Familienbad feiert 90. Geburtstag

Freibad in Karlsruhe: Wie Ehrenamtliche das "Wölfle" am Leben halten

Familienbad und Wohlfühlort - viele Menschen hängen an ihrem "Wölfle" im Karlsruher Stadtteil Wolfartsweier. Doch ohne das ehrenamtliche Engagement eines Fördervereins hätte das Bad nicht überlebt.

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Von Autor/in Susann Bühler

Es ist die perfekte Kulisse für einen Urlaubstag im Freibad: Unter strahlend blauem Himmel glitzert das Wasser im Schwimmbecken verlockend, rundherum laden gepflegte Rasenflächen unter schattigen Bäumen zum Verweilen ein. Obwohl einige Bäder in Baden-Württemberg in der Krise stecken, ist das "Wölfle", wie viele Karlsruher ihr Freibad im Stadtteil Wolfartsweier liebevoll nennen, immer noch da.

Freibadkrise: Förderverein rettete das Wölfle

Das "Wölfle" ist eines der ältesten und traditionsreichsten Freibäder in Karlsruhe. Am Sonntag feiert das Bad sein 90-jähriges Bestehen - und mit ihm der Förderverein Freibad Wolfartsweier. Die Ehrenamtlichen des Vereins kümmern sich mit viel Engagement um alle Belange des Badebetriebs. Für Vereinsvorsitzende Christa Grafmüller-Hell ist das Jubiläum ein Grund zur Freude - und sie ist auch ein bisschen stolz, das die viele Arbeit der letzten Jahre Früchte trägt.

Die vergangenen zehn Jahre haben gezeigt, dass über dem Wölfle ein guter Stern steht. Nun hoffen wir, dass der gute Stern auch weiter scheint.

Dass das Bad bis heute überlebt hat, wäre ohne das bürgerschaftliche Engagement der Menschen aus den umliegenden Stadtteilen Wolfartsweier und Hohenwettersbach nicht möglich gewesen. Im Jahr 2002 übernahm der Förderverein Freibad Wolfartsweier den Betrieb des Wölfles und rettete es so vor der drohenden Schließung. Damals wollte die Stadt Karlsruhe den Bäderbetrieb im Wölfle aus Kostengründen einstellen.

Freibad in Karlsruhe: Nachwuchsprobleme in der Zukunft?

Inzwischen zählt der Förderverein 520 Mitglieder. Heute kümmert sich ein Team aus 30 Aktiven - darunter Ehrenamtliche, zwei hauptamtliche Fachkräfte mit Bademeister und Beckenaufsicht, sowie fünf Minijobbern darum, den Badebetrieb am Laufen zu halten. Ob Kassendienst, Rasenpflege, Elektrik, Installationen oder Arbeitseinsätze - die meisten Arbeiten stemmen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer selbst. Nur dass inzwischen die meisten über 50 Jahre alt sind. Christa Grafmüller-Hell hat deshalb auch Nachwuchssorgen.

Natürlich hängt in Zukunft viel davon ab, wie die junge Generation sich hier im Wölfle einbringt - von alleine läuft es nicht.

Täglich findet Schwimmunterricht im Wölfle statt.
Wohl eine Besonderheit: Täglich findet Schwimmunterricht im "Wölfle" statt. Foto: Susann Bühler

Das Wölfle ist vor allem bei Familien mit Kindern beliebt. Auch wegen der Schwimmkurse. Täglich um 14 und 15 Uhr können hier Kinder ohne Voranmeldung schwimmen lernen. In Zeiten von Personalmangel und Bäderschließungen wohl eine Rarität.

Kerstin Alexander aus Wolfartsweier ist kürzlich erst als neues Mitglied in den Förderverein eingetreten, sie will das Wölfle unbedingt am Leben erhalten, auch weil ihre beiden Söhne Ben und Tom hier Schwimmen gelernt haben. Und Kimmo Hütter aus Karlsruhe schwärmt für die tolle familienfreundiche Atmosphäre: "Unser Wölfle ist das beste Schwimmbad der Welt, meine Kinder lieben das hier", so der Familienvater.

Viele Schattenplätze bietet das Freibad
Das Freibad "Wölfle" in Karlsruhe bietet auch einige Schattenplätze. Foto: Susann Bühler

Wölfle als Modell für andere Bäder?

Die finanzielle Schieflage der Stadt Karlsruhe hat dazu geführt, dass auch das Rheinstrandbad von einer möglichen Schließung bedroht ist. Für Christa Grafmüller-Hell ist das eine besorgniserregende Entwicklung. "Schwimmbäder sind ein wichtiger Ort für Familien, da hängen auch viele Kindheitserinnerungen und Heimatgefühle dran. Aber das alles kostet viel Geld. Vielleicht kann das Wölfle hier auch ein Vorbild für andere Bäder sein, wie man durch viel Eigenengagement ein Bad am Leben erhalten kann."

Viele laufende Investitionen stemmt der Verein aus eigenen Mitteln. Die Bareinnahmen belaufen sich im Schnitt auf rund 30.000 Euro im Jahr - vor allem aus Eintrittgeldern, Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Dazu kommt ein fester jährlicher Betriebskosten-Zuschuss von der Stadt Karlsruhe von maximal 25.000 Euro - der sogenannte "Doppeleuro". Wie es in Zukunft mit Zuschüssen für große Investitionen aussieht, sei noch unsicher, meint Vereinsvorsitzende Grafmüller-Hell.

Vom Schülerbad zum Schwimmbad

Vor 90 Jahren, im August 1935, öffnete das Schwimm-, Luft- und Sonnenbad Wolfartsweier seine Türen. Ursprünglich war nur ein Schülerbad mit Bade- und Duschgelegenheit geplant, die Pläne scheiterten 1929 aber am nötigen Geld in der Weltwirtschaftskrise. In der NS-Zeit war Juden der Zutritt zum Bad verboten. Im Krieg wurde das Schwimmbad stark beschädigt. Erst 1967 wurde ein Neubau mit 50-Meterbecken, Sprungturm und Kinderrutsche realisiert.

Nach einer Renovierung folgte 1993 ein neues Kinderbecken und eine Solaranlage zur Beheizung des Wassers. Seit 2002 erfolgten viele Rundumsanierungen, unter anderem wurde das Babyplanschbeckern mit Plattenbelang saniert, die Umwälzpumpen und das Dach in Stand gesetzt. Als nächster großer Posten wartet nun die Sanierung der Filteranlage - Kostenpunkt zwischen 40.000 und 50.000 Euro.

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