist an diesem Abend in Stuttgart. Als Landeschef der FDP muss Hans-Ulrich Rülke das historisch schlechte Ergebnis in Stuttgart rechtfertigen. "Das ist für uns sehr bedauerlich. Damit endet eine Tradition", sagt er in der Wahlsendung der ARD. Später am Abend entscheidet er sich für den Rücktritt vom Landesvorsitz der FDP.
FDP nicht mehr im Landtag: Kritik an Medien
Rülke war der richtige Mann für den Wahlkampf, da sind sich die Pforzheimer FDP-Stradträte Monika Descharmes und Janis Wiskandt auf der Wahlparty sicher. Ein junger Kandidat hätte nichts besser gemacht, sagt Monika Descharmes. Das sehe man jetzt auch bei der CDU. Der junge Spitzenkandidat Manuel Hagel habe es auch nicht geschafft, die Grünen zu überholen.
Lange Gesichter bei Wahlparty BW-Landtagswahl: Schock und Enttäuschung bei CDU in Bruchsal
Schon vor Schließung der Wahllokale war die Stimmung bei der CDU-Wahlparty in Bruchsal angespannt. Trotzdem kam die erste Hochrechnung der BW-Landtagswahl wie ein Schock.
Den Grund für den schlechten Wahlausgang sehen die zwei zu einem großen Teil in den Medien und der Berichterstattung vor der Wahl. Die Kritik äußerte die Partei bereits vor der Wahl. Unter anderem klagte die Partei dagegen, nicht zu einer Dreier-Debatte des SWR eingeladen worden zu sein. Der VGH entschied, dass die Partei keinen Anspruch darauf hat.
In den Zeitungen und im Fernsehen sei immer von einem Elefantenrennen zwischen Bündnis 90/Die Grünen und der CDU gesprochen worden, so die FDP-Mitglieder in Pforzheim. Durch die Zuspitzung auf die beiden großen Parteien hätten alle anderen verloren. Das sehe man auch am schlechten Ergebnis der SPD.
Hagel-Video: Zoe Mayer von Reichweite überrascht Jubel im Rathaus in Karlsruhe: Grüne feiern Wahlerfolg bei der BW-Landtagswahl
Nicht nur im Land feiern die Grünen ihren Wahlerfolg: Auch in Karlsruhe kann sich die Partei beide Direktmandate sichern. Die Freude am Wahlabend war groß.
SPD sei im Landtag einzige demokratische Opposition
Und auch die CDU habe sich an der Polarisierung beteiligt. So habe CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann in einem Interview bei Welt TV gesagt, dass eine Stimme für die FDP eine Stimme für einen grünen Ministerpräsidenten sei. Wahlkampfprogramme oder andere mögliche Regierungskoalitionen wären hingegen kein Thema mehr gewesen. So hätten die Wähler das Gefühl gehabt, sie müssten sich zwischen Grünen und CDU entscheiden.
Ich habe mit der FDP schon öfter so knappe Ergebnisse erlebt. Aber das heute ist besonders bitter.
Für die Stadträtin hat bei dieser Wahl auch die Demokratie im Allgemeinen Schaden genommen. In einem Parlament mit nur vier Parteien sei die SPD jetzt die einzig demokratische Oppositionspartei. Das sei zu wenig, erklärt Descharmes. Die AfD mache keine wirkliche Oppositionsarbeit.
FDP in Pforzheim: Partei für Junge trotzdem wichtig
Mauro Fischer und Robin Leinerd gehören mit einem Alter von 25 und 28 Jahren zu den jüngeren FDP-Mitgliedern auf der Wahlparty in Pforzheim. Sie sehen im schlechten Wahlergebnis bei der Landtagswahl noch Nachwirkungen der Ampelregierung im Bund und dem vorzeitigen Scheitern dieser.
Die Entscheidungen der Wählerinnen und Wähler können sie trotzdem nicht nachvollziehen. Alle würden sich nur über die bestehende Regierung beschweren, hätten dann aber wieder die gleichen Parteien gewählt. Vor allem für Robin Leinerd ist das unverständlich: "Warum macht man denselben Fehler zwei Mal?"
Für sie bleibt die FDP aber eine Partei mit Zukunft. Die Partei habe einen guten Wahlkampf auf Social Media gemacht und bei den Erstwählern besser performt. Aber auch bei den unter 25-Jährigen konnte die FDP nur sechs Prozent der Stimmen für sich gewinnen. "Jedes Parlament braucht eine Partei, die rechnen kann. Und das kann nur die FDP", sagt Robin Leiderd optimistisch.